Schuldendilemma Krise in Irland spitzt sich zu

Die irische Schuldenkrise spitzt sich weiter zu. Noch in diese Woche wird sich entscheiden, ob die Insel zu einem zweiten Fall Griechenland wird. Die Ratingagentur S&P rechnet mit Finanzbedarf von 35 Milliarden Euro. Den Großteil der Summe benötigt das Land für die Anglo Irish Bank. Deren Rettung wird einem Bericht zufolge noch teurer als befürchtet.
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Irland könnte zu einem zweiten Fall Griechenland werden. Quelle: dpa

Irland könnte zu einem zweiten Fall Griechenland werden.

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LONDON. Die taumelnde Anglo Irish Bank wird für die irische Regierung zu einem Fass ohne Boden. Einem Bericht der "Financial Times" zufolge muss die irische Zentralbank die verstaatlichte Bank mit weiteren fünf Milliarden Euro stüzten, um ihr Überleben zu sichern. Die Kosten für die Sanierung der Bank würden damit von den bisher veranschlagten 25 Milliarden Euro auf 30 Milliarden Euro steigen - das wäre ein Fünftel des irischen Bruttoinlandsproduktes.

Die Anglo Irish Bank war in der Finanzkrise in Schieflage geraten und 2009 verstaatlicht worden. Finanzminister Brian Lenihan will die faulen Wertpapiere in eine sogenannte Bad Bank auslagern.

Für Irlands Finanzminister ist der noch mal höhere Kapitalbedaf der Anglo Irish Bank ein weiterer Tiefschlag. Im Moment vergeht kein Tag, an dem Lenihan nicht mit neuen Hiobsbotschaften fertig werden muss. Gestern war es die Ratingagentur Standard & Poor's, die der angeschlagenen Regierung in Dublin einen neuen Tiefschlag versetzte. Sollten die enormen Kosten für die Abwicklung der maroden Anglo Irish Bank weiter aus dem Ruder laufen, drohen die Bonitätswächter mit einer erneuten Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Insel.

Angesichts des Dramas um die Rettung des Bankensystems werden an den Märkten die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit des Landes immer größer. Investoren verlangten deshalb für den Kauf irischer Staatsanleihen die höchsten Risikoprämien seit Einführung des Euros. Die Rendite für zehnjährige irische Staatstitel stieg am Morgen leicht auch 6,61 Prozent. Am Vortag war sie in der Spitze auf bis zu 6,76 Prozent geklettert.Das ist fast ein ganzer Prozentpunkt mehr als im Mai. Damals musste die EU und der Internationale Währungsfonds einen Schutzschirm von 750 Mrd. Euro aufspannen, um finanzschwache Euro-Länder wie Griechenland und Irland zu stützen.

Voraussichtlich am Donnerstagabend wird Finanzminister Lenihan seine endgültige Schätzung für die Kosten der Sanierung der vollverstaatlichten Krisenbank Anglo Irish auf den Tisch legen. 23 Mrd.Euro hat die Regierung bereits in die Rettung des drittgrößten Instituts auf der Insel gesteckt, das nach dem Platzen der Immobilienblase 2007 in eine schwere Schieflage rutschte. Korruption und Misswirtschaft sorgten dafür, dass Anglo Irish von der Krise noch härter getroffen wurde als die übrigen irischen Banken.

Ratingagentur S&P rechnet mit Finanzbedarf von 35 Milliarden Euro

Die Analysten von S&P gehen davon aus, dass sich die endgültige Rechnung für Anglo Irish am Ende auf 35 Mrd. Euro belaufen wird, das wären über 20 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Irlands. Sollte auch diese Summe nicht reichen, drohe eine weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit, warnen die Bonitätswächter. S&P hatte bereits Ende August mit der Korrektur des irischen Ratings auf AA- die jüngste Zuspitzung der Schuldenkrise ausgelöst.

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13 Kommentare zu "Schuldendilemma: Krise in Irland spitzt sich zu"

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  • Die 'Anglo irish' am Ende, irland im Grunde auch. Der vor allem deutsch finanzierte Rettungsschirm wird bald ausgespannt werden. in Griechenland streiken sie wieder, diesmal die Staatsbahn, in Spanien auch, dort sogar der Generalstreik. Niemand will der Realität ins Auge sehen: daß sie über ihre Verhältnisse gelebt haben und der Zahltag da ist. Alle werden versuchen, einen ausfindig zu machen, der es schuld ist oder dem man es aufdrücken kann. Deutschland dank seines historischen und universalglobalen Schuldkomplexes immer vorne mit dabei.

