Kreditrating AAA Deutschland bleibt ein Top-Schuldner

Modern, breit aufgestellt und wettbewerbsfähig: Die deutsche Wirtschaft sei robust, sagt die Ratingagentur Standard & Poor’s. Dafür erhält Deutschland die Bestnote „AAA“. Mit einer Abstufung rechnen die Analysten nicht.
Update: 10.01.2016 - 15:47 Uhr
Weil die deutsche Regierung eine vorsichtige Finanzpolitik betreibe, sei die Wirtschaft besonders robust. Schwierigkeiten wegen der Flüchtlingswanderung sehen die Analysten nicht. Quelle: dpa
Große Schocks verkraftbar

Weil die deutsche Regierung eine vorsichtige Finanzpolitik betreibe, sei die Wirtschaft besonders robust. Schwierigkeiten wegen der Flüchtlingswanderung sehen die Analysten nicht.

(Foto: dpa)

LondonDie großen US-Ratingagenturen sehen Deutschlands Wirtschaft und Finanzen weiterhin in sehr guter Verfassung. Daher geben sowohl Fitch als auch Standard & Poor's (S&P) der Bundesrepublik weiterhin die Bestnote. Die Kreditwürdigkeit der größten Volkswirtschaft der Eurozone werde weiter mit „AAA“ bewertet, teilten die einflussreichen Agenturen am Freitagabend mit. Eine Herabstufung erwarte man nicht. Der Ausblick bleibt daher „stabil“. Mit der Bonitätsnote „AAA“ kann sich Deutschland weiter zu sehr günstigen Konditionen Geld am Finanzmarkt besorgen.

Deutschland habe genug finanziellen Spielraum, die Flüchtlingskrise zu verkraften, betonte Fitch. Die Agentur erwartet für Deutschland im laufenden und kommenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von jeweils 1,9 Prozent. Der Staatshaushalt dürfte nach einem Überschuss 2015 im laufenden Jahr ausgeglichen sein.

Kurz zuvor hatte bereits die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) für Deutschland die Bestnote „AAA“ bestätigt. Deutschland habe eine moderne, breit aufgestellte und wettbewerbsfähige Wirtschaft, hieß es zur Begründung. Zudem betreibe die Regierung eine vorsichtige Finanzpolitik. Deutschland sei in der Lage, größere wirtschaftliche Schocks zu verkraften. Angesichts der Schwäche in den Schwellenländern erwartet S&P für 2015 aber nur noch ein Wachstum von 1,5 Prozent. Im Juli war man noch von 2,0 Prozent ausgegangen.

Die Flüchtlingskrise dürfte auch nach Einschätzung von S&P die Staatsfinanzen kaum belasten. Zusätzliche Ausgaben würden im Jahr 2016 durch Kürzungen an anderer Stelle kompensiert. Der Staatshaushalt dürfte in den Jahren 2015 bis 2018 weitgehend ausgeglichen sein. Wachsende Steuereinnahmen und die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) würden die Finanzpolitik erleichtern.

So macht der Bund Schulden
Schritt 1: Politische Entscheidung
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Die Haushaltsreferate der einzelnen Bundesministerien planen ihre Haushalte für die folgenden Jahre, der Finanzminister trägt die Vorhaben zusammen. Die Bundesregierung beschließt im Kabinett den Haushalt für den Bund – in der Regel im Sommer für das jeweilige folgende Jahr.

Brüssel gibt seinen Segen
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Mittlerweile müssen die nationalen Haushalte auch bei der EU-Kommission vorgelegt werden. Die Behörde in Brüssel prüft im Herbst, ob etwa die Höhe vorgesehener Schulden den Regeln der Europäischen Union entspricht.

Bundestag
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Das Parlament hat die Hoheit: Der Bundestag beschließt endgültig über den Haushalt des Bundes. Seit dem Jahr 2016 gilt dabei die sogenannte Schuldenbremse. Sie begrenzt die Nettokreditaufnahme auf 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Schritt 2: Finanzministerium
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Seitdem Finanzminister Wolfgang Schäuble 2014 die „Schwarze Null“ durchgebracht hat, spart sich der Bund die Netto-Neuverschuldung. Neue Kreditpapiere bringt der Bund trotzdem auf den Markt– um alte Kredite abzulösen.

Zur Fälligkeit muss der Staat den Nennwert begebener Anleihen und Geldmarktpapiere inklusive Kuponverzinsung an die Investoren zurückzahlen. Das Geld dafür beschafft er sich, indem er kurz vorher neue Anleihen begibt. An welchem Tag welche Bundeswertpapiere in welchem Umfang begeben werden legt die Finanzagentur – der oberste Schuldenmanager des Bundes – jeweils im Dezember für das Folgejahr fest.

Schritt 3: Finanzagentur
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„Ja, der Bund zahlt das Geld für Zinsen und Tilgung an die Käufer von Anleihen immer fristgerecht zurück“, heißt es bei der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur, die Detuschlands Schulden managt. Die Regierung könne kurzfristig eingreifen, ist seit Jahren liquide und werde von allen drei Rating-Agenturen regelmäßig mit einem „Triple A“ (AAA)-Status ausgezeichnet.

Rating für Deutschland
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Neben Standard & Poor's geben regelmäßig Moody's und Fitch Urteile über Deutschlands Kreditwürdigkeit ab. Wegen des Top-Ratings ist der deutsche Staat so beliebt im Geschäft mit Bundesanleihen. Nachdem das Finanzministerium entschieden hat, welche Anleihen-Art er genau begeben will, wird die Deutsche Finanzagentur tätig. Sie berät das Finanzministerium, wie es die Anleihen möglichst günstig und gleichzeitig kurzfristig auf dem Markt anbieten kann.

Bundesbank.
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Jens Weidmann ist der Präsident der Bundesbank, die in Schritt 3 des Schuldenmachens ein ausführendes Organ ist. Die Bundesbank organisiert gemeinsam mit der Finanzagentur die Bieterauktionen für die begebenen Schuldtitel.

Die Auktionen finden in der Regel zwei Mal die Woche statt, und zwar montags und dienstags oder montags und mittwochs. Montags werden kurzlaufende Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von sechs Monaten versteigert. Zweijährige Bundesschatzanweisungen gibt es einmal im Monat an einem Dienstag, fünf- zehn- und 30jährige Anleihen jeweils mittwochs. Dazu gibt es noch an bis zu zehn Dienstagen inflationsindexierte Wertpapiere des Bundes.

  • dpa
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