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Renditeflaute Zinstief der Bundesanleihe wird zur Geduldsprobe für Sparer

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe nähert sich der Nulllinie. Eine Wende ist nicht in Sicht, Sparer müssen sich an extrem niedrige Zinsen gewöhnen.
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Was Minister Scholz freut, stellt Sparer vor Probleme. Quelle: picture-alliance
Finanzministerium in Berlin

Was Minister Scholz freut, stellt Sparer vor Probleme.

(Foto: picture-alliance)

FrankfurtWenn Deutschland Geld am Kapitalmarkt aufnimmt, läuft das meist geräuschlos ab. Die Finanzagentur des Bundes legt im Auftrag des Finanzministeriums Staatsanleihen auf und versteigert sie an einen Kreis von drei Dutzend internationalen Banken. Doch bei der Auktion Anfang vergangener Woche war alles anders: Die Kreditinstitute rissen sich förmlich um die zehnjährigen Bundesanleihen, die die Finanzagentur anbot.

Statt der geplanten drei Milliarden hätten die Schuldenmanager auch Wertpapiere mit einem Volumen von sechs Milliarden Euro auf den Markt werfen können. Nie war die Nachfrage nach neuen Bundesanleihen in diesem Jahr höher. Mit 0,13 Prozent war die Rendite für eine Neuemission zudem extrem niedrig.

Das Beispiel zeigt: Obwohl Anleger kaum etwas mit deutschen Staatsanleihen verdienen, ist die Nachfrage enorm. Mit ihren 0,13 Prozent Rendite liegt die zehnjährige Bundesanleihe aktuell nur knapp über dem Zwei-Jahres-Tief, das die Papiere Mitte Februar markierten.

Innerhalb eines Jahres ist sie um knapp 80 Prozent gesunken. Zum Vergleich: Im März 2018 warfen die Staatsbonds immerhin noch 0,67 Prozent Rendite ab. Ein kleiner Kursrutsch, der die Renditen der Bundesanleihen im Lauf der Woche ansteigen ließ, hat bereits wieder an Fahrt verloren.

Dabei waren viele Experten zu Jahresbeginn von steigenden Bund-Renditen ausgegangen. Die EZB hatte Ende 2018 ihr Ankaufprogramm für Staatsanleihen auslaufen lassen und ersetzt seither nur noch fällige Papiere. Damit sinkt die Nachfrage eines wichtigen Akteurs auf dem Anleihemarkt.

Und am Aktienmarkt herrscht derzeit Optimismus – eine Flucht in sichere Anlagen wie Bundesanleihen ist nicht zu erkennen. Zumindest noch nicht: „Wenn es an den Kapitalmärkten wieder stürmisch wird, ist die Bundesanleihe der sichere Hafen“, sagt Rentenexperte Christian Kopf von Union Investment.

Experten fürchten japanische Verhältnisse

Trotzdem liegt die Rendite des zehnjährigen Staatsbonds niedriger als zu Beginn des Ankaufprogramms 2016. Bis in den Bereich von sieben Jahren Laufzeit ist die Rendite für deutsche Staatstitel sogar negativ – Anleger zahlen also dafür, dass sie dem Staat Geld leihen. „ Investoren kaufen derzeit Bundesanleihen zu fast jedem Preis“, sagt Kopf. Mancher Experte zieht bereits Parallelen zum Mutterland der Niedrigzinsen – Japan: „Die Japanisierung der Bundesanleihe schreitet voran“, sagt etwa Markus Peters, Anleihestratege beim Vermögensverwalter Alliance Bernstein.

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Auch die Rendite japanischer Staatsanleihen ist im vergangenen halben Jahr deutlich abgerutscht und notiert aktuell knapp im negativen Bereich. „Derzeit lässt sich eine klare Abkopplung der Entwicklung deutscher Staatsanleihen von US-amerikanischen Treasuries und von britischen Gilts beobachten“, bestätigt Kopf, der bei Union Investment den Bereich Renten und Währungen verantwortet. „Die Renditen in Deutschland verharren auf einem sehr niedrigen Niveau, vergleichbar mit den Renditen japanischer Staatsanleihen.“

Für Anleger in Deutschland und Europa hat das Niedrigzinsumfeld schon heute massive Auswirkungen. Lebensversicherungen und Pensionsfonds erzielen kaum noch Überschüsse. Wer die Risiken am Aktienmarkt oder bei Hochzins- und Schwellenlandanleihen meiden will, muss hinnehmen, dass die Kaufkraft des Ersparten nach Abzug der Inflation schwindet.

Und Besserung ist nicht in Sicht – insbesondere, wenn die Euro-Zone in eine Rezession rutscht, während die EZB noch in ihrer Negativzinspolitik gefangen ist. Mittlerweile rechnet kaum noch ein Investor mit der ursprünglich für 2019 avisierten Zinswende der Zentralbank. Ian Lindsay, Co-Chef von Goldman Sachs Asset Management, geht fest davon aus, „dass die EZB auf absehbare Zeit bei einer expansiven Geldpolitik bleibt“.

Schwer umkehrbarer Prozess

Peters warnt vor diesem Hintergrund vor den Gefahren einer echten Rezession: „Der Handlungsspielraum der Notenbank wäre begrenzt.“ EZB müsste wieder ein Ankaufprogramm auflegen, um den Einbruch abzufedern – und könnte die Renditen für Bundesanleihen langfristig in Richtung null drücken.

