Privatanleger Griechenland-Anleihen vom Handel ausgesetzt

Anleger stecken in der Klemme: Kaum liegt das Angebot zum Schuldenschnitt vor, kommt der Handel mit Griechen-Anleihen an den Börsen zum Erliegen. Damit haben Privatanleger heute keine Chance, die Papiere loszuwerden.
Update: 27.02.2012 - 16:31 Uhr 40 Kommentare
Durch den Schuldenschnitt verlieren Anleger einen Großteil ihres Geldes. Quelle: dpa

Durch den Schuldenschnitt verlieren Anleger einen Großteil ihres Geldes.

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DüsseldorfDer Handel mit griechischen Anleihen ist unterbrochen. Seit Montagmorgen werden an Handelsplätzen in Deutschland keine Kurse mehr gestellt. Damit haben Privatanleger derzeit keine Möglichkeit, ihre Papiere loszuwerden. Wer sich etwa an der Börse Stuttgart über die am 20. März fällige Griechen-Anleihe (GR0110021236) informieren will, erhält den Hinweis: „Vom Handel ausgesetzt.“

Die Börsenbetreiber verweisen auf regeltechnische Gründe: „Die im März fällige griechische Staatsanleihe wurde heute vom Handel ausgesetzt, da nun ein offizielles Rückkaufangebot der griechischen Regierung vorliegt. Dies entspricht den üblichen Handelsusancen in einem solchen Fall. Morgen wird das Papier wieder in den Handel eingeführt und ist dann wieder handelbar“, sagte Markus Gross, zuständig für den Handel mit Euro-Staatsanleihen an der Börse Stuttgart .

Auch in Frankfurt stammt der letzte Kurs vom Freitag. Ein Sprecher der Deutschen Börse erklärte dazu: „Am Freitagabend hat unsere Marktsteuerung eine Mitteilung des griechischen Finanzministeriums erhalten.
Daraus ging hervor, dass Griechenland beabsichtigt, Anleihen in andere umzutauschen. Deshalb hat die Deutsche Börse ab heute früh den Handel in allen griechischen Staatsanleihen für einen Tag ausgesetzt.“
Die Börse habe wenig Spielraum. Bei der Mitteilung von freiwilligen Rückkauf- oder Umtauschangeboten sowie von vorzeitigen Kündigungen oder Teilkündigungen von Schuldverschreibungen werde der Handel für die betreffenden Wertpapiere sofort bis zum Ablauf des folgenden Börsentages nach der öffentlichen Bekanntgabe einer solchen Maßnahme ausgesetzt. Am Dienstag will die Frankfurter Börse den Handel mit griechischen Staatsanleihen wieder aufnehmen.

Für Großinvestoren spielt der Handel an den Börsen keine maßgebliche Rolle. Sie handeln die Papiere untereinander am Telefon.

Am Freitag hatte die griechische Regierung den privaten Gläubigern ein offizielles Angebot zum Schuldenschnitt gemacht. Das entsprechende zehnseitige Dokument wurde auf einer Internetseite des Athener Finanzministeriums in englischer Sprache veröffentlicht. Am Wochenende kam ein 167 Seiten starkes "Invitation Memorandum" mit weiteren Details hinzu.

Der Schuldenschnitt betrifft ausstehende Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 206 Milliarden Euro. Die griechische Schuldenlast soll durch den Gläubigerverzicht um 107 Milliarden Euro schrumpfen.

Insgesamt sollen private Gläubiger auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten. Für die restlichen 46,5 Prozent erhalten sie neue Wertpapiere. In Form einer 30-jährigen griechischen Anleihe mit EFSF-Absicherung fließen 31,5 Prozent, in Form von EFSF-Papieren mit ein oder zweijähriger Laufzeit weitere 15 Prozent. Zusätzlich gibt es zu der griechischen Anleihe ein Wertpapier, das vom Wirtschaftswachstum Griechenlands abhängt. Für die neuen Anleihen wird englisches Recht gelten. Das Programm soll bis 2042 laufen.

Die neuen Anleihen sollen bis 2015 einen Zinssatz von 2 Prozent haben. Danach soll der Zinssatz stufenweise steigen - bis 2020 auf 3,0 Prozent, 2021 3,65 und danach 4,3 Prozent. Durch den Forderungsverzicht und die veränderten Konditionen summieren sich die Verluste auf mehr als 70 Prozent des Nominalwerts der Anleihen.

