Rating Moody's teilt in Europa Bonitäts-Watschen aus

Die Ratingagentur Moody's hat die Bonität mehrerer europäischer Staaten gesenkt, darunter Spanien, Italien und Portugal. Auch Großbritannien gerät jetzt in den Fokus der Agentur. Deutschland ist diesmal nicht betroffen.
Update: 14.02.2012 - 07:46 Uhr 29 Kommentare

Moody's-Urteil schießt scharf

London / WashingtonDie gute Nachricht: Deutschland ist als wirtschaftliches Schwergewicht der Eurozone bei einer neuen Runde von Rating-Abstufungen schadlos geblieben. Dagegen hat die Ratingagentur Moody's hat am späten Montagabend die Kreditwürdigkeit mehrerer EU-Staaten herabgestuft.

Betroffen sind Italien, Portugal, Spanien, Malta, die Slowakei und Slowenien. Ferner wurde für drei EU-Staaten mit Aaa-Rating die Prognose auf negativ gesenkt. Dies gilt für Frankreich, Großbritannien und Österreich. Die Überraschung über diesen Schritt hält sich in Grenzen. Der größere Konkurrent Standard & Poor`s hatte bereits vor Wochen eine ähnliche Herabstufung vorgenommen.

Die Kreditwürdigkeit von Euro-Staaten wie Italien und Frankreich wird von der Ratingagentur Moody's skeptischer beurteilt. Die Experten stuften in der Nacht zu Dienstag die Note für Italien um einen Rang herab auf A3 von A2 und die Bewertung Spaniens um zwei Ränge auf A3 von A1. Auch Portugal, Malta, die Slowakei und Slowenien rutschten in der Bewertung um jeweils eine Stufe ab.

Für Frankreich, die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, gab die Agentur ein Warnsignal: Die Aussicht für die künftige Bewertung sei negativ, erklärte die Agentur. Dies bedeutet, dass Moody's eine mindestens 40-prozentige Wahrscheinlichkeit sieht, dass die Kreditwürdigkeit in den kommenden 18 Monaten herabgestuft werden könnte.

Dieses Urteil fällten die Experten auch über Österreich, das im System von Moody's wie Frankreich noch immer die Bestnote AAA hat. Einen Warnschuss versetzte die Agentur zudem Großbritannien, das nicht Mitglied der Euro-Zone ist. Auch das britische AAA-Rating erhielt einen negativen Ausblick. Die Agentur begründete ihren Schritt mit den wachsenden Risiken für eine weitere Belastung der Staaten, die eine schlechtere Entwicklung der Kreditwürdigkeit wahrscheinlicher machten.

Trotz der Herabstufungen äußerte sich Moody's relativ optimistisch. Es werde nicht erwartet, dass Regierungen mit den Rettungspaketen Geld verlören. Auch werde nicht erwartet, dass die Aaa-Bewertungen Deutschlands, der Niederlande und Finnlands unter Druck gerieten. „Wir glauben weiterhin, dass die Eurozone als Ganzes über eine beträchtliche wirtschaftliche und finanzielle Stärke verfügt“, erklärte Moody's.

Unverändert blieb das Rating für Deutschland (Aaa), ebenso die Bewertungen von Dänemark, Finnland, Luxemburg, den Niederlanden, Schweden (alle ebenfalls Aaa), Belgien (Aa3), Estland (A1) und Irland (Ba1). Eine Überprüfung der Einstufung Zyperns mit Baa3 dauert an, Griechenland verharrt bei Ca. Der europäische Rettungsfonds EFSF behielt seine Bewertung von Aaa.

Mitte Januar hatte die US-Ratingagentur Standard & Poor's Frankreich und Österreich die Bestnote aberkannt und die Länder um eine Note herabgestuft. Moody's gab kurze Zeit später an, seine Bewertungen planmäßig zu prüfen. Frankreich ist zusammen mit Deutschland Hauptgarantiegeber des Eurorettungsfonds EFSF.

Erste Reaktionen aus den Staaten sind moderat. Das Finanzministerium in Wien sieht trotz des Warnschusses durch die Rating-Agentur Moody's keine Gefahr für eine Abstufung der Kreditwürdigkeit Österreichs. Die Entscheidung sei „bedauerlich“, erklärte das Finanzministerium in Wien. Die Agentur habe dabei allerdings das jüngst beschlossene Sparpaket nicht berücksichtigt. Das Finanzministerium sieht daher keine Gefahr für
eine bald mögliche Herabstufung.

