Refinanzierung: Nachfrage nach Unternehmensbonds sinkt – Immobilienfirmen besonders unter Druck
Kommendes Jahr müssen wohl wieder mehr Firmen den Markt anzapfen.
Foto: imago images/Beautiful SportsFrankfurt. Angesichts von Verspätungen und Zugausfällen sorgt die Deutsche Bahn derzeit eher selten für Begeisterung. Doch zumindest bei Investorinnen und Investoren am Anleihemarkt ist die Bahn begehrt. Für die neue 500 Millionen Euro schwere Anleihe des Staatskonzerns gab es Kaufaufträge über mehr als 4,5 Milliarden Euro – die Anleihe war damit neunfach überzeichnet.
Eine so große Nachfrage ist äußerst selten geworden, weiß Ingo Nolden, der bei HSBC Deutschland das Kapitalmarktgeschäft mit Unternehmen leitet: „Viele neue Anleihen waren in letzter Zeit nur zweifach überzeichnet, manche sogar noch weniger.“
Doppelt so viel Nachfrage wie Angebot – das klingt zunächst nicht nach großen Problemen für die Unternehmen. Doch im vergangenen Jahr überstieg die Nachfrage laut Nolden das Angebot in der Regel um das Drei- bis Vierfache. Auch Paula Weißhuber, Leiterin des Geschäfts mit Unternehmensanleihen bei der Bank of America (BofA) in Europa, betont: „Viele Unternehmen finden das aktuelle Marktumfeld herausfordernd.“
Hauptgrund dafür ist, dass die steigenden Inflationsraten, die steigenden Zinsen der Notenbanken und die enorme Volatilität an den Anleihemärkten Investorinnen und Investoren verunsichern. Das macht es für Unternehmen erstens teurer und zweitens schwerer, sich Geld zu leihen. Die Folge: Am Markt für neue Firmenbonds herrscht eine allgemeine Flaute.