Die Anleger haben bis zum 8. März Zeit, um zu entscheiden, ob sie dem Schuldenschnitt zustimmen oder nicht. Der Umtausch soll dann möglicherweise zwischen dem
8. und 11. März erfolgen. Machen nicht genug mit, können die privaten Gläubiger notfalls auch zum Forderungsverzicht gezwungen werden. Stimmen weniger als 75 Prozent dem Umtauschangebot zu, wird die griechische Regierung den Schuldenschnitt zwangsweise durchführen. Bei einer Beteiligungsquote von 75 bis 90 Prozent hält sich die Regierung die Option zumindest offen. Machen mehr als 90 Prozent mit, kommt der Rest ungeschoren davon.

Es gilt als wahrscheinlich, dass die Ratingagenturen Griechenland nach Durchführung des Schuldenerlass' vorübergehend für pleite erklären - obwohl die Maßnahme zusammen mit dem zweiten Rettungspaket der internationalen Geldgeber das Land ja gerade vor dem Bankrott retten soll. Allerdings wäre die Herabstufung der Ratingagenturen technisch bedingt: Ein Schuldenschnitt bedeutet eben auch, dass ein Land seine Schulden nicht bedienen kann und damit de facto insolvent ist.

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40 Kommentare zu "Privatanleger: Griechenland-Anleihen vom Handel ausgesetzt"

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  • Staatsanleihen ,auch deutsche ,kann man schon seit mehreren Jahren nicht mehr kaufen.Wer´s trotzdem tut ,ist selber schuld.

  • Friedrich hat sich heute nicht als Held erwiesen sondern als Waschlappen, der mit "ja" abgestimmt hat. Helden ist Gauweiler und alle anderen Abweichler.

  • Totgesagte leben länger, womöglich auch der Euro.

  • Jetzt ist die BAFin gefordert! Staatsanleihen stellen kein Null-Risiko mehr dar. Sie sind aus fachlicher Sicht mit Eigenkapital zu unterlegen.

    Aber mit welchem Prozentsatz?

    Folgt man dem Gesetz des Faktischen, sind 69,5 % des Nominalwerts als Eigenkapital vorzuhalten. Welches Institut ist dann noch in der Lage einen Cent in Staatsanleihen zu investieren.

    Der heutige Bundestagsbeschluss, das zweite Rettungspaket, ist damit nicht mehr finanzierbar. Auch Deutschland steht dann vor der Insolvenz.

    Unsere Abgeordneten sollen Volksvertreter sein?

  • Ja wohl! Der finale Crash des Euros ist damit aus amerikanischer und englischer Sicht für immer unumkehrbar eingeleutet! Wern jetzt noch EURO hat, oder hält, der kann gleich sein Geld als Almosen verteilen.

  • ZITAT AUS DEM ARTIKEL : "Gläubiger mit Sitz in den USA erhalten 15 Prozent des ausstehenden Nennwerts ihrer Anleihen in bar ausgezahlt. Alle anderen Gläubiger erhalten diese 15 Prozent in Form eines EFSF-Wertpapiers"



    Was soll das denn? Ami bekommen eine Extrawurst? Das ist doch alles nichts rechtens. Europa ist die absolute Bananenrepublik

  • Meine Antwort war an Towler gerichtet! Antwortbutton war wohl im Urlaub...

  • Da ist kein Denkfehler... Es ist ganz einfach eine Demokratiediktatur. Wenn du nicht willst führen "wir" eben die Gesetze, die dich dazu zwingen, ein.

    Aber was mir nicht einleuchtet ist folgendes: Wenn ich befürchten muss, dass der Staat Gesetze erlassen kann die er braucht und will, warum sollte ich ihm mein Geld anvertrauen? Naja die Welt dreh sich nun mal so und jeder sollte für sich gucken, dass er eben auf der Gewinnerseite steht.

  • Es zeigt mal wieder, dass Staatsanleihen, auch die Deutschlands, nicht risikofrei sind. Das grösste Risiko läuft sich gerade erst langsam warm: Das V....risiko. Fugger ging pleite, weil er dem franz. König zu viel Geld geliehen hatte - beim Bürger und seinen zwischengeschalteten Kapitalsammelstellen wird es genau so sein. Der Zaubertrick der EZB (Austauschen der WKN, damit der Staat sich als Einziger schadlos hält) ist natürlich unmoralisch und evtl sogar rechtswidrig, eine V... ist es auch hier wieder. Armutszeugnis für den europäischen Demokratieanspruch und mit hoher Wahrscheinlichkeit das Saatfeld für Unruhen und künftige Tyrannen. Die Politik hat noch nicht gemerkt, dass wir nicht mehr im Jahre 1650 sind und sie nicht der absolutischtische Herrscher ist (wie heist es noch? "alternativlos", "wenn der Euro fällt, fällt Europa" usw.). Traurige Politik...

  • Ich würde mal eher davon ausgehen, dass es keine 100% gibt und der Bankmitarbeiter schon sehr bald bei der ArGe bzgl. Stütze vorstellig wird.... ;-)

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