    Das ist Europa, eine EU, das den Deutschen nicht mehr lange zuzumuten ist. Dann kommen auch bei uns diejenigen auf, die sich Freie bürgerpartei nennen, aber als 'Rechtspopulisten' diffamiert werden. Wer hinschaut, stellt fest, daß alles aus dem Ruder gerät: Europa, das 'Soziale', die orientalische Zuwanderung, die Staatshaushalte, die Schulden usw. Warum das so ist? Europa hat sich schon längst aufgegeben und ist nur noch ein Spielball seiner Sozialprogrammveranstalter, den Linken, Roten, Grünen und den mittlerweile auch populistisch und sozialistisch mutierten Konservativen: Am Ende steht der Moralismus als Staatsvernichtungsprinzip. Das Chaos also, von wegen Multikulti!

  • irland nun doch der Erste, den großen Schirm anzuzapfen. Nur die Ruhe, es wird mit Sicherheit nicht allein bleiben. Denn hat man den Schirm, wird er auch bestimmungsgemäß genutzt - völlig überraschend natürlich. Um die längst pleite gegangenen - nur bilanztechnisch erretteten - banken vor weiteren Abschreibungen zu bewahren, wurde er geschaffen, dennoch zittern sie weiter, ob er wohl für die anstehenden Schäden reicht. Das ist offen, hoffentlich noch lange.

  • Anleihen von Europäischen Staaten
    Das System bundesanleihen von Europäischen Staaten
    kann noch lange durchhalten. Die Glaubwürdigkeit,
    dass die Schulden auch zurückgezahlt werden, muss
    wieder hergestellt werden. Warum wird nicht bei
    jeder Staatsanleihe in Europa eine 5 % Tilgung
    + Zinsen p.J. eingebaut. Die Glaubwürdigkeit auf
    eine Rückzahlung ist gegeben und die Märkte be-
    rühigen sich. Der Anleihemarkt wird zum Erliegen
    kommen, wenn hier nicht kurzfristig gehandelt
    wird. Viele Anleger haben kein Vertrauen mehr.
    Dieses Manko des Vertrauens muss die Finanzwirt- schaft wieder herstellen. Die Privatwirtschaft
    muss auch ihre Schulden tilgen. Da die Staaten
    mit der Kreditsicherung überfordert sind, sollte
    hier auch zukünftig bei jeder Anleihe eine private
    Absicherung eingebaut werden. Hier könnte Europa
    eine neue Rückversicherung für Staatskredite
    gründen. Deutschland wird langfristig überfordert
    sein, wenn es für alle Staaten die in Zahlungs-
    schwierigkeiten geraten, das Delkredere übernehmen
    muss. Die 750 Mrd. Sicherung der EU-Staaten
    scheint schon verbraucht?!


  • Also doch nun auch irland. Wie haben Peer Steinbrück und seine konsorten dieses verneint. Es sei nur Griechenland bei allen anderen ist alles in butter.
    Wer hat die Doku gesehen über irland wie dort die Jobs verloren gehen wie am laufenden band. Firmen schließen täglich. Es ist aus dem Ruder gelaufen. Wer hat irland den eingeplatn im Haushalt , niemand.
    Also, dann folgt jetzt wohl der Offenbarungseid alle europäischer Länder.
    Frage wie lange hält das dieses System noch aus ?

  • vielleicht hätte ich doch in die politik gehen sollen...........

    oder auf dauer auf insolvenzverwalter umsatteln...in dem gewerbe geht noch was...

  • "Weimar..." (Flüsterton)

  • inflati inflata inflatitirallala

  • Europa als politisches und wirtschaftliches Projekt steht vor dem Scheitern. Um das abzuwehren hilft nur eines: brandmauern einziehen, und d.h.: Der Euro gehört abgeschafft! Und Schäuble liegt flach... Armes, handlungsunfähiges Deutschland.

  • @Aufklärung08

    ja auch, indes nicht nur. Mal sehn wie es weitergehen wird.

  • ich hoffe, dass das Ende des Euro und der EU jetzt schnell vonstatten geht. Das ist das beste für uns Deutsche. Zurück zur Deutschen Mark und der sozialen Marktwirtschaft. Alles andere endet in Anarchie und Chaos!

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