Nach S&P-Drohung Anleger setzen Italien auf die schwarze Liste

Die Drohung der Ratingagentur S&P, Italien herabzustufen, lässt Aktien und Anleihen abstürzen. Die Regierung ist empört, will aber reagieren. Nur Silvio Berlusconi kämpft lieber gegen „Zigeuner und Linksextremisten“.
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Italiens Ministerpräsident Berlusconi: Auf der langen Liste seiner Gegner steht jetzt auch S&P. Quelle: dpa

Italiens Ministerpräsident Berlusconi: Auf der langen Liste seiner Gegner steht jetzt auch S&P.

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DüsseldorfIst Italien der nächste Krisenkandidat der Euro-Zone? In den vergangenen Monaten war es um die fiskalischen Probleme des Landes eigentlich ruhig geworden. Statt um Schulden und Wachstumsschwäche drehten sich die Schlagzeilen mehr um die juristischen Schwierigkeiten und sexuellen Eskapaden von Regierungschef Silvio Berlusconi.

Doch die Ratingagentur Standard & Poor's hat jetzt einen Warnschuss in Richtung Italien abgefeuert. S&P senkte den Ausblick für das italienische Rating auf negativ, das heißt die Agentur erwägt eine Herabstufung des Landes. An den Kapitalmärkten zeigte die Warnung Wirkung: Italienische Staatsanleihen gaben am Montag deutlich nach. Der Kurs zehnjähriger Staatspapiere sank zeitweise um einen halben Prozentpunkt auf 99,67 Prozent, die gegenläufige Rendite stieg um auf 4,85 Prozent. Der Renditeabstand zu gleichlaufenden Bundesanleihen erhöhte sich dadurch auf 187 Basispunkte.

Die Versicherung italienischer Anleihen verteuerte sich deutlich. Nach Daten der Finanzagentur Markit für CDS-Papiere mussten Anleger 176.000 Euro zahlen, um sich gegen den Ausfall italienischer Schulden in Höhe von zehn Millionen Euro abzusichern.

Auch an der Mailänder Börse ging es kräftig abwärts. Der italienische Leitindex MIB-30 lag am Vormittag mehr als drei Prozent im Minus und verlor damit deutlich stärker als die anderen europäischen Märkte.

Standard & Poor's begründete die Ratingwarnung mit dem politischen Stillstand in Italien. Die Bereitschaft Italiens, Reformen durchzusetzen, scheine ins Stocken geraten zu sein, erklärte die Ratingagentur. Die Aussichten für eine Reduzierung der Verschuldung seien gesunken. Sollte das italienische Wirtschaftswachstum weiter schwach bleiben, werde die Regierung in Rom Probleme mit ihren Plänen zur Schuldensenkung bekommen. S&P rechnet damit, dass die Staatsschulden des Mittelmeerlandes in diesem Jahr 116 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) betragen werden.

Die italienische Regierung hatte am Wochenende empört auf die drohende Herabstufung reagiert. Die Daten, auf deren Basis S&P zur - positiveren - Beurteilung im vergangenen Dezember gekommen war, seien „nicht nur gleichgeblieben, sondern haben sich in einigen Bereichen sogar verbessert“, erklärte der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti. Ein politischer Stillstand sei ebenfalls ausgeschlossen. Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi bereite im Gegenteil bereits die notwendigen Maßnahmen vor,
um das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts bis 2014 zu erreichen. „Italien wird seine Versprechen einhalten“, betonte Tremonti.

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