Ölkrise und Saudi-Arabien Staatsanleihen gegen das Haushaltsloch

Erstmals in der Geschichte plant Saudi-Arabien, Anleihen auf dem internationalen Markt herauszugeben. Der schwache Ölpreis setzt dem mächtigen Staat zu. Im Haushalt klafft ein Milliardenloch, das gestopft werden will.
Der Export von Öl sorgte zuletzt für bis zu 85 Prozent der Staatseinnahmen Saudi-Arabiens. Der IWF schätzt, dass sich der niedrige Ölpreis in diesem Jahr für ein Staatsdefizit von 19,5 Prozent niederschlägt. Quelle: dpa
Abhängig vom Ölpreis

Der Export von Öl sorgte zuletzt für bis zu 85 Prozent der Staatseinnahmen Saudi-Arabiens. Der IWF schätzt, dass sich der niedrige Ölpreis in diesem Jahr für ein Staatsdefizit von 19,5 Prozent niederschlägt.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSaudi-Arabien bekommt die Folgen des schwachen Ölpreises immer stärker zu spüren. Im Haushalt bahnt sich ein Rekorddefizit an. Die Regierung muss gegensteuern. Einem Bericht der Financial Times (FT) zufolge plant das Königreich nun erstmals in seiner Geschichte, internationale Staatsanleihen auszugeben.

Die Ausgabe der Anleihen werde wohl schon im Januar starten. Noch sei aber nicht bekannt, welche Banken damit beauftragt würden, schreibt die britische Finanzzeitung. Die Behörden planten bereits, ein Büro zum Schuldenmanagement einzurichten, um die Vergabe nationaler und internationaler Anleihen zu überwachen. Bereits im Sommer hatte die Regierung in Riad begonnen, Anleihen im Inland zu begeben. Sie sollen helfen, das Staatsdefizit auszugleichen. Das reicht offenbar noch nicht aus.

Diese Männer wollen den Ölpreis bestimmen
Treffen der Opec
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Treffen der Opec in Istanbul. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) würden die Fördermenge gerne begrenzen. Im September 2016 hatte das Ölkartell auch einen entsprechenden Plan verkündet. Passiert ist seitdem aber wenig. Die Skepsis wächst, dass es überhaupt zu einem Abkommen kommt. Diese Männer ringen um eine Einigung.

Saudi-Arabien
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Khalid al-Falih ist seit Mai 2016 Ölminister von Saudi-Arabien – und damit ein mächtiger Mann. Sein Land ist der wichtigste Akteur im Ölgeschäft. Doch auch den Scheichs macht der niedrige Ölpreis zu schaffen.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 158 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 266 Milliarden Barrel

Venezuela
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Der venezolanische Öl- und Bergbauminiser Eulogio del Pino. Vor einigen Jahren überholte Venezuela Saudi-Arabien, was die größten Öl-Reserven der Welt angeht.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 36 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 301 Milliarden Barrel

Die folgenden Teilnehmer des OPEC-Treffens sind nach den Öl-Reserven ihrer Heimatländer sortiert. Quelle: OPEC

Iran
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Der iranische Öl-Minister Bijan Namdar Zanganeh. Im Handelsblatt-Interview hatte er schon früh die Position seines Landes deutlich gemacht, sobald die Sanktionen gegen das Land aufgehoben sind: „Wir wollen schrankenlos Öl und Gas exportieren“

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 27 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 158 Milliarden Barrel

Irak
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Adil Abd Al-Mahdi war bis 2016 irakische Ölminister. Auf ihn folgte Jabbar Ali Hussein Al-Luiebi.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 54 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 143 Milliarden Barrel

Kuwait
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Der Finanz- und Ölminister Kuwaits: Anas Khaled Al-Saleh.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 49 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 101 Milliarden Barrel

Vereinige Arabische Emirate
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Der Energie- und Industrieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Mohamed Al-Mazrouei.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 52 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 98 Milliarden Barrel

In den kommenden fünf Jahren könnte Saudi-Arabien seine Verschuldung auf 50 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) steigern, berichtet die FT weiter. Der anhaltend niedrige Ölpreis belastet den Haushalt des Golfstaats. Laut IWF-Schätzungen wird das Haushaltsdefizit Saudi-Arabiens in diesem Jahr bei 700 Milliarden Euro liegen. Das entspricht 19,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Ölexporte trugen bislang bis zu 85 Prozent der Staatseinnahmen bei. Doch nach Berechnungen des IWF benötigt das Königreich einen Ölpreis von 82 Dollar je Barrel, um den Staatshaushalt auszugleichen. Derzeit liegt der Preis für ein Barrel der Sorte Brent unter 48 Dollar.

Im Oktober stufte die Ratingagentur Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit des Lands auf A+ herunter. Für die Agentur gilt das Königreich zwar noch als solider Schuldner, liegt aber auf einem Niveau mit der Slowakei oder Irland. Die saudische Regierung beschwichtigt die Lage. „Saudi-Arabien befindet sich nicht in einer Krise“, sagte ein hochrangiger Beamter der FT. Der Staat könne sich Geld leihen und besitze Währungsreserven. Diese sind im vergangen Jahr von 737 Milliarden US-Dollar auf nur noch 647 Milliarden Dollar im September gesunken – den niedrigsten Stand der vergangenen drei Jahre.

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