Nachgerechnet Prokons Zahlen geben Sturmwarnung

Der Betreiber von Windkraftanlagen gibt sich auf seiner Webseite transparent und veröffentlicht neue Zahlen. Doch das Rechenwerk liefert Grund zur Sorge. Anleger sollten sich die Sache sehr genau ansehen.
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Windräder in der Region Hannover: Für Anleger nicht immer eine gute Investition. Quelle: dpa

Windräder in der Region Hannover: Für Anleger nicht immer eine gute Investition.

(Foto: dpa)

DüsseldorfNoch immer wirbt der Windkraftanbieter Prokon in Postwurfsendungen und Werbespots vollmundig um Anlegergeld. Nach dem Motto „Lust auf eine lebenswerte Zukunft“ sollen Anleger Genussrechte zeichnen und dafür Jahr für Jahr sechs bis acht Prozent Zinsen erhalten. Knapp 75.000 Sparer haben inzwischen laut Firmenangaben 1,37 Milliarden Euro gezeichnet. Bislang haben sie ihre Zinsen pünktlich bekommen. Doch die jüngsten Zahlen des Konzerns geben Grund zu großer Sorge.

Kerngeschäft des Spezialisten für erneuerbare Energien ist der Bau und der Betrieb von Windkraftanlagen. Schon vor gut zwei Jahren hatten wir errechnet, dass die Einnahmen aus diesem Bereich bei weitem nicht ausreichen, um die hohen Zinsen der Anleger zu bezahlen (Nachgerechnet vom 11. Juli 2011). Nun zeigen die auf der Website vorgelegten Zahlen riesige Verluste im Bereich Windenergie. Die Mittelabflüsse des Konzerns können nur durch hohe Summen frisch eingeworbenen Kapitals ausgeglichen werden. Die Zeitschrift „Test“ spricht von einem „Schock für Anleger“, die Anlegerschutzvereinigungen DSW und SdK rufen Investoren auf, sich zusammenzuschließen.

Gertrud Hussla prüft regelmäßig Finanz- und Rentenprodukte. Quelle: FRANK BEER für Handelsblatt

Gertrud Hussla prüft regelmäßig Finanz- und Rentenprodukte.

(Foto: FRANK BEER für Handelsblatt)

Eine Zwischenbilanz zum 31. Oktober 2012 weist im Kernbereich Windenergie einen Verlustvortrag von 131 Millionen Euro aus. Laut „Test“ waren es im August noch 107 Millionen Euro. Dass die Verluste rasch wachsen, wundert nicht. Die Einnahmen in diesem Bereich stehen auch heute noch, 18 Jahre nach Gründung des Konzerns, in krassem Missverhältnis zu den Zinszahlungen an die Anleger. E

in operatives Ergebnis von knapp 16 Millionen Euro gibt Prokon für die ersten neun Monate des Jahres an. Doch würde das Genussrechtskapital – in diesem Bereich 1,17 Milliarden Euro – nur mit dem Minimum von sechs Prozent Zinsen bedient, wären in den ersten zehn Monaten anteilig schon 58 Millionen Euro Zinsen angefallen – mehr als das Dreifache des Gewinns.

Das passt zur „hypothetischen Prognoserechnung“ für den Gesamtkonzern vom 6. Dezember 2013: Den für dieses Jahr erwarteten Gewinn vor Zinsen und Steuern gibt Prokon mit 20,7 Millionen Euro an. Demgegenüber sind auf die Genussrechte der Anleger 91 Millionen Euro Zinsen zu zahlen. Das gut Vierfache des Gewinns! Woher kommt das Geld für diese Ausgaben? Der auf 330 Millionen Euro geschätzte gesamte Mittelabfluss (Cashflow) des Konzerns kann laut Zahlenwerk nur durch neu eingeworbenes Anlegergeld von insgesamt 316 Millionen Euro ausgeglichen werden. Doch wie lange fließt dieses Anlegergeld noch?

Wenn Anleger jetzt kalte Füße bekommen, kann es mit dem frischen Geld schnell vorbei sein. Schlimmer noch: Die Altanleger könnten eilig den Ausgang suchen. 94 Prozent des Genussrechtskapitals können binnen der nächsten fünf Jahre gekündigt werden. Weitere vier Prozent sind bereits gekündigt, und nur zwei Prozent haben eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.

Der Konzern beteuert, Verzinsung und Rückzahlung des Genussrechtskapitals seien langfristig gesichert. Verluste in der Investitionsphase seien „völlig normal.“ Zur Erinnerung: Prokon gibt es seit 18 Jahren.

Mir persönlich wäre das Investment zu riskant. Ich würde hier so schnell wie möglich aussteigen. Denn Genussrechtsinhaber stehen im Ernstfall schlechter da als die Banken. Sie haften wie Eigenkapitalgeber – bis hin zum Totalverlust ihrer Einlage. Sollte das Imperium zusammenbrechen gilt: Den Letzten beißen die Hunde 

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23 Kommentare zu "Nachgerechnet: Prokons Zahlen geben Sturmwarnung"

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  • Naja, die Anlagen vergessen den eventuellen Verlustschnell wieder. Wenn ein Unternehmen Geld braucht und die Geschäftsführung viel verdienen will, kann das Modell der früheren SMP bstimmt nützlich sein. Die waren auch schlauer als alle anderen. Ist ja egal, ob mit Aktien oder Wind gehandelt wird. Bei beidem weiß man nicht wie es sich entwickelt. Viel Freude noch damit.