  • rtr
  • dapd
  • afp
  • jha
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29 Kommentare zu "Rating: Moody's stuft sechs europäische Staaten herab"

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  • Warum lassen die Europaeer zu, dass der Fokus nur Europa betrifft.Von den amerikanischen Problemen wird dadurch abgelenkt.
    Das scheint Methode zu haben.

  • Wenn ein Staat wirklich unabhängig sein will, darf er sich eben nicht bis über die Halskrause verschulden. Was hier zum Teil angeführt wird, ist haarsträubend: Schuld ist derjenige, der Kredite gibt??? Ich habe keinen Volksvertreter gewählt, der mir, meinen Kindern und Enkeln jede Luft zum Atmen nimmt, weil er das Geld von morgen bereits heute ausgibt. Und wer auf rating-agenturen, die versuchen, ein bißchen Transparenz in das völlig intransparente Finanzgebaren des Staats zu bringen, als den Boten schlechter Nachrichten ein-schlägt, meint wohl, es wäre besser, den Kopf in den Sand zu stecken, solange bis es niemanden gibt, der auch nur einen Pfifferling in diesen Staat investiert.

  • Danke @Peter von Bremen. Die vorgetragenen Argumente von @Brechreiz deuten auf eine bestellte Vortragsreihe hin, weniger auf den eigenen Geist. Falls es um ihn herum anfängt zu brennen, weiß er bestimmt, wer das Feuer gelegt hat. Sollte es die sogar die Feuerwehr, einzelne oder vereinzelte Feuerwehrleute gewesen sein, so käme er wahrscheinlich nie auf die Idee, dieselben um Hilfe zu bitten.

    Jeder ist sich seines Glückes Schmied. Im übrigen sagt @Brechreiz gelinde das, was ich für ihn empfinde.

  • Ist unsere derzeitige Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung also das Maß aller Dinge und das Beste, was die Menschheit hervorbringen wird?

    "Wissen" wir alle, dass die Welt eben "so läuft" und alles andere Utopie und undenkbar ist?

    Reisen wir für eine Sekunde zurück in die Vergangenheit und fragen einmal die Römer, ob Sie sich zu Ihrer Glanzzeit vorstellen konnten, dass das römische Reich einmal zerfällt.

    Was glauben Sie, wäre die Antwort gewesen?
    Gewiss ähnlich arrogant und "selbstsicher" wie die Ihre.

    Ich möchte meine Hand ins Feuer: In 300 Jahren werden die Menschen auf unsere Zeit schauen und sich fragen, warum wir "dem schnöden Mammon" und dem Mantra des "Marktes" so ignorant und blind gefolgt sind.

    So wie es uns heute unvorstellbar erscheint, dass die Mayas Menschen geopfert haben um die Götter milde zu stimmen, wird es unseren Zukünftigen Mitmenschen unvorstellbar erscheinen, warum man wissentlich Millionen Menschen in die Armut gesandt hat, um "die Märkte" milde zu stimmen.

    Alle Macht dem Volke, denn nur vom Volk und dessen guten Willen leben die Märkte. Sie führen kein Eigenleben, sondern sind ein Glaube an den Vorteil vieler.

    Wenn dieser Glaube verloren geht, was momentan in den westlichen Gesellschaften passiert, wird das Recht des stärkeren walten.

    Und die Geschichte lehrt uns, dass das Volk bisher immer am stärksten war, wenn eine kleine Gruppe ideologisch verblendeter über Leben und Tod entscheiden wollte!





  • Standard & Poors, Moody's and Fitch, die neue, gemeinsame Weltreligion allen Seins. Hervorragend ihr Lloyds, die Gläubigen retten für euch den Globus. Die Gnade, Güte und Barmherzigkeit habt ihr Heilsbringer aber auch voll "verdient", weil Menschen auf dieser Welt irgendwie ohne "jeglichen" Einfluß dahingerafft werden.

