Schuldenkrise Rating-Urteile verlieren an Schrecken

Eine weitere Ratingagentur teilt gegen die Euro-Staaten aus. Doch die Anleger interessiert das kaum noch. Trotz der Herunterstufung greifen bei sie Anleihen der Schuldenstaaten zu.
Update: 14.02.2012 - 12:00 Uhr 17 Kommentare

DüsseldorfMoody’s stuft sechs europäische Staaten herab. Na und? Was in den vergangenen Monaten noch für ein kleines Erdbeben an den Finanzmärkten gesorgt hätte, juckt heute keinen mehr. Moody's erzählt nichts, was nicht ohnehin jeder weiß. Die Anleger reagieren entspannt - von Schockzustand kann jedenfalls keine Rede sein.

"Die Ratingagenturen hinken der Entwicklung ein bisschen hinterher", sagte Shen Jianguang, Chefvolkswirt für China, Hongkong und Taiwan bei Mizuho Securities Asia. "Die Risiken in Europa sind tatsächlich zurückgegangen. Es gibt vielleicht Sorgen, dass die Sparmaßnahmen der Länder das Wachstum bremsen, aber das ist nicht neu und die Herabstufung sollte nur minimale Auswirkungen auf die Stimmung am Markt haben."

In Frankfurt drehte der Dax am Vormittag ins Plus. Der Euro rutschte kurzzeitig unter 1,32 Dollar, hat sich davon aber wieder erholt.

„Keiner nimmt die Ratingagenturen noch ernst“

Und auch die Anleihen der von Moody’s abgewatschten Staaten ließen sich nichts anmerken - trotz der Herunterstufung griffen die Anleger zu. Eine Auktion von italienischen Staatsanleihen mit drei- und fünfjährigen Laufzeiten über insgesamt rund sechs Milliarden Euro verlief am Dienstag reibungslos. „Das war eine erfolgreiche Auktion, vor allem vor dem Hintergrund der jüngsten Herabstufung“, erklärte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. „Der Markt scheint sich derzeit eher auf die Konjunktur und auf die Entwicklung der Schuldenkrise zu konzentrieren als auf Ratings.“

Die Rendite für zehnjährige Italien-Anleihen sank um zwei Basispunkte auf 5,55 Prozent. Bei spanischen Anleihen kletterte die Rendite um drei Basispunkte auf 5,23 Prozent.

Moody’s hatte am späten Montag den Daumen über Italien, Spanien, Slowenien, der Slowakei, Portugal und Malta. Besonders hart traf es Spanien mit einer Abstufung der Kreditwürdigkeit gleich um zwei Stufen.

Außerdem nahm die Ratingagentur Frankreich und Großbritannien unter verschärfte Beobachtung. Beiden Staaten bescheinigte die Ratingagentur einen „negativen“ Ausblick, bis auf Weiteres dürfen sie ihre Bestnote aber behalten. Deutschland kam gänzlich ungeschoren davon. Die Bundesrepublik wird weiter mit Aaa eingesftuft, ebenso wie Dänemark, Finnland, Luxemburg und die Niederlande.

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17 Kommentare zu "Schuldenkrise: Rating-Urteile verlieren an Schrecken"

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  • @ denk.mal / moppelmann / rapid

    Ich danke Ihnen für Ihren herzerfrischenden Humor, den Sie auf dieser Plattform äußern. Hab´ mich köstlich darüber amüsiert!

    Da können wir alle nur froh sein, dass die Meinungsverschiedenheiten lediglich rein virtuell ausgetragen werden und keine realen Personen durch den Einsatz der teutonischen Streitaxt zu schaden kommen (lach´).

    Vielleicht betrachte ich es zu einfach, aber ist es nicht so, dass Staaten seit jeher die Tendenz hatten sich durch (Hyper-) Inflation der lästigen Schulden zu entledigen? Die Gefahr für uns "Normalsterbliche" besteht ja gerade darin, dass wir in aller Regel nicht in der Lage sind rechtzeitig unsere paar Ersparnisse in Realvermögen umzusetzen, um so der Geldentwertung zu entgehen. Und wenn wir das dennoch schaffen, so werden wir (natürlich nur im Sinne der Rettung des Staates) durch hohe Steuern und Abgaben (Immobilien, ...) belastet.

    Dieses Land ist ja schließlich keine Spar-Republik! Wenn von seiten des FM Schäuble eine niedrigere als die zunächst angenommene Neuverschuldung von ca. EUR 18 Mrd. schon als großer "Sparerfolg" deklariert wird, so muss man am Verständnis des Begriffs "sparen" schon sehr zweifeln. Wenn elementare finanzpolitische Grundsätze wie z.B. dass laufende Ausgaben durch laufende Einnahmen zu bestreiten seien (1. Stunde VWL), permanent verletzt werden, wie das bei den Beamtengehältern durch Finanzierung mit Krediten offenbar seit Jahren der Fall ist, so lässt das bezüglich der Solidität unseres Verwaltungsstaats tief blicken.

