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Schwellenländer Experten warnen vor Überschätzung von Chinas Märkten

Die Märkte schätzen die Aussichten in China zu positiv ein, sagen Experten. Ameli-Renani von der Fondsgesellschaft Amundi warnt vor zunehmenden Risiken für die Bonds von Schwellenländern.
Update: 19.05.2019 - 13:29 Uhr Kommentieren
Amundi: Fondsmanager warnt vor Überschätzung von Chinas Märkten Quelle: Reuters
China

Die Wirtschaft des Landes steht nach schwachen Daten unter Druck.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Abbas Ameli-Renani von der Fondsgesellschaft Amundi hält mit seinen Bedenken nicht hinter dem Berg. „Ich sehe viele Risiken für die Schwellenländer“, sagt er. Dabei ist sein Geschäft die Anlage in genau diesen Ländern. Andere Experten sind „vorsichtig optimistisch“, wie etwa die Analysten des Vermögensverwalters Barings. Aber tendenziell scheinen nach dem Urteil der meisten Profis die Risiken eher zuzunehmen.

Ameli-Renani ist als Portfoliomanager verantwortlich für Anleihen in Emerging Markets, also bei den aufstrebenden Schwellenländern. Immerhin, ein Risiko stuft er aktuell als niedrig ein: „Die Fed macht uns zurzeit die geringsten Sorgen.“ Wie so viele Experten erwartet er keine Zinserhöhung der US-Notenbank mehr in diesem Jahr.

Sollte es wider Erwarten doch dazu kommen, dann nur bei einem unverhofften weltweiten Aufschwung, der die Schwellenländer mittragen würde. Zurzeit hat Ameli-Renani den Dollar noch übergewichtet, er rechnet aber gegen Ende des Jahres mit einer Abschwächung der amerikanischen Währung, weil die Fed mehr Spielraum für eine Lockerung hat als die anderen Zentralbanken in Industrieländern.

Die Entwicklung des Dollars und die Zinsen in den USA spielen für die meisten Schwellenländer eine Schlüsselrolle. Sehen die US-Investoren zu Hause gute Renditechancen, ziehen sie ihr Geld aus Schwellenregionen ab. Dasselbe passiert, wenn die Anleger risikoscheu werden. Wichtig ist auch: In vielen Emerging Markets haben sich Regierungen oder Unternehmen in Dollar verschuldet. Ein zu starker Dollar würde ihnen Probleme bereiten.

Sorgen bereitet dem Amundi-Mann vor allem China. Am Mittwoch gab das Land überraschend schwache Daten zu Einzelhandelsverkäufen und zur Industrieproduktion bekannt. Der Handelskonflikt mit den USA belastet das Land im fernen Osten. Vor allem aber glaubt Ameli-Renani: „Die Märkte schätzen Chinas Aussichten zu positiv ein.“ Seiner Meinung nach setzen sie zu sehr darauf, dass die Regierung die Wirtschaft mit großzügigen Ausgaben anschieben kann.

Ameli-Renani warnt: „Der Stimulus ist diesmal nur ein Drittel so groß wie im Jahr 2015. Außerdem beflügelt er vor allem die Binnennachfrage und wirkt daher nicht so stark auf andere Länder.“ Der Fondsmanager sieht daher für das laufende Jahr in China ein Wachstum von weniger als 6,5 Prozent voraus. Er hat sämtliche Währungen in Fernost untergewichtet.

China als große Herausforderungen

China ist nicht nur für die Schwellenländer ein wichtiges Thema. Die Frage, wie sich die Wirtschaft dort entwickelt, hat weltweit Auswirkungen – nicht zuletzt auch in Deutschland. Zugleich stellt das Land Analysten und Investoren vor große Herausforderungen.

Die Zuverlässigkeit der Statistiken ist immer wieder angezweifelt worden. Der Sektor der Schattenbanken, also der Finanzierungen außerhalb des offiziellen Finanzsektors, ist schwer zu durchschauen. Die Fähigkeit der zumindest auf dem Papier kommunistischen Führung, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zu steuern, wird zwar grundsätzlich selbst von knallharten Kapitalisten anerkannt.

Schwer einzuschätzen ist aber von außen, wie dramatisch die Verschuldung im Land ist. Regierung und Notenbank in Peking haben in den vergangenen Jahren mehrfach geschwankt zwischen einem Eindämmen des Kreditwachstums und des Schattenbank-Sektors sowie einer Befeuerung des Wachstums – beides zugleich ist schwierig.

Was folgt daraus für Anleiheanleger? Grundsätzlich können sie auf drei Arten in Schwellenländer-Anleihen investieren: indem sie Papiere in großen Währungen kaufen – etwa dem Dollar; indem sie Papiere in Landeswährung kaufen; und indem sie Papiere in Landeswährung kaufen, aber den Devisenkurs über den Derivatemarkt absichern. Dadurch ist es zumindest für Profianleger möglich, Chancen und Risiken der Anleihen eines Landes und der jeweiligen Währung getrennt voneinander zu bewerten.

Trotz seiner grundsätzlichen Zurückhaltung wertet der Amundi-Experte als Pluspunkt für die Schwellenregionen, dass abgesehen von der Türkei und Argentinien fast überall die Inflation unter Kontrolle ist. Sie liegt im Schnitt bei knapp drei Prozent. Eine günstige Bewertung sieht er bei langfristigen Staatsanleihen in Brasilien und Südafrika, zumindest im Bereich ab fünf bis zehn Jahren. Dabei setzt er in Brasilien auch auf die lokale Währung, sichert sich in Südafrika jedoch