Kredite, Festgeld, Bundesanleihen Wie die Zinswende Kredite teurer macht

So hatten Anleger sich das nicht vorgestellt. Nachdem die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen deutlich angezogen haben, steigen endlich auch andere Zinsen – aber die falschen. Sparer brauchen weiterhin Geduld.
10 Kommentare
Die Rendite der Bundesanleihen steigt wieder - und damit auch die Kreditzinsen. Quelle: Imago
Ein Trend kippt

Die Rendite der Bundesanleihen steigt wieder - und damit auch die Kreditzinsen.

(Foto: Imago)

FrankfurtMit Wünschen muss man vorsichtig sein, denn sie könnten in Erfüllung gehen. Das gilt auch für den Wunsch nach einer Zinswende. Die nämlich setzt gerade ein, allerdings nicht so, wie Verbraucher sich das vorgestellt hatten.

Erstmals seit neun Monaten hat die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen am Mittwoch wieder die Ein-Prozent-Marke überschritten. Bei Millionen sicherheitsorientierten Anlegern schürt das die Hoffnung auf höhere Zinsen für ihre Spareinlagen. Es wäre doch schön, wenn das Festgeldkonto wenigstens die Inflationsrate ausgleichen könnte. Aktuell ist davon aber noch nichts zu sehen. Stattdessen tut sich etwas am Kreditmarkt – doch leider nicht zugunsten der Verbraucher.

Nach einer Auswertung der FMH-Finanzberatung haben sich die Zinsen für einjähriges Festgeld in den vergangenen Wochen kaum verändert. Während die Bund-Rendite seit dem 20. April von 0,05 auf aktuell knapp ein Prozent kletterte, schwankten die Festgeldzinsen minimal zwischen 0,37 und 0,40 Prozent. Anders die Reaktion etwa bei den Hypothekenzinsen mit einer Laufzeit von zehn Jahren: Diese sind von 1,27 auf 1,69 Prozent gestiegen – der Kredit per Hausbeleihung ist also teurer geworden. Die gleiche Tendenz zeigt sich bei Ratenkrediten.

So hatten sich Anleger die Zinswende wohl nicht vorgestellt. „Attraktive Einlagezinsen sind noch lange nicht in Sicht“, sagt Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance. Die Begründung: „Die entscheidende Variable für kurzfristige Spareinlagen ist der Leitzins der Europäischen Zentralbank.“

Wie sich die Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld entwickeln, hängt nämlich maßgeblich von der Refinanzierungssituation der Banken ab. Solange diese über die EZB günstig an Kapital kommen, haben sie keinen Grund, den Sparern höhere Zinsen für ihre Einlagen zu gewähren. Am Leitzins scheint die EZB jedoch erst einmal nicht rütteln zu wollen. Noch in der vergangenen Woche bestätigte sie die Marke von 0,05 Prozent.

Bei Krediten sind die Zusammenhänge anders: „Der Marktzins für Immobilienkredite orientiert sich vor allem an der Rendite für langfristige Anleihen und Pfandbriefe, der Leitzins der EZB wirkt hier nicht unmittelbar“, erklärt der Münchener Bankprofessor Klaus Fleischer. Hintergrund: Um Baudarlehen zu refinanzieren, nutzen Banken Pfandbriefe. Die Zinsen der Pfandbriefe bewegen sich nahezu synchron zu den Zinsen der langlaufenden Bundesanleihen. Steigen also die Anleihezinsen, wird die Immobilienfinanzierung teurer.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
„Weg zur Normalität“
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Kredite, Festgeld, Bundesanleihen - Wie die Zinswende Kredite teurer macht

10 Kommentare zu "Kredite, Festgeld, Bundesanleihen: Wie die Zinswende Kredite teurer macht "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nicht so schnell mein Lieber, niemand sollte behaupten das Zinsen allein über wohl und wehe der Wirtschaft bestimmen, sie helfen lediglich. Wer allerdings annimmt, dass die Zinsen 0,0% Einfluss auf die Wirtschaft hätten, ist in der Tat kein ernstzunehmender Gesprächspartner. Bitte machen Sie nicht den Fehler, von einer derart eindimensionalen Wirkungsweise der Wirtschaft auszugehen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Niedrige Zinsen helfen der Wirtschaft Null?! Widewidewid ich mache mir die Welt, so wie sie mir gefällt ....

  • Niedrige Zinsen helfen der Wirtschaft NULL, da manche Unternehmen nur schwer Kredite bekommen oder gar nicht weil die Banken lieber das Geld an dem Börsenkassino verspielt als günstige risikohafte Kredite der Wirtschaft zu vergeben. Nur neue Blasen an den Immobilien und Börsen werden damit erzeugt die auch unabhängig von den Zinsen irgendwann mal platzen werden.

    Warum ist der Wachstum in Japan trotz jahrzehntelangen Niedrigzinsen nahe Null, und neulich auch in USA und EU, ich meine der tatsächliche Wachstum nicht das schön gerechnete ? In Deutschland hat sich die Wirtschaftsentwicklung wegen des Lohndumpings positiv entwickelt, das sieht man ganz schön wenn man die Lohnentwicklung in den Ländern gegenüberstellt. Die Party ist aber auch hier bald vorbei weil China auch nicht mehr das hergibt was sich die Ökonomen wünschen.

    Ebenfalls kann man mit niedrigen Zinsen den Konsum auch nicht mehr anregen ansonsten würde die FED und die EZB nicht von Deflation reden.

    Wie man sieht ist die derzeitige Entwicklung eine andere als die in den alten BWL Lehrbücher dargestellt. Man muss nur flexibel genug sein und sein Hirn einschalten um das zu erkennen und nicht immer nur auf altes Wissen verweisen.

  • Kein Grund nervös zu werden, so schwer ist es nicht. Niedrige Zinsen helfen in rezessiven Phasen der Wirtschaft. Dies hat in den letzten Jahren insbesondere in Deutschland funktioniert, sh. Unternehmensgewinne und Aktienentwicklung. Die deutsche Wirtschaft hat innerhalb Europas sogar überproportional profitiert. Das hat signifikante Auswirkungen auf die ganze Volkswirtschaft, Steuereinnahmen und Sozialsysteme.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Zentralbankzinsen haben mit den Renditen von Staatsanleihen nichts zu tun.

    Wie kann man denn erklären dass obwohl die EZB monatlich Anleihen für 60 Mia kauft die Zinsen trotzdem steigen. Sie kauft wahrscheinlich die "falschen" Anleihen.

  • Bevor man Kommentare absondert sollte man sich zumindest ein bisschen mit den Zusammenhängen befassen. Man könnte sonst schnell als informationsresistent oder dumm wahrgenommen werden.

  • @ Herrn Schmidt

    Wie erklären Sie sich denn die niedrigen Zentralbankzinsen in den USA, Japan, Schweden, Schweiz, Großbritannien und Kanada?

  • Es gibt keine Zinswende. Das ist der Druck der EZB auf D um die Griechen zu retten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%