Ratingagentur Fitch Bye, bye triple-A

Die guten alten Zeiten – sie werden für viele europäische Staatsanleihen wohl nie wiederkehren. Die Ratingagentur Fitch hat mehrere Gründe, weshalb sich die Bonitätsnoten auf absehbare Zeit nicht bessern dürften.
Die Staatsanleihen von gerade einmal vier Ländern in der Euro-Zone tragen noch die Bestnote der Ratingagentur Fitch. Quelle: dpa
Bestnote „AAA“

Die Staatsanleihen von gerade einmal vier Ländern in der Euro-Zone tragen noch die Bestnote der Ratingagentur Fitch.

(Foto: dpa)

LondonEinige Staaten der Euro-Zone werden der Ratingagentur Fitch zufolge möglicherweise nie wieder die Kreditwürdigkeit aus Zeiten vor Ausbruch der Schuldenkrise vor vier Jahren erreichen. Es bestehe die Gefahr, dass in vielen Ländern des Währungsraums die Schuldenberge wegen einer längeren Wachstumsflaute oder klammen Staatskassen hoch blieben, sagte Fitch-Experte Douglas Renwick am Dienstag bei einer Veranstaltung in London.

Dies würde bedeuten, dass die Bonitätsnoten nur langsam oder vielleicht überhaupt nicht mehr an das Vorkrisenniveau herankämen. Insgesamt sehe er aber einen weitgehend stabilen Trend bei den Ratings in der Euro-Zone. Dabei seien die Aussichten für die Peripheriestaaten besser als für die Kernländer.

Bei diesen Schuldenschnitten mussten Investoren bluten
Ukrainisches Präsidialamt
1 von 15

Am 27. August 2015 hat sich die Ukraine mit ihren Gläubigern auf einen Schuldenschnitt geeinigt. Das Land ist bei weitem nicht das einzige, das in den vergangenen Jahren seine Schulden nicht wie geplant bedienen konnte. Fünf Monate hatten die Verhandlungen gedauert.

Natalie Jaresko
2 von 15

Die ukrainische Finanzministerin handelte die Einigung mit den Gläubigern aus. Unter anderem wurde eine Abschreibung von 20 Prozent auf den Nominalwert von auf Euro laufenden Anleihen im Volumen von umgerechnet rund 18 Milliarden Dollar vereinbart. Die erste davon betroffene Anleihe ist in weniger als einem Monat fällig. Des weiteren wurde eine Verlängerung der Fälligkeiten um vier Jahre sowie ein einheitlicher Kupon von 7,75 Prozent für alle Laufzeiten ausgehandelt.

Video-Screenshot
3 von 15

Michael Hasenstab ist Fondsmanager für Anleihen beim Vermögensverwalter Franklin Templeton. Die Fondsgesellschaft hatte die Eingung vermittelt, da sie größter Gläubiger des Landes ist.

Argentinien (1)
4 von 15

Schuldenschnitt November 2001
bis zu 83 Prozent Verlust für die Gläubiger / Anleihen im Volumen von 64,4 Milliarden Dollar betroffen

Quelle für diese und alle folgenden Daten: Moody's, The Aftermath of Sovereign Defaults, Oktober 2013. Wir zeigen ausgewählte Schuldenschnitte.

Argentinien (2)
5 von 15

Schuldenschnitt Februar 2005
bis zu 71 Prozent Verlust für die Gläubiger / Anleihen im Wert von 79,7 Milliarden Dollar betroffen

Moldawien
6 von 15

Schuldenschnitt Juni 2002

bis zu 40 Prozent Verlust für die Gläubiger / Anleihen im Wrt von 40 Millionen Dollar betroffen

Paraguay
7 von 15

Schuldenschnitt Juni 2003

bis zu acht Prozent Verlust für Gläubiger / Anleihen im Wert von 100 Millionen Dollar betroffen

Fitch bewertet in der Euro-Zone nur noch die Kreditwürdigkeit von Deutschland, Finnland, Luxemburg und den Niederlanden mit der Bestnote „AAA“.

So macht der Bund Schulden
Schritt 1: Politische Entscheidung
1 von 16

Die Haushaltsreferate der einzelnen Bundesministerien planen ihre Haushalte für die folgenden Jahre, der Finanzminister trägt die Vorhaben zusammen. Die Bundesregierung beschließt im Kabinett den Haushalt für den Bund – in der Regel im Sommer für das jeweilige folgende Jahr.

Brüssel gibt seinen Segen
2 von 16

Mittlerweile müssen die nationalen Haushalte auch bei der EU-Kommission vorgelegt werden. Die Behörde in Brüssel prüft im Herbst, ob etwa die Höhe vorgesehener Schulden den Regeln der Europäischen Union entspricht.

Bundestag
3 von 16

Das Parlament hat die Hoheit: Der Bundestag beschließt endgültig über den Haushalt des Bundes. Seit dem Jahr 2016 gilt dabei die sogenannte Schuldenbremse. Sie begrenzt die Nettokreditaufnahme auf 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Schritt 2: Finanzministerium
4 von 16

Seitdem Finanzminister Wolfgang Schäuble 2014 die „Schwarze Null“ durchgebracht hat, spart sich der Bund die Netto-Neuverschuldung. Neue Kreditpapiere bringt der Bund trotzdem auf den Markt– um alte Kredite abzulösen.

Zur Fälligkeit muss der Staat den Nennwert begebener Anleihen und Geldmarktpapiere inklusive Kuponverzinsung an die Investoren zurückzahlen. Das Geld dafür beschafft er sich, indem er kurz vorher neue Anleihen begibt. An welchem Tag welche Bundeswertpapiere in welchem Umfang begeben werden legt die Finanzagentur – der oberste Schuldenmanager des Bundes – jeweils im Dezember für das Folgejahr fest.

Schritt 3: Finanzagentur
5 von 16

„Ja, der Bund zahlt das Geld für Zinsen und Tilgung an die Käufer von Anleihen immer fristgerecht zurück“, heißt es bei der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur, die Detuschlands Schulden managt. Die Regierung könne kurzfristig eingreifen, ist seit Jahren liquide und werde von allen drei Rating-Agenturen regelmäßig mit einem „Triple A“ (AAA)-Status ausgezeichnet.

Rating für Deutschland
6 von 16

Neben Standard & Poor's geben regelmäßig Moody's und Fitch Urteile über Deutschlands Kreditwürdigkeit ab. Wegen des Top-Ratings ist der deutsche Staat so beliebt im Geschäft mit Bundesanleihen. Nachdem das Finanzministerium entschieden hat, welche Anleihen-Art er genau begeben will, wird die Deutsche Finanzagentur tätig. Sie berät das Finanzministerium, wie es die Anleihen möglichst günstig und gleichzeitig kurzfristig auf dem Markt anbieten kann.

Bundesbank.
7 von 16

Jens Weidmann ist der Präsident der Bundesbank, die in Schritt 3 des Schuldenmachens ein ausführendes Organ ist. Die Bundesbank organisiert gemeinsam mit der Finanzagentur die Bieterauktionen für die begebenen Schuldtitel.

Die Auktionen finden in der Regel zwei Mal die Woche statt, und zwar montags und dienstags oder montags und mittwochs. Montags werden kurzlaufende Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von sechs Monaten versteigert. Zweijährige Bundesschatzanweisungen gibt es einmal im Monat an einem Dienstag, fünf- zehn- und 30jährige Anleihen jeweils mittwochs. Dazu gibt es noch an bis zu zehn Dienstagen inflationsindexierte Wertpapiere des Bundes.



  • rtr
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%