  • Naja, die Anleger vergessen sehr schnell. Das ähnliche Geschäftsmodell hatte schon SMP. Natürlich sagt jetzt jeder, andere Branche, anderer Inhalt. Stimmt, nur ob ich die großen Gewinne aus Aktiengeschäften oder Windgeschäften erzielen will ist das gleiche, bei beiden weiß man nicht, wie sie sich entwicklen.

  • Danke! Sie sagen es.
    Ich hoffe das diese Verleumder auch demnächst noch zur Verantwortung gezogen werden. Auch die Journalisten, die immer wieder ihre Lügen über PROKON verbreiten.
    Es ist doch offensichtlich, dass diese Kampagne gewollt ist. Jeden Tag PROKON, PROKON, PROKON...
    Gibt es nichts wichtigeres?
    Die Drahtzieher müssen ganz schön Druck auf die Medien ausüben.

  • Es völlig überflüssig, die Leute jetzt aufzufordern, zu flüchten. Jetzt ist es eh zu spät; Anleihen werden nicht von heute auf morgen zurückgezahlt und es könnte durchaus zum Ernstfall bereits Ende der Woche / Anfang nächster Woche kommen. Dann fallen die Anleihen ohnehin in die Masseverbindlichkeiten. Also bitte nicht so tun, als ob man noch etwas ändern könnte oder sich gar einen Vorsprung herausarbeiten könnte.
    Im übrige ist es schon befremdlich so zu tun als wenn hier eine der berüchtigten Schnellballfirmen tätig war. Wie schon gesagt, gibt es das Unternehmen bereits seit 18 Jahren und man hat in der Zeit physische Produkte geschaffen und sich auch an Firmen beteiligt. Dass hierzulande es guter Brauch ist, zunächst von staatlicher Seite im erneuerbaren Energiebereich alles anzuheizen und dann den Privatfirmen urplötzlich den Boden wieder wegzuziehen, haben schon ganz andere Unternehmen zu spüren bekommen; ob es nun im Biodieselbereich oder im Biogasbereich war und die waren von ganz anderem Kaliber. Es ist sicherlich nicht alles gelungen bei Prokon aber Vorsatz und Betrug zu unterstellen ist unerhört.

  • Was soll ich denn von einem Artikel halten, in dem nicht einmal der Name der betroffenen Firma richtig geschrieben wird.
    Die Firma nennt sich PROKON!
    Auch sonst wieder Unterstellungen und Vermutungen. Frau Hussla benimmt sich wie eine Beamtin. Was sie nicht versteht muss schlecht sein.

  • Ganz egal, wie die bilanzielle Situation aussieht. Die eigenen Kunden können Prokon vollständig zur Strecke bringen, das muß klar sein. Werden in den nächsten 4-6 Wochen weiter >200 Mio. zurückgefordert werden, wird 2014 das letzte Jahr für Prokon sein.
    Dabei ist völlig gegenstandslos, ob irgendwo Windräder laufen oder nicht. Selbst bei positivster Betrachtung funktioniert das Prokon-System nur langfristig und wenn alle (aber wirklich auch nahezu alle) im Boot bleiben.
    Bei weiterbestehenden Kündigungen von 15%-20% des eingezahlten Kapitals ist Prokon zahlungsunfähig, denn sie können nicht mit Windrädern zurückzahlen, oder mit Stromprodukten in 2020.
    Es sind harte Euro gefragt, und die flossen bislang nur in eine Richtung.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Komisch. Es ist gerade ein paar Monate her, da haben alle Medien berichtet Prokon wäre intransparent.
    Beispiel: http://www.wallstreet-online.de/nachricht/6276779-bilanzexperten-kritik-informationspolitik-windkraftriesen-prokon

    Zitat: Michael Olbrich, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung der Universität des Saarlandes, kritisierte in der Zeitung: „Es handelt sich nicht um den Konzernabschluss für 2012, sondern um eine vorläufige Bilanzskizze, es fehlen zudem Gewinn-und-Verlustrechnung, Anhang und Lagebericht. Daran kann ich nicht erkennen, wie es dem Unternehmen wirtschaftlich geht“.

    Auf Basis der "spärlichen und undifferenzierten Datenlage" könne er keine Aussagen zu finanziellen Situation von Prokon treffen, sagte Uwe Bock, Professor für Finanzcontrolling an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden gegenüber der „Welt am Sonntag“. Wann Prokon nun wirklich den konsolidierten Konzernabschluss testiert vorlegt, wollte das Unternehmen auf Anfrage nicht beantworten.
    Und jetzt kann jeder Journalist aus den Zahlen erkennen, dass es Prokon nicht gut geht und die Anleger Angst um ihr Geld haben müssen?
    Wenn Anleger jetzt kalte Füße bekommen .... dann ist das nur der katastrophalen Berichterstattung zu verdanken.
    Die Medien versuchen alles ein Unternehmen vom Markt zu drängen, dass nicht von der persönlichen Gier getrieben ist, und den Banken Kapital entzieht.
    Traurig das so etwas rechtlich möglich ist.

  • PROKON hat in den 3 letzten Jahren (36 Monate) fast 50! neue Windkraftanlagen mit einem Buchwert von über 160 Mio Euro errichtet! (steht alles transparent auf der Homepage). Da steckt nun u.a. das Geld der Anlager und verdient fleißig die Zinsen. Tag für Tag. Die in den Medien gerne aufgeschnappte Aussage "keine neuen Windparks errichtet", bezieht sich nur auf neue Windparks in Deutschland. Falls Anleger jetzt Ihr Geld sofort zurück haben wollen, weil Sie auf die Medienhetze hereinfallen, wird PROKON wohl leider ein paar Windparks veräußern müssen. Das Geld steckt ja als Sachwert in den Windparks. Schade dann um die Zinsen.

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