Neue Bürokratie Finanzagentur bereitet Privatanlegern Ärger

Wer bislang Bundeswertpapiere kaufen wollte, muss kaum bürokratische Hürden überwinden. Seit kurzem ist das anders: Privatanleger müssen eine Vielzahl persönlicher Daten herausrücken. Verbraucherschützer sind verärgert.
13 Kommentare
Deutlich mehr Bürokratie kommt nun auf Privatanleger zu, wenn sie Bundeswertpapiere nutzen wollen. Quelle: dpa

Deutlich mehr Bürokratie kommt nun auf Privatanleger zu, wenn sie Bundeswertpapiere nutzen wollen.

(Foto: dpa)

FrankfurtWer in diesen Tagen bei der Finanzagentur des Bundes anruft, sollte geduldig sein. Die Service-Nummern – dauernd besetzt. Von morgens bis abends, so scheint es. Es gibt Redebedarf. Viele der Kunden sehen das zumindest so.

Die Agentur verwaltet nicht nur die Schulden der Bundesrepublik, sondern sie führt auch für Hunderttausende von Kleinanlegern sogenannte Schuldbuchkonten, auf denen Bundeswertpapiere ohne Gebühr eingebucht werden. Bundesanleihen, Finanzierungsschätze oder Bundesobligationen beispielsweise. Dabei ist die Agentur auf dem besten Wege, sich bei den Sparern äußerst unbeliebt zu machen.

Bislang war es ziemlich einfach, sich ein Schuldbuchkonto einrichten zu lassen. Anleger mussten nicht einmal ihre Staatsangehörigkeit angeben oder ihren Geburtsort. Seit vergangenem Jahr allerdings ist das anders. Denn seitdem gilt das Geldwäschegesetz auch für die deutsche Finanzagentur. Und dieses Gesetz sieht vor, dass die Kunden eine ganze Reihe persönlicher Daten beibringen müssen.

Dafür können die Frankfurter nichts, sie müssen die Vorgaben umsetzen, ob sie wollen oder nicht. Die große Frage – und gleichzeitig der Grund allen Ärgers – aber ist, wie sie das anstellt: Den Kunden gegenüber ist sie nämlich nicht gerade charmant.

Weil bislang nur ein Viertel der insgesamt 400 000 Kunden die fehlenden persönlichen Daten an die Finanzagentur übermittelt hat, und dass obwohl die Schuldenverwalter bereits im vergangenen August dazu aufgefordert hatten, werden die Mitarbeiter anscheinend langsam ungeduldig. In einem Schreiben, das in den vergangenen Tagen an die Kontoinhaber versandt wurde, heißt es in Bürokratendeutsch, dass ihre Konten gekündigt würden, sollten die Kunden bei der „Umsetzung der Anforderungen des Geldwäschegesetzes“ weiterhin nur unzureichend mitwirken. Man hätte es auch freundlicher ausdrücken können, sagt Niklaas Haskamp von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Das sei kein guter Stil.

Bei der Kundschaft kommt die Aufforderung verständlicherweise gar nicht gut an. In Internetforen wird diskutiert und vor allem geschimpft. Wäre schon der erste April, würde man es glatt für einen schlechten Scherz halten, schreibt etwa ein Nutzer. Eine solche Drohung sei „völlig daneben“.

Bei der Finanzagentur beruft man sich dagegen auf die Gesetzeslage. Und die sehe eine Kündigung der Konten bis zum 31. Januar vor, sollte der Kunde bis dahin nicht seine Identität nachweisen.

Das Dumme für die Kunden: Die Finanzagentur verlangt eine beglaubigte Kopie des Personalausweises. Die kostet in der Regel zwischen fünf und zehn Euro. Zu dem Ärger kommen für die Sparer also noch Kosten hinzu.


Startseite

Mehr zu: Neue Bürokratie - Finanzagentur bereitet Privatanlegern Ärger

13 Kommentare zu "Neue Bürokratie: Finanzagentur bereitet Privatanlegern Ärger"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hallo hiram,
    wieder total daneben.
    Ich bin weder bei facebook noch bei einem ähnlichen Gebilde. Im Internet gebe ich so wenig preis wie möglich.

    Anscheinend haben Sie aber nicht alles gelesen:
    Die Anfragen habe ich s o f o r t d.h. umgehend beantwortet.

    Auch eine Kopie des Perso hätte ich denen gesandt.

    Ich wende mich gegen den Aufwand der Beglaubigung.

    Im Übrigen bin ich schon seit mehr als 20 Jahren bei der Finanzagentur / BSV.

    Bei Eröffnung des Kontos wurden alle damals notwendigen Angaben gemacht und auch der Perso überprüft.

    Was die jetzt machen, ist überzogen, nichts anderes.

    Schlafen Sie weiterhin gut.

  • Ihrem Artikel möchte ich meine Erfahrung hinzufügen: Sowohl mein minderjähriger Sohn als auch meine Mutter haben dieses Schreiben jetzt bekommen, obwohl wir für beide (incl als Gesetzliche Vertreter bzw Bevollmächtigter) die uns im August 2011 zugesandten Datenblätter ergänzt und unterschrieben zurücksendet haben.
    Beglaubigte Ausweiskopien waren damals nicht gefordert. Insofern ist der Betreff „Kündigung … bei weiterhin unzureichender Mitwirkung“ eine Unverschämtheit. Dieses Schreiben hat meine 84jährige Mutter an Heiligabend per Post erhalten. Weihnachten war damit für sie in diesem Jahr gelaufen. Sie rechnete damit, dass man ihr wieder mal ihr sauer erspartes Geld wegnehmen wolle. Gleich „zwischen den Jahren“ machte sie sich auf den Weg zum Pfarramt, konnte aber keine Ausweisbeglaubigung bekommen, da der Stempel eingeschlossen wir.
    Meiner Frau und mir hat man bei der Stadtverwaltung die Ausweisbeglaubigung verweigert mit dem Hinweis, dass nur von dem Ausweis unseres angeschriebenen Sohnes eine beglaubigte Kopie angefertigt werden dürfe.
    Warum kann die Finanzagentur nicht das gängige Postidentverfahren nutzen? Wie kann man sich einen solchen Verwaltungsfehler erlauben, und Kunden, die brav einer Aufforderung gefolgt sind, in der Weihnachtszeit einen solchen Drohbrief schicken?