    Fakt ist wohl, dass Niemand in diesem Land (außer den gesunden Privathaushalten) ein ernsthaftes Interesse am Thema Sparen hat. Und das ist die Misere, die dazu führt, dass das nicht nur das nationale sondern auch das globale Wirtschaftsystem über kurz oder lang untergeht (ganz zu Schweigen vom mangelnden Willen zur Resourcen-Schonung und vieler anderer Aspekte mehr).

  • @Rapid:

    Oh! Ich möchte das nicht falsch verstanden wissen.

    Ich sehe "tut mir leid" eher in der Reihe mit "ich bedaure" und halte beides nicht für eine Entschuldigung, sondern für Formulierungen, mit denen einer guten Sache Respekt gezollt wird. Und es war auch nicht in Richtung Moppelmann gemeint, der ja, wenn ich ihn recht verstanden habe, ein halb volles Glas französischen Rotweins schwenkend gemütlich vor der Tastatur sitzt und also sicherlich herzlich gelacht haben wird.

  • Gute Lösung… zwingen die Griechen die Schuldner zum Schuldenschnitt, dann kollabieren die CDS und einige Banken. Dann sollten wir die 130 Mrd. lieber gleich in unsere Bankenrettung investieren und uns den teuren Umweg über Griechenland und Euro sparen ;)

  • Rating Urleile mögen Ihren Schrecken verlieren....oder der Kaiser trägt neue Kleider ( er ist nackt ).
    Ich halte mich an die alten soliden Rechenoperationen die schon Leibniz beschrieben hat.
    Das macht zwar Mühe und fordert Realitätssinn, aber ich weis genau wo ich finanziell stehe.
    Mein Rating ist gut....ich weis nur nicht, ob ich bei der nächsten Wahl wieder wählen gehe.

  • @denk.mal

    Nur keine Rücksicht in Hinblick auf solche "Geister" wie Moppelmann. Immer volle Kanne und "druff". Eine andere Sprache verstehen diese Leute nicht. Und vor allem keine Entschuldigung wie "leid tun". Das wird nicht goutiert. Man muß sich gewohnte mitteleuropäische Höflichkeiten leider abgewöhnen, was ich persönlich bedauere, wenn man mit solchen Leuten zu tun hat.
    Also Moppelmann gewöhnen Sie sich daran, man wird Ihnen so begegnen, wie es Ihrem Stil entspricht.

  • @Euyonimus

    Danke für den Hinweis!

    Mit "keine Neuigkeiten" bezog ich mich auf die Argumentation, die Herabstufung durch Moody's sei als Maßnahme durchgeführt geworden, nachdem die Griechenland-Verhandlungen "Erfolge" gezeitigt hätten. Denn Erfolge gab es nicht. Insofern waren es für mich genau genommen DIESBEZÜGLICH "keine Neuigkeiten".

  • Apropos "freiwilliger Schuldenschnitt":

    Griechenland: Notenbankkreise erwarten laut "Handelsblatt" nicht mehr, dass sich genügend private Gläubiger am freiwilligen Schuldenschnitt beteiligen werden.
    Sie gehen deshalb davon aus, dass Griechenland die Anleihebedingungen per Gesetz ändert. So würde eine Verzichtsvereinbarung für alle Anleihebesitzer (auch Kleinanleger und Hedgefonds) verbindlich, sobald 50% der Anleihegläubiger dafür stimmen.

  • Klar sind alle Probleme gelöst, oder können anhand von Postkartenbildern von 1945 gelöst werden, fragen SIe mal Moppelmann. Und machen Sie schnell, sonst diagnostiziert er Ihnen ein leeres Glas...

    (Tut mir leid, ich konnte einfach nicht widerstehen...)

  • Derzeit spielen weder Ratingurteile noch andere finanzwirtschaftliche Nachrichten eine große Rolle. Die Märte sind voll mit billiger Liquidität, diese und die Tatsache, dass viele denken sie verpassen den großen weltweiten Wirtschaftsaufschwung treiben die Märkte immer weiter. Wenn wir aber wieder auf ein "gesundes" Maß bei der Geldpolitik und der damit verbunden Inflation zurückkehren, dann werden auch die Risikoaufschläge für die entsprechenden Staatsanleihen wieder steigen. Aber bestimmt halten es die Notenbänker und Politiker weiterhin für eine gute Idee billiges Geld in das System zu pumpen, damit es nach Wirtschaftswunder aussieht. Wenn der Punkt kommt, an dem diese Entwicklung stagniert, bzw sich dreht, dann werden die Ratingagenturen recht bekommen.

    Oder sind die Probleme alle gelöst und ich habe davon nichts mitbekommen?

  • "Doch die Anleger interessiert das kaum noch. Trotz der Herunterstufung greifen bei sie Anleihen der Schuldenstaaten zu." (lt. Zusammenfassung)

    Wer sind denn diese "Anleger" ? Die EZB als muntere Anleihekäuferin interessiert das Rating freilich nicht.

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