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Leitzinsen Was die Ökonomen von der Fed erwarten

Senkt sie den Leitzins oder nicht? Diese Gretchenfrage der Fed beantworten Ökonomen überraschend unterschiedlich. Eine wichtige Rolle spielt der Handelskonflikt mit China.
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„Die Aktienmärkte verlassen sich zu sehr darauf, dass die Fed alles richten wird“

FrankfurtSelten sind die Meinungen der Ökonomen über die nächsten Schritte der US-Notenbank (Fed) so weit auseinandergegangen wie derzeit. Während Jan Hatzius, Chef-Ökonom von Goldman Sachs, in diesem Jahr keine Zinssenkung erwartet, prognostiziert die Deutsche Bank jetzt gleich drei Schritte um jeweils 0,25 Prozentpunkt im Juli, September und Dezember.

Damit würde das Niveau der Leitzinsen in den USA auf eine Spanne zwischen 1,5 und 1,75 Prozent sinken. Fünf Ökonomen der Bank in New York, darunter Peter Hooper als Leiter des Economic Research, sehen diese Zinssenkungen im militärischen Sprachgebrauch als „Präventivschläge“ gegen eine mögliche Rezession an.

Folgerichtig haben sie ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr von 1,9 Prozent auf 2,2 Prozent erhöht, als Folge des erhofften Anschubs durch die Fed. Für das laufende Jahr haben sie die Prognose dagegen von 2,3 Prozent auf 1,9 Prozent gesenkt. Für das Jahr 2021 erwarten sie eine ökonomisch stabilere Situation, die der Fed wieder eine leichte Zinserhöhung ermöglichen könnte.

Nach einem Bericht des US-Senders CNBC erwarten 69 Prozent der regelmäßig von der Duke University befragten Finanzvorstände in US-Unternehmen den Beginn einer Rezession noch im laufenden Jahr. Die Finanzmärkte rechnen, wie sich aus den Daten ablesen lässt, mit einer starken Reaktion der Fed gegen einen möglichen Abschwung.

Deutsche Bank rechnet mit Eskalation des Handelskonflikts

Eine Schlüsselrolle spielt der Handelskonflikt der USA mit China. Die Deutsche Bank rechnet mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 bis 60 Prozent mit einer Eskalation des Konflikts, und erwartet dann zu 80 bis 100 Prozent Zinssenkungen. Ein Szenario mit einer weiteren Unsicherheit ohne Eskalation belegen die Ökonomen mit 30 bis 40 Prozent Wahrscheinlichkeit und erwarten dann zu 50 bis 70 Prozent Zinssenkungen.

Einen „Deal“, eine Einigung zwischen den USA und China, haben sie nur zu zehn Prozent auf dem Schirm, sehen aber selbst dann noch eine Wahrscheinlichkeit von 20 bis 40 Prozent für Zinssenkungen der US-Notenbank.

Einer der Gründe für ihr Urteil ist die nach wie vor verhaltene Inflation. Sie erwarten in diesem Jahr 1,8 Prozent und 2020 dann 1,9 Prozent, gemessen an dem Index für persönliche Ausgaben (PCE Inflation), den die Fed besonders beachtet. Anders als die Europäische Zentralbank (EZB), die knapp zwei Prozent Inflation anstrebt, hat die Fed ein symmetrisches Ziel um zwei Prozent herum. Weil die Inflation lange Zeit zu niedrig lag, würde die Fed auch für eine gewisse Zeit etwas zu hohe Preissteigerungen tolerieren - diese Meinung setzt sich bei den Notenbankern allmählich durch.

Beunruhigender als die niedrige Inflation sind aber die Aussagen der fünf Ökonomen zur Konjunktur in den USA. Während sie bisher von einem Wachstum der Unternehmensinvestitionen im laufenden Jahr um 3,5 Prozent ausgingen, sind es jetzt nur noch 1,7 Prozent. Und Investitionen sind ja ausschlaggebend für ein langfristig nachhaltiges Wachstum.

„Die Probleme im Handelsbereich scheinen die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe zu drücken“, heißt es. „Und obwohl die Volkswirtschaft der USA relativ geschlossen ist, wird sie nicht immun sein gegen eine langwierige globale Abschwächung.“ Auch der direkte Handel zwischen den USA und China dürfte nach Einschätzung der Deutschen Bank leiden.

Ein weiter eskalierender Zollstreit hätte erhebliche Folgen

China steht für 21 Prozent der Importe und für sieben Prozent der Exporte der USA. Ein weiter eskalierender Zollstreit hätte daher erhebliche Auswirkungen. Außerdem heißt es in der Analyse: „Unsere Sorge ist, dass ein möglicher Einbruch des Vertrauens der Geschäftswelt, bei Investitionen und im Handel im zweiten Halbjahr auch zu Zurückhaltung der Unternehmen bei der Beschäftigung führt und damit auf das Vertrauen der Verbraucher durchschlägt.“ Und von der Laune der US-Verbraucher hängt ganz erheblich die US-Wirtschaft und sogar die weltweite Konjunktur ab.

Die Ökonomen der US-Bank J.P. Morgan haben ganz ähnlich Sorgen, dass der Handelsstreit, je länger er dauert, allmählich zur Unsicherheit bei den Unternehmen und damit zu einer Schwächung der Konjunktur führt. Die Bank stuft neue Inflationsdaten der USA als relativ schwach ein.

Der Index für persönliche Ausgaben lag zuletzt nur 1,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. J.P. Morgan erwartet zwei Zinssenkungen in diesem Jahr, aber den ersten Schritt auch noch nicht im Juni. Aber Fed-Chef Jerome Powell muss in der kommenden Woche in irgendeiner Form auf die Erwartungen, die jetzt an ihn herangetragen werden, reagieren.

Mehr: Vorn der anstehenden Zinssitzung der Fed fällt die US-Inflationsrate etwas stärker als erwartet.

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