Wie schwer es den Notenbanken fällt, ihre expansive Notenbankpolitik umzukehren und die Zinsen zu normalisieren, zeigt ein historisches Beispiel, ebenfalls aus Japan. Die Zentralbank des Landes begann Ende der 90er-Jahre mit ihrer Nullzins-Politik und legte im Jahr 2001 erstmals ein sogenanntes Quantitative-Easing-Programm (QE) auf, bei dem sie in großem Stil langlaufende Staatsanleihen kaufte.

Doch obwohl die Bank of Japan das Ankaufprogramm 2006 beendete und ihre Bilanz zu schrumpfen begann, stiegen die Renditen für japanische Staatsanleihen Mitte der 2000er-Jahre nur leicht. Und selbst für dieses kleine Plus macht Alliance-Bernstein-Experte Peters weniger die Umkehr der japanischen Notenbank-Politik verantwortlich als vielmehr das steigende Zinsniveau in den USA, das auch die Renditen in anderen Industrieländern nach oben trieb.

Aus Sicht von Peters ist die Situation in Japan Anfang der 2000er durchaus vergleichbar mit der Entwicklung der Bundesanleihe seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007. Auch in der Euro-Zone drückten die Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise die Bund-Rendite von 4,5 Prozent in Richtung null und sogar in den negativen Bereich. Doch anders als in Japan hat die Rendite der Bundesanleihe trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs und steigender US-Zinsen seit 2016 kaum angezogen.

Weniger Schulden

Mittlerweile schwächen sich die Konjunkturdaten in der Euro-Zone bereits wieder ab. Das lässt die Inflationserwartungen sinken und eine Zinswende der Notenbank in noch weitere Ferne rücken. Peters Fazit: „Die Rahmenbedingungen sprechen derzeit für die Fortführung des Japanisierungstrends.“ Ähnlich sieht das Union-Investment-Experte Kopf: „Es deutet einiges darauf hin, dass die Renditen auf Staatsanleihen in Deutschland und in Japan mittelfristig auf niedrigem Niveaus bleiben werden.“

Ein Grund dafür ist, dass auch die Bundesbank im Zuge des EZB-Ankaufsprogramms weiterhin massenhaft Bundesanleihen nachfragt. So erwartet die Finanzagentur, dass die Notenbank 2019 fällige Anleihen mit einem Volumen von 50 Milliarden Euro ersetzt. Das entspricht etwa einem Viertel aller Neuemissionen, die die Finanzagentur für das laufende Jahr plant. Zudem hat der Bund seine Emissionstätigkeit in den vergangenen Jahren deutlich reduziert und damit das Angebot an Bundesanleihen verknappt.

Ian Lindsay, Co-Chef von Goldman Sachs Asset Management, geht fest davon aus, „dass die EZB auf absehbare Zeit bei einer expansiven Geldpolitik bleibt“.

Auf dem Höhepunkt der Euro-Krise lieh sich Deutschland noch über 300 Milliarden Euro am Kapitalmarkt. Für 2019 sind nur noch knapp 200 Milliarden geplant. Der leichte Anstieg des Emissionsvolumens im Vergleich zu den Vorjahren geht zudem auf einen Sondereffekt‧ zurück: Denn die Finanzagentur hat 2019 erstmals die Refinanzierung der FMS Wertmanagement übernommen, der bundeseigenen Bad Bank, in der die Altlasten der Finanzkrise gebündelt sind.

Ohne diesen zusätzlichen Finanzbedarf läge das Emissionsvolumen des Bundes auf Vorjahresniveau. Die gesunkene Staatsverschuldung Deutschlands und die Haushaltsüberschüsse des Bundes verringern die Notwendigkeit, den Kapitalmarkt anzuzapfen.

Gleichzeitig macht die deutsche Haushaltsdisziplin die Papiere besonders bei internationalen Investoren nur noch beliebter: „Da es in der Euro-Zone kaum risikofreie Wertpapiere gibt, haben deutsche Bundesanleihen diese Rolle der sicheren Anlage übernommen“, sagt Kopf. Er geht davon aus, dass die Rendite zum Jahresende nur moderat auf bis zu 0,45 Prozent steigt. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass eine deutliche Konjunktureintrübung in Deutschland ausbleibt.

Rainer Guntermann, Analyst bei der Commerzbank, rechnet mit einem noch geringeren Renditeanstieg auf lediglich 0,25 Prozent. „Um deutlich darüber zu liegen, müsste sich der Konjunkturausblick schon deutlich bessern“, sagt er.

Immerhin: Einen Lichtblick gibt es für die vom Niedrigzinsumfeld geplagten Anleger: In den negativen Bereich wird die Bund-Rendite kaum abrutschen. „Das würde schon ein extremes Rezessions- und Deflationsszenario voraussetzen. Das sehen wir momentan nicht“, meint Guntermann.

Gegen dieses Szenario spricht auch, dass sich den Anlegern Alternativen bieten. So wirft die zehnjährige Anleihe der staatseigenen Förderbank KfW aktuell 0,48 Prozent Rendite ab. Da der Bund für 100 Prozent der KfW-Verbindlichkeiten garantiert, verfügt auch die Staatsbank über die bestmögliche Bonitätsnote. Anleger erhalten hier für das gleiche Risiko also das Dreifache an Rendite.

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