Rendite zehnjähriger Staatspapiere Bundesanleihe knackt die Ein-Prozent-Marke

Wie sich die Welt in zwei Monaten ändern kann: Im April schienen Negativrenditen bei zehnjährigen Bundesanleihen sicher. Am Morgen rentierten die Papiere zwischendurch bei 1,05 Prozent. Ist die Zinswende damit Fakt?
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Zehnjährige Papiere rentieren wieder bei über einem Prozent. Den Bund kostet Schuldenmachen neuerdings also wieder Geld. Quelle: dpa
Bundesanleihen

Zehnjährige Papiere rentieren wieder bei über einem Prozent. Den Bund kostet Schuldenmachen neuerdings also wieder Geld.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs war eine Rally von null auf hundert: Gemeint ist nicht das jüngste Formel-1-Rennen, sondern die Renditeentwicklung zehnjähriger deutscher Bundesanleihen. Mitte April noch schien es, als würde die Rendite dank der ultralockeren Geldpolitik der EZB, ins Negative rutschen. De facto hätten Gläubiger dem deutschen Staat also Geld bezahlt, um ihm etwas leihen zu dürfen.

Doch dazu kam es nicht. Stattdessen pirschten die Renditen der Staatspapiere immer weiter nach oben. Am Morgen übersprang die Rendite dann die Marke von einem Prozent – ein Plus von 100 Basispunkten. So hoch rentierte die Anleihe zuletzt im September 2014. Zwischenzeitlich kletterte sie gar auf 1,053. Den Bund kostet es es also neuerdings wieder Geld, sich zu verschulden.

Verschiedene Faktoren, darunter bessere Konjunkturaussichten für die Euro-Zone in Kombination mit einer steigenden Inflationsrate, hatten Anleger offenbar dazu getrieben, Anleihen in großem Stil abzustoßen, was die Kurse fallen ließ und die Renditen nach oben trieb. Zuletzt war die langfristige Inflationserwartung für die Euro-Zone auf ein Dreiwochen-Hoch gestiegen.

Den Trend verstärkt haben dürften darüber hinaus die Äußerungen mehrerer Starinvestoren, dass sich mit einer Wette auf sinkende Kurse bei Bundesanleihen Geld verdienen ließe. Investoren scheinen damit die Zinswende vorweggenommen, also faktisch geschaffen zu haben, lange bevor die EZB die Leitzinsen wirklich angehoben hat. Die Frage ist nun, ob die vergleichsweise attraktive Rendite in dieser Form anhalten wird. Denn spätestens jetzt wird es für Investoren wieder attraktiv zu kaufen.

Von null auf hundert und zurück
09. Januar 2012
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Negativ verzinste deutsche Staatspapiere: Erstmals gelingt es Deutschland, kurzfristige Geldmarktpapiere  mit Gewinn zu verkaufen. Wer an diesem Tag Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten kauft, bekommt am Ende der Laufzeit weniger vom Fiskus überwiesen, als er am Anfang investiert hat.

Die Gründe sind vielfältig: Weil die Anleihen der Krisenstaaten vom Ausfall bedroht sind, flüchten alle in deutsche Titel. Gleichzeitig pumpt die EZB über großzügige Sonder-Kredite an die Banken frisches Geld in die Märkte, das die Unternehmen gar nicht ausleihen wollen. Die Nachfrage nach Krediten ist klein, das Angebot an Geld groß. Das drückt auf die Renditen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt zu diesem Zeitpunkt bei 1,85 Prozent.

26. Juli 2012
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„Whatever it takes.” Investoren sind wenige Monate nach dem griechischen Schuldenschnitt in Panik. Die Kurse der Anleihen aller Euro-Randländer fallen, ihre Renditen steigen. Da spricht EZB-Chef Mario Draghi bei einer Konferenz in London ein Machtwort. „Die EZB wird innerhalb ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.“ Damit leitet Draghi eine Erholung der Anleihen der Euro-Randländer ein. Doch auch Bundesanleihen bleiben gefragt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt bei 1,32 Prozent – und sinkt immer weiter.

11. Juni 2014
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Zentralbankzins für Einlagen unter null: Die Euro-Zone kommt wirtschaftlich noch immer nicht vom Fleck. Obwohl die EZB die Leitzinsen immer weiter gesenkt hat, bleibt die Kreditvergabe schwach. Die Notenbank geht also noch einen Schritt weiter: Sie senkt den Leitzins auf 0,05 Prozent, der Einlagezins fällt auf minus 0,1 Prozent. Geschäftsbanken, die ihr Geld bei der EZB parken und nicht verleihen wollen, zahlen jetzt Strafe. Im September 2014 erhöht die EZB diesen „Strafzins“ auf 0,2 Prozent.

17. September 2014
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Der Bund verdient Geld mit Anleihen. Die Negativzinsen fressen sich bei Bundeswertpapieren weiter durch. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit zu einer Minusrendite auf. Diese liegt bei minus 0,07 Prozent. Aufgestockt wird die Anleihe um 3,3 Milliarden Euro. Begeben worden war sie am 20. August 2014 mit einem historisch niedrigen Zinsschein von null Prozent und einer Rendite von ebenfalls null Prozent.