  • @Brechreiz
    Und hätten Sie in der Schule besser aufgepasst, wüssten Sie, warum es blitzen und donnern kann. 100pro ist übrigens gar nichts gesichert, nicht einmal unsere Existenz. Ich möchte hier aber nicht abschweifen, ich wollte nur Ihre etwas hochnäsige Antwort kommentieren, die gar nicht so schlau ist, wie Sie meinen.

  • In Deutschland braucht niemand auf der Straße wohnen. Das ist mE schon grundsätzlich Partizipation am Wohlstand.
    Wer mehr Wohlstand will, hat in diesem Land die Gelegenheit, ihn sich zu verdienen. Natürlich klappt das nicht, wenn man nach der 8ten Klasse von der Schule geht, oder alle 3 Semester das Studienfach wechselt, oder im Job Dienst nach Vorschrift macht. Deswegen heißt es ja auch "verdienen" und nicht "bekommen".
    Ich spreche hier übrigens aus eigener Erfahrung und nicht nur theoretisch.
    Allerdings ist der gemeine Deutsche "grundgesättigt", weshalb er mehr und mehr verlernt, sich für etwas nachhaltig einzusetzen, sich durchzusetzen und konsequent ein Ziel zu verfolgen. Deutschland wird mehr und mehr zum Weichei.
    Der Staat hat in der Tat die Aufgabe Regeln aufzustellen. Aber diese Regeln schmecken den Bürgern nicht immer, weil der Staat die Interessen des GESAMTEN Volks vertritt. Und dazu gehören nicht nur die Bürger, sondern eben auch die Unternehmen, die die Hintern der Bürger (übrigens) am Ka**en halten...

  • Und wofür ist dann der Staat ? Der stärkere gewinnt ? Mag sein, aber in einer zivilisierten Gesellschaft läuft dieser Wettbewerb nach Regeln ab - und diese Regeln dürfen NICHT zu Lasten der Mehrheit gehen. So wie der Kapitalismus 2012 funktioniert ist genau dies der Fall.
    Was tun ? Die ratio sagt die Regeln ändern - doch die Realität sagt daß der Vorteil der Wenigen dem Wohl der Vielen vorzuziehen ist.
    Wie lange kann das Ihrer Meinung gutgehen - ohne daß am Ende "der Stärkere" durch die Anzahl der AK47 definiert wird ?

    Eine stabile Gesellschaft beruht auf Ausgleich und dem Glauben der Mehrheit wenigstens einigermaßen am Wohlstand teilhaben zu können. JEDE Elite der Vergangenheit die glaubte auf lange Sicht GEGEN die Interessen der Bevölkerung agieren zu können ist gescheitert. Das tragische ist nur daß dieses Scheitern meistens blutig vonstatten ging.
    Mal schauen wie der ach so siegreiche Kapitalismus a la USA (oder schlimmer China) die jedem erkennbare gesellschaftliche Schieflaghe meistern wird - so wie es heute aussieht wird er es nicht.
    Dann können "die Stärkeren" ganz schnell ihren Kopf auf langen Spiesen bewundern. Und das will hoffentlich niemand.

  • Hätten Sie VWL, BWL, Finanzwesen oder irgendetwas dieser Richtung studiert, wüssten Sie, wie und warum man sowas machen kann. Die Tatsache, dass sie es nicht verstehen, macht die Sache ja nicht schlecht oder unmachbar. Blitz und Donner funktionieren ja auch, obwohl man bis heute nicht 100pro weiß wie.

  • Mich wundert es überhaupt nicht, dass sich der überwiegende Teil der Kommentare negativ auf die Ratingagenturen bezieht. Nach denen, sind ja diese Agenturen für die Finanzmarkt- und Euroschuldenkrise verantwortlich. Das ist für mich Stammtischgeschwätz. Kern der Sache ist, dass Ratingagenturen die Wahrheit darstellen, wie es in Wirklichkeit mit der Haushaltspolitik europäische Staaten aussieht. Nur die Wahrheit zu hören, ist immer sehr unangenehm und will man am liebsten verdrängen. Aber nach Meinung einiger hier, gehören ja dieses Agenturen abgeschafft, nur dann darf man sich nicht wundern wenn irgendwann keiner mehr den Finger hebt und der endgültige Zusammenbruch kommt.

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