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Rentenmarkt Renditen der Bundesanleihen dürften kräftig steigen

Der jüngste Rückgang der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sollte nicht überbewertet werden. Die Kapitalmarktumfrage des Handelsblatts geht von steigenden Renditen im Jahresverlauf aus.
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Vom Anstieg der Zinsen in den USA wird sich auch die Entwicklung am deutschen Rentenmarkt nicht vollständig abkoppeln können. Quelle: Ikon Images/Getty Images
Experten im Gespräch

Vom Anstieg der Zinsen in den USA wird sich auch die Entwicklung am deutschen Rentenmarkt nicht vollständig abkoppeln können.

(Foto: Ikon Images/Getty Images)

FrankfurtDer Start in die erste volle Handelswoche im neuen Jahr gab Marktteilnehmern zu denken. Die deutsche Industrie überraschte negativ. Für November sank die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen, da die heimischen Unternehmen weniger Aufträge gerade aus der Euro-Zone gewinnen konnten. Der Rückgang fiel mit einem Prozent zum Vormonat doppelt so hoch aus, wie das Experten erwartet hatten.

Allerdings hatten im Vormonat Großaufträge die Zahlen verzerrt. Commerzbank-Ökonom Marco Wagner warnte deshalb, „den Rückgang überzuinterpretieren“. Zu viel hineininterpretieren sollten die Märkte auch nicht in den jüngsten Rückgang der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf ein Zweijahrestief. Das Stimmungsbarometer hangelte sich schon wieder in Richtung 0,20 Prozent am Montag, nachdem es in der Vorwoche noch rund ein Fünftel niedriger gelegen hatte.

Klar ist, es soll im Jahresverlauf noch höher bei den Renditen gehen. In der großen Kapitalmarktumfrage des Handelsblatts hatten zwölf von 30 in- und ausländischen Banken mit einem aktuellen Zinssatz von mindestens 0,80 Prozent zum Jahresende gerechnet – also das Vierfache des heutigen Stands.

Zinsbremse US-Fed

Zu den Rendite-Optimisten gehört Bernd Meyer, Chefstratege Wealth und Asset Management bei der Berenberg Bank: „Die US-Notenbank Fed dürfte nach einem weiteren Zinsschritt im ersten Halbjahr in ihrem Zinserhöhungszyklus pausieren, da der Fiskalstimulus ausläuft.“ Er geht weiterhin von einem soliden US-Wachstum aus, von einer schrittweise anziehenden Inflation und insbesondere von einer Reduzierung der Bilanz durch die Fed.

Allerdings hatte der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, Ende vergangener Woche betont, „sorgfältig auf Sorgen an den Finanzmärkten hören“ zu wollen. Er hob dabei die Bereitschaft hervor, „falls nötig die Bilanzpolitik zu ändern“, wodurch Ängste vor einer zu schnellen Straffung der Geldpolitik erst einmal gemindert wurden.

Vom Anstieg der Zinsen in den USA wird sich nach Ansicht Meyers auch die Entwicklung am deutschen Rentenmarkt nicht vollständig abkoppeln können. Er sieht die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe zum Jahresende bei 0,80 Prozent. Klar ist für die Banken auch, dass die Inflation in den Industrieländern nicht spürbar zulegen dürfte.

Zum einen trage der gesunkene Ölpreis dazu bei, zum anderen enttäuschten die Daten zur Kerninflation in der Euro-Zone, betont Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Damit sei an den Rentenmärkten der Euro-Zone 2019 kaum Geld zu verdienen. „Das Umfeld bleibt schwierig. Rendite bei Anleihen ist nach wie vor nur mit Risiko zu erzielen“, betont der Deutschbanker.

Wegen des Endes der Nettokäufe von Anleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) seit Anfang des Jahres rechnet Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, mit „einem moderaten Aufwärtsdruck für die Renditen von Staatsanleihen im Euro-Raum“. Zudem wird die EZB aus seiner Sicht im vierten Quartal damit beginnen, die Leitzinsen anzuheben.

Für Bargel werden die Konjunktursorgen im Verlauf des neuen Jahres allmählich nachlassen. Politische Risiken wie ein Austritt der Briten aus der Europäischen Union ohne eine Kompromissvereinbarung oder eine weitere Eskalation des US-Handelsstreits dürften zumindest etwas abebben. Die Bundesanleihen sollten deshalb als sicherer Hafen für Anleger tendenziell an Bedeutung verlieren, urteilt der Chefvolkswirt.

EZB fördert Aktien

Es gibt aber auch pessimistischere Stimmen. Die EZB bleibt auch im laufenden Jahr ein Förderer der Aktie, steht beispielsweise für Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, fest. Eine wenn auch nicht offiziell angesprochene Rolle bei der künftigen geldpolitischen Ausrichtung spiele die Schuldenpolitik der Euro-Länder. Italien, aber auch Frankreich setzten Europas Notenbank unter Handlungsdruck, dem Aufwärtstrend bei Anleiherenditen entgegenzuwirken.

Bei näherer Betrachtung hält Halver die Einstellung des Anleihekaufprogramms „kaum für restriktiv, da das Rekordniveau an Liquidität durch Wiederanlage fällig werdender Staatspapiere über den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung hinaus und damit längerfristig erhalten bleibt“.

Ohnehin könne die EZB jederzeit die Liquiditätsoffensive‧ mit anderen Instrumenten wie erneuten Langfristkrediten an Banken sozusagen „über Bande spielen“. Von dieser großen Liquidität profitiere der sichere Anlagehafen deutscher Staatspapiere, betont Halver.

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