16. Januar 2015
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Die Schweiz schreibt Geschichte am Anleihemarkt: Erstmals sinkt in einem Land  die Rendite einer Anleihe mit der Laufzeit von zehn Jahren unter null Prozent. Grund dafür war die überraschende Entscheidung der Schweizer Notenbank vom Vortag, den Euro-Mindestkurs zum Franken aufzuheben. Die Folge: Der Franken wertet drastisch auf, die Aktienkurse brechen ein – und Anleger fliehen in Anleihen. 

Am 9. April profitieren die Schweizer Steuerzahler von den Minuszinsen. Die Schweiz stockt die die zehnjährige Anleihe, die einen Zinsschein von 1,5 Prozent hat, zu einem Kurs von 116 Prozent auf. Daraus errechnet sich bei der Auktion eine negative Rendite von minus 0,055 Prozent. Anleger versuchen damit, den Strafzins von 0,75 Prozent zu umgehen, den die Schweizer Notenbank für kurzfristige Einlagen von Banken  festgelegt hat.

22. Januar 2015
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Die EZB macht Ernst. Die Notenbank kündigt ein massives Kaufprogramm für Wertpapiere – vor allem Staatsanleihen an. Bis mindestens September 2016 will sie öffentliche Anleihen – sprich Staatsanleihen, Anleihen von nationalen Förderbanken sowie supranationalen Institutionen kaufen. Dazu kommen die schon länger laufenden Programme für gedeckte Bankenanleihen (Covered Bonds) und Verbriefungen (ABS). Insgesamt wollen die EZB und vor allem die nationalen Notenbanken monatlich Wertpapiere über 60 Milliarden Euro erwerben – also insgesamt 1,14 Billionen Euro. Die zehnjährige Bundesanleihe wirft für Neueinsteiger nur noch 0,45 Prozent Rendite ab.

25. Februar 2015
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Der Bund verdient jetzt Geld mit einer Fünfjahres-Anleihe. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit fünf Jahren auf, für die das Land von Anlegern Gebühren bekommt, statt Zinsen zu zahlen. Eingenommen werden zu einer Rendite von minus 0,08 Prozent 3,3 Milliarden Euro. Seit der Emission am 21. Januar hat auch diese fünfjährige Anleihe einen Kupon von null Prozent.

Wie es wirklich weitergeht mit den deutschen Staatsanleihen, wissen selbst die Profis nicht. In einer Umfrage Mitte Mai waren sich Anleiheexperten noch sicher, dass es zu früh wäre, die Zinswende auszurufen. Wie jetzt aus Bloomberg-Daten hervorgeht, halten Analysten bis zum Jahresende Renditen bei der zehnjährigen Anleihe von 0,05 Prozent bis 1,25 Prozent für möglich. Es ist also alles dabei.

Eine eher niedrige Prognose gibt etwa die DZ Bank ab, die laut einer aktuellen Studie eine Bund-Rendite von 0,25 Prozent erwartet. Die Helaba sieht die Rendite beispielsweise bei 0,5 Prozent. Die Commerzbank rechnet dagegen sogar damit, dass die deutsche Staatsanleihe am Jahresende bei 0,7 Prozent rentiert. Im Schnitt liegen die Schätzungen bei 0,56 Prozent. Einigkeit herrscht indessen nur bei einer Sache: Die Schwankungen an den Anleihemärkten dürften hoch bleiben.

  • saz
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3 Kommentare zu "Rendite zehnjähriger Staatspapiere: Bundesanleihe knackt die Ein-Prozent-Marke"

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  • Da gibt es aus den vergangenen 10 Jahren noch Altschulden, die deutlich höher verzinst werden als 1 %. Auch hierfür sind Zinsen zu zahlen.

  • One in a lifetime... sieht man das, was gerade am Rentenmarkt passiert.
    Die Zinsen auf europäische Staatsanleihen steigen, obwohl die EZB gerade ein Aufkaufprogramm durchführt und damit den freien Marktzins manipuliert.
    Das bedeuet: JA, es gibt noch einen freien Markt, er funktioniert noch und die manipulativen Zentralplaner werden früher oder später scheitern. Wunderbar.
    (...)
    Wenn Marktmanipulation nicht mehr möglich ist, muss für die Staatsfinanzierung dann der direkte Diebstahl kommen - siehe die "Bail-In"-Gesetze, die in vielen EU-Staaten nun hektisch vorangetrieben werden...

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Muss Schäuble nun für alle 1.300 Milliarden Euro Bundesschuld 1,05 Prozent Zinsen zahlen?
    Das wären dann 13,065 Milliarden im Jahr, oder? Wieso sind dann im Bundeshaushalt 2015 noch 24,9 Milliarden eingeplant und für 2016 über 23 Milliarden? Darauf hat das HB wohl auch keine Antwort?

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