  • Problematisch ist nur, dass auch die Legitimation und Vorlage einer beglaubigten Kopie des Personalausweises/Reisepasses von nicht ausweispflichtigen Minderjährigen verlangt wird. Hier schießt die Finanzagentur wohl über das Ziel hinaus. Weiterhin ist die telefonische Erreichbarkeit ungenügend. Über 50 Versuche seit Zugang der Kündigungsandrohung blieben ohne Erfolg. Bis heute habe ich es nicht geschafft, mein Anliegen telefonisch zu klären.

  • Wir wollen alle die schönsten öffentlichen Gebäude, wunderbar eben geteerte Straßen, eine funktionierende öffentliche Verwaltung, höchste Renten bis zum St. Nimmerleinstag (ohne verpflichtend einzahlen zu müssen versteht sich) und und und. Konsumieren wollen w i r und zahlen soll es der Nachbar? Das kann doch nicht gut gehen.

    Genau so ist es mit der Sicherheit in Deutschland. Alle wollen ruhig schlafen und keiner will auch nur den Finger krumm machen, wenn es um die bloße Legitimationsprüfung geht. Aber wehe wenn da wieder mal eine versteckte Terrorzelle nicht gefunden wurde. Dann schreien alle nach den Verwantwortlichen.

    Also, was soll die Aufregung. Die Legitimationsprüfung, die sich im übrigen nicht die Finanzagentur ausgedacht hat, sondern unsere verantwortungsbewussten Politiker (ich meine das nicht ironisch!) sollte doch wirklich kein
    Problem sein. Und wir sich das nicht leisten kann, hat sein Geld ohnehin falsch angelegt. Oder will er es womöglich nur vor den Sozialbehörden verstecken?

    Ich habe es satt mit meinen Steuern derartiges Schmarozertum zu finanzieren. Also mitmachen oder auswandern!

  • Hallo LoHa

    Ja, a haben Sie natürlich recht. Aber der Freund Klaus lebt scheinbar in einer anderen Welt.
    Wir wollen doch daß die Gesetze „Geldwäschegesetz“ zum Tragen kommen.
    Sie unterstützen doch wohl nicht die Gangster, kann ich mir nicht denken.
    So und wenn man das will, dann füllt man halt ein solches Formular aus. Wissen Sie solche Leute wie der Klaus die gehen ohne Hemmungen in Facebook und geben alle Daten bekannt und hier wird ein Geschrei aufgeführt.
    Nun, jeder wie er es will.
    Na mit den Banken, da warten wir mal ab, mal sehen wie sich z.B. die Unicredit behauptet, immerhin die Mutter der HVB
    Gruß – immer noch aus Bayern -


  • Als unsere Hausbank, zu der jahrzehntelanger Kontakt bestand, diese bestätigten Daten auch wollte, habe ich alle Firmenkonten und Privatkonten der gesamten Familie abgezogen.
    Der Vorstand hat noch versucht uns zurück zu gewinnen, aber vergeblich. Diesen Bürokratismus machen wir nicht mit!

  • Na, da habe ich ja genau getroffen, ha, ha

  • Guten Abend hiram,
    wer haftet denn für die deutschen Anleihen?
    Ebenfalls der Steuerzahler.

    Ihre Bemerkung liegt da wohl etwas daneben.

    Im Übrigen geht nicht jede Bank pleite.

    Man kann sich auch solche aussuchen, die kaum Staatsanleihen besitzt.

    Als Handelsblattleser wissen Sie ja bestimmt, wie man das machen kann.

  • Total falsch, ich bezahle auch bei der anderen Bank keine Gebühren.

    Total falsch ist auch, dass ich ein Ossi sein soll.

    Ich sehe nur nicht ein, dass ich mit meinen paar Kröten selten dümmliche Regelungen finanzieren soll.

    Und die Beratung bei den Banken kann ich mir sparen, da sie doch immer nur auf eines hinauslaufen: Fonds der Banken.

    Kommentar ihrerseits ist hier genauso überflüssig wie der vorige.

  • Hallo Klaus,

    das haben Sie recht gemacht. Bei den paar Euro die Sie wahrscheinlich auf dem Konto hatten, sind natürlich 5 € Gebühren bei der Gemeinde zu teuer.
    Nun sind Sie also wieder auf der Bank Ihres Vertrauens und werden wahrscheinlich mehr Gebühren bezahlen als die 5 €, den zum Wealth Management werden Sie wahrscheinlich ja nicht gehören, da sollte Ihr Konto schon 7 Stellen haben.
    Na also, und wenn Ihre Bank pleite macht, dann haftet ja die BRD bis 100.000 € das wird ja wohl bei Ihnen langen.
    Evtl. stammen Sie ja aus dem Ossiland, da war natürlich alles preiswerter, wenn es auch nichts wert war.
    Na, dann wünsche ich Ihnen viel Freude.
    Grüße aus Bayern





Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%