Negativer Ausblick Ratingagentur Moody's droht China mit Herabstufung

Die Kritik an China wird größer: Am Mittwoch drohte Moody's mit einer Senkung der Kreditwürdigkeit des Landes, Konkurrent Fitch kritisierte die lockere Geldpolitik der Zentralbank.
Ratingagenturen sorgen sich um die wirtschaftliche Verfassung Chinas. Quelle: Reuters
Oriental Pearl Tower und Jin Mao Tower in Shanghai

Ratingagenturen sorgen sich um die wirtschaftliche Verfassung Chinas.

(Foto: Reuters)

ShanghaiChina bekommt wegen ausbleibender Reformen und steigender Schulden Druck von den Ratingagenturen. Moody's drohte am Mittwoch mit einer Senkung der Kreditwürdigkeit des Landes, während Konkurrent Fitch die lockere Geldpolitik der Zentralbank kritisierte. Damit steigt weniger Tage vor der Entscheidung des Nationalen Volkskongresses über einen neuen Fünfjahresplan der Druck auf die Regierung, die Wirtschaft umzubauen und wieder in Schwung zu bringen.

Moody's senkte den Ausblick für Bonitätsnote von „stabil“ auf „negativ“, was die Vorstufe für eine Herabstufung ist. Die Bewertung wurde vorerst bei „Aa3“ belassen. Das ist die vierthöchste Note, die eine sichere Anlage mit einem so gut wie vernachlässigbaren Ausfallrisiko verspricht - längerfristig aber Probleme nicht ausschließt. „Ohne glaubhafte und effiziente Reformen wird sich das Wachstum in China kräftig abkühlen, weil die hohe Verschuldung bei Unternehmen Investitionen lähmt und der demografische Wandel sich zunehmend bemerkbar macht“, schrieben die Experten von Moody's. „Die Staatsverschuldung würde daher stärker steigen als wir es bislang erwartet haben.“

Die schwärzesten Tage der Börsengeschichte
19. Oktober 1987 – der „Schwarze Montag”
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Am „Schwarzen Montag” brach der US-Standardwerte-Index Dow Jones um 22,6 Prozent ein. Das ist der größte Tagesverlust seiner Geschichte. Die Panikverkäufe breiteten sich schnell auf alle wichtigen internationalen Handelsplätze aus. Der Tokioter Leitindex Nikkei rauschte nach dem Crash an den US-Börsen um knapp 15 Prozent in die Tiefe. Der Londoner Auswahlindex FTSE verbuchte mit knapp elf Prozent lediglich den zweitgrößten Tagesverlust seiner Geschichte. Tags darauf beschleunigte er jedoch seine Talfahrt und verlor gut zwölf Prozent.

16. Oktober 1989 – der Dax-Absturz
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Der deutsche Leitindex Dax, der erst 1988 aus der Taufe gehoben wurde, fiel um rund 13 Prozent und folgte damit der Wall Street, wo Finanzierungsschwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten. Für den Dax ist das der erste und der größte Crash seiner Geschichte.

23. Mai 1995 – die Asien-Krise
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Nicht nur die Jahre 2015 und 2016 machten China für Aktienabstürze bekannt. Den ersten größeren Crash gab es vor rund 11 Jahren: Die Furcht vor Eingriffen der Regierung in den chinesischen Aktienmarkt ließ den Shanghai-Composite Index um 16,4 Prozent abstürzen.

6. Oktober 2008 – das Lehman-Beben
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Kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers wurde die Unsicherheit an den Aktienmärkten immer größer. Der italienische Leitindex verbuchte mit einem Abschlag von mehr als acht Prozent seinen größten Tagesverlust, der Leitindex der portugiesischen Börse gab knapp zehn Prozent nach. Der EuroStoxx50 fiel um acht Prozent. An der Wall Street ging es ebenfalls bergab, allerdings nicht ganz so stark: Der Dow-Jones-Index gab 3,6 Prozent nach. Auch für den Dax ging es kräftig bergab. Der Dax schloss mit einem Minus von 7,1 Prozent auf 5387 Punkten.

3. August 2015 – die griechische Tragödie
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Die Verhandlungen Griechenlands mit seinen Gläubigern haben im Sommer 2015 für ein Kursbeben an der Börse des Landes gesorgt. Zuvor wurden die Märkte geschlossen, um Kapitalmarkt-Turbulenzen zu verhindern. Allerdings blieb der Erfolg überschaubar: Am ersten Tag nach der fünfwöchigen Zwangspause stürzte die Athener Börse ins Bodenlose. Der Leitindex verbuchte mit einem Minus von 16 Prozent den größten Tagesverlust seiner Geschichte.

24. August 2015 – ein neuer China-Crash
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Bereits im Sommer 2015 sorgte China für Panik unter den Anlegern weltweit. Angesichts der Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in der Volksrepublik rutschten die Börsen rund um den Globus immer weiter ab. Der Shanghai Composite Index brach um 8,5 Prozent ein. Der Dax verlor in der Spitze 7,8 Prozent auf 9338 Punkte. An der Wall Street stürzt der Dow-Jones-Index zeitweise um 6,6 Prozent und der Nasdaq-Composite sogar um bis zu 8,8 Prozent ab.

07. Januar 2016 – und wieder ein Drachen-Kursbeben
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Die neuerliche Abwertung der chinesischen Landeswährung lässt die Aktienbörsen in der Volksrepublik wanken. Am 7. Januar wurde der Handel an der chinesischen Börse das zweite Mal binnen weniger Tage per Notbremse gestoppt, nachdem die Leitindizes um sieben Prozent absackten. Die Sitzung dauerte weniger als eine halbe Stunde und war damit der kürzeste Börsentag in Chinas Geschichte. Der Dax rauscht das erste Mal seit Oktober wieder unter die 10.000-Punkte-Marke und gibt zeitweise knapp vier Prozent nach.

Auch wird darauf hingewiesen, dass die Devisenreserven in den vergangenen anderthalb Jahren um 762 Milliarden Dollar geschrumpft seien. Noch verfüge China über ausreichend große Reserven und habe daher Zeit für Reformen, erklärte Moody's. Sollte aber das Tempo nachlassen und nicht mehr ausreichen, um das Wachstum zu sichern und die Staatsfinanzen zu schützen, sei eine Herabstufung möglich.

Die Ratingagentur Fitch wiederum sieht die erneute Lockerung der Geldpolitik durch die Zentralbank kritisch. Diese gesteht den Geschäftsbanken zu, weniger Geld bei ihr als Sicherheit zu hinterlegen und den so gewonnenen Spielraum für die Kreditvergabe zu nutzen. „Das könnte auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit hindeuten, dass die Behörden ein mehr kreditgetriebenes Wachstum ermöglichen wollen“, erklärte Fitch. „Mehr Schulden verzögern nur den erwarteten Anstieg notleidender Kredite, lösen das Problem aber nicht.“

Mit 6,9 Prozent ist die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt 2015 so langsam gewachsen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Für dieses Jahr wird ein noch kleineres Plus erwartet. Die Führung in Peking versucht gegenzusteuern und die Wirtschaft umzubauen. Insidern zufolge sollen in der Industrie fünf bis sechs Millionen Arbeitsplätze ihren Job verlieren. Diese Stellen fallen in den nächsten zwei bis drei Jahren bei sogenannten Zombie-Firmen weg, die seit langem Verluste schreiben und oft über den Bedarf hinaus produzieren.

Die Chronik des Drachensturzes
7. Januar 2016
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Enttäuschte Anleger, leere Hallen. Nach einer kurzen Beruhigung wird der Börsenhandel in Shanghai und Shenzhen am 7. Januar für den Rest des Tages ausgesetzt – nach gerade einmal einer halben Stunde. Damit geht der Donnerstag als der kürzeste Handelstag in die chinesische Börsengeschichte ein. Die Aktienmärkte waren erneut um mehr als sieben Prozent gefallen.

4. Januar 2016
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Bereits am 4. Januar wird der Handel nach einem an Chinas Aktienmärkten für den Rest des Tages ausgesetzt. Gleich am Tag seiner Einführung kommt damit ein Sicherungsmechanismus zum Zug, der zu große Schwankungen verhindern soll.

24. August 2015:
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Den letzte Sturz erwischt die Anleger im August. Der Shanghai Component Index fällt um 8,5 Prozent, der Shenzhen Component Index um 7,8. Das sorgt nicht nur in China sondern auch in den USA und Europa für große Verunsicherung.

27. Juli
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Auch im Juli müssen Chinas Anleger einen neuen Kurssturz verdauen. Die Börse Schanghai bricht um 8,5 Prozent ein auf 3.726 Punkte. Das ist der heftigste Kurssturz innerhalb eines Tages seit 2007. Auch der Leitindex an der zweitgrößten chinesischen Börse in Shenzen schloss mehr als acht Prozent tiefer...

Börse Schanghai bricht ein
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Grund für den Sturz: Die Anleger haben Angst vor einem wirtschaftlichen Schwächeanfall der Volksrepublik. Dafür spricht, dass der Gewinn chinesischer Industrieunternehmen im Juni um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückging.

24. Juli
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Eine private Umfrage zeigt, dass der chinesische Industriesektor im Juni so stark wie seit 15 Monaten nicht mehr geschrumpft ist. Die wichtigsten Indizes Chinas in Shanghai und Shenzhen verlieren 1,3 und 1,8 Prozent. Damit endet eine seit rund drei Wochen andauernde Erholungsphase.

23. Juli
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Die chinesische Regierung sichert den Märkten erneut ihre Unterstützung zu. Die Anleger feiern die staatlichen Eingriffe. Der Shanghai Composite Index gewinnt mehr als zwei Prozent und schließt den sechsten Tag in Folge im Plus.

Experten trauen der Volksrepublik zu, die Modernisierung hinzukriegen. „Es gibt genügend Spielraum“, sagte Analyst Trinh Nguyen vom Vermögensverwalter Nataxis. „Von den Schwellenländern hat China die niedrigste Staatsverschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung.“ Zudem habe das Land hohe Überschüsse in Handelsbilanz, exportiert also mehr als es importiert. Moody's zufolge liegt die Staatsverschuldung bei knapp 41 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Konkurrent Standard & Poor's verweist aber darauf, dass die Verbindlichkeiten der Unternehmen 2014 auf 160 Prozent des BIP gestiegen seien, was doppelt so viel wäre wie in den USA.

Die Märkte reagierten gelassen auf den Warnschuss der Ratingagentur. Die Börse in Shanghai legte 4,3 Prozent zu, der Index für die wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen gewann ebenfalls mehr als vier Prozent.

  • rtr
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