Ölpreisverfall ruiniert Finanzen Die neuen Geldquellen der Saudis

Saudi-Arabien will vom Öl loskommen – und wird deshalb zum Schuldner. Zum ersten Mal seit 25 Jahren leiht sich das Land Geld von internationalen Banken. Weitere Finanzquelle: ein gigantischer Staatsfonds.
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Der Ölpreisverfall zwingt Saudi-Arabien auf den Kapitalmarkt. Quelle: IMAGO
Erdöl

Der Ölpreisverfall zwingt Saudi-Arabien auf den Kapitalmarkt.

(Foto: IMAGO)

DüsseldorfAuf den internationalen Finanzmärkten war Saudi-Arabien lange Zeit eine klare Rolle zugewiesen: die des reichen Kreditgebers. Doch das war, bevor sich der Ölpreis mehr als halbierte und alle Versuche, einen Förderstopp durchzusetzen, scheiterten. Nur wenige Tage nach den geplatzten Gesprächen der Ölproduzenten in Katars Hauptstadt Doha, wagt sich das Ölförderland auf den internationalen Kapitalmarkt – das erste Mal seit 25 Jahren.

Das Wüsten-Königreich nimmt einen fünfjährigen Kredit über zehn Milliarden US-Dollar auf. Kreditgeber ist ein internationales Banken-Konsortium, zu dem Investmentbanken wie JP Morgan, Tokio-Misubishi-Bank und HSBC gehören, wie die „Financial Times” berichtet. Jede von ihnen leiht den Saudis mindestens 500 Millionen US-Dollar. Vor allem asiatische Investoren geben nur zu gerne Kredit. Und das, obwohl das Königreich zuletzt eine Herabstufung durch Rating-Agenturen verkraften musste. So groß war die Nachfrage, dass Saudi-Arabien statt den ursprünglich angedachten sechs Milliarden nun zehn Milliarden US-Dollar von seinen Kreditgebern bekommen kann.

Gemessen an den Schulden, die andere Länder aufnehmen, sind die Saudis bescheiden: Deutschland beispielsweise hat seit Jahresbeginn Anleihen von rund 74 Milliarden Euro an den internationalen Kapitalmärkten platziert. Doch der Deal markiert eine Wende: Saudi-Arabien wird dadurch vom Kreditgeber zum Schuldner. Investoren hoffen, dass sich das Königreich in Zukunft weiter öffnet. Sie rechnen damit, dass das Land demnächst eine Staatsanleihe begeben wird. Weitere Bonds könnten von saudi-arabischen Unternehmen kommen, an denen sich bislang internationale Anleger nur schwer beteiligen können - trotz vorsichtiger Öffnung des Kapitalmarkts. Der Bankenkredit ist für Saudi-Arabien somit eine gute Gelegenheit zu testen, wie das Land bei Investoren ankommt.

Das ist wichtig, denn der Wüstenstaat will sich wirtschaftlich neu aufstellen. Mit einer Fördermenge von mehr als zehn Millionen Barrel am Tag ist er der derzeit größte Erdöl-Exporteur unter den Opec-Staaten. Langfristig will er aber unabhängiger vom Rohstoff. Kein Wunder: Seit 2014 hat der Ölpreisverfall die saudi-arabischen Finanzreserven stark angegriffen. Kostete ein Barrel der richtungsweisenden Sorte Brent im Sommer 2014 noch 110 Dollar, rutschte der Preis im Januar dieses Jahres auf ein Tief von 30 US-Dollar je Barrel.

Für den saudischen Staatshaushalt ist das eine enorme Belastung: 120 Milliarden US-Dollar an Reserven sind so weggeschmolzen. Das Staatsdefizit soll laut Prognosen in diesem Jahr auf 19 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anwachsen. Und eine Stabilisierung des Ölpreises ist nicht in Sicht. Lediglich eine Reduzierung der weltweiten Erdölfördermenge würde den Preis – zumindest auf kurze Sicht – wieder nach oben treiben. Doch dazu sind nicht alle Förderstaaten bereit – allen voran nicht Saudi-Arabiens Erzrivale Iran. Dieser hat seine Erdölfördermenge zuletzt auf vier Millionen Barrel pro Tag erhöht. Und: Selbst wenn eine Fördermengen-Kürzung gelänge, würde sie dem Land auf lange Sicht vermutlich wenig nützen. Denn steigt der Ölpreis erst über die 55-Dollar-Marke, lohnt es sich für die US-Schieferöl-Produzenten wieder zu fördern. Und das hätte einen erneuten Preisrückgang zur Folge.

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9 Kommentare zu "Ölpreisverfall ruiniert Finanzen : Die neuen Geldquellen der Saudis"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist zur Zeit der reinste Genuss, alles was dieser Atlantic Council oder wie die alle heißen plant, steht schon Tage zuvor auf Internetseiten und ist bekannt und dann kann mans mit soviel Genuss beobachten! Wer gibt den Saudis den Geld, Pleite-USA (übrigens anscheinend der nächste failed state, muhahaha)? Achja die Rousseff-Aktion war genial, nachdem alle Rousseff-Anklagenden jetzt selbst mit Dreck am Stecken dasitzen und da ist Rousseff ein Witz. Aber war alles toll geplant und bekannt - weltweit! Man muss eben nur wissen wo man die Wahrheit liest - hier nicht
    Noch besser war Schäuble, handelsblatt bringt er will besser gegen Steuerhinterzieher vorgehen, zeitglich wird bekannt das er selbst und Bundesdruckerei mitverwickelt sind! UND: HAHAHA, es gibt jnd der weiss alles und der ist nicht auf HB-Seite....Have fun in the future, liebe Handelsblatt-Journalisten

  • Annette Bollmohr
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    Solange die politischen Verhältnisse in Saudi-Arabien so sind wie sie derzeit sind, würde ich der Führung dieses Staats keinen einzigen Cent leihen oder dort sonstwie "investieren". Ganz gleich, wie lukrativ die Angebot erscheinen mögen.
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    Tja, das sehen Geldinstitute und Investoren aber völlig anders. Und es gab Zeiten in Saudi Arabien (z. B. bei König Abdallah) da gaben sich die Politiker mit Wirtschaftsdelegationen vieler Nationen die Klinke in die Hand.

  • Verehrter Herr Yoski!

    Ich vertrete die Untergangstheorie von Imperien.
    Jetzt sind die USA dran.
    Ein Untergang erfolgt viel schneller als der Aufstieg.

  • In der Vergangenheit haben die Gürn-Sozialistischen Medien sich immer über die Saudis als "Reiche Ölscheichs" beschwert und ihre Häme über die Geldgier der Scheichs unter das Deutsche Volk gebracht und jetzt wo der Markt dank Fraking und anderer Oelquellen in der Welt das Angebot weit über die Nachfrage treibt und damit den Saudis und anderen Olscheichs das Geldverdienen erschwert und damit auch deren Finanhzierung von Luxus und Religiösen Fanatismus/Terror da passt es den Grün-Sozialisten auch wieder nicht.
    Lasst sie doch Schuldner werden und der Ölpreis soll noch weiter fallen. Von mir aus wird das Oel so billig wie der Wüstensand. Mir als Verbraucher ist es recht und die Ölscheichs kommen auf den Boden der Realität wieder zurück. Danke!

  • Zu kurz gedacht. Die Foerderkosten in SA liegen bei maximal $10 pro Barrel, das stimmt. Aber SA braucht einen Preis von $70+ um seine Ausgaben zu finanzieren. Die USA koennen einen Preis von $30 weitaus laenger durchhalten als SA.
    Wer denen Geld leiht sollte wegen Unterstuezung von Terrorismus angeklagt werden und sein Vermoegen beschlagnahmt haben.

  • Saudi-Arabien will vom Öl loskommen. Aha! Was wollen die ausser Oel sonst exportieren? Terror, Hass Prediger, Scharia und Moscheen. Saudi-Arabien ist fuer den Rest der Welt weitaus gefaehrlicher als Nord-Korea und Iran zusammen genommen. Jedes andere Land was sich so verhalten wuerde waere von den USA laengst in Schutt und Asche gelegt worden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die Saudis und speziell Aramco verdienen noch erstklassig bei 40 Dollar je Fass Erdöl.
    Die Förderkosten betragen in dem Wüstenstzaat nur selten mehr als zwei, 2 Dollar je Fass.
    Viele Bohrlöcher werden schon seit 50 Jahren ausgebeutet.
    Übnrigens auch im Irak und im Iran gibt esÖlquellen, die 2 Dollar Förderkosten verursachen.
    Wenn Frachingöl erst ab 50 Dollar interessant wird, dürften die Investoren in den USA bald lange Gesichter machen. Diem Berichtssaison wird ab April erstmals Ölpreise von 30 Dollar verkraften müssen. Die abschreibungen der Ölmultis auf ihre Ölreserven werden verheerend. Welche Wertberichtigungen werden die finanzierenden Banken vornehmen mpüssen?
    Das BIP düfte in laufenden Preisen deutliche Bremsspuren aufweisen.
    Der count down läuft.

  • Solange die politischen Verhältnisse in Saudi-Arabien so sind wie sie derzeit sind, würde ich der Führung dieses Staats keinen einzigen Cent leihen oder dort sonstwie "investieren". Ganz gleich, wie lukrativ die Angebot erscheinen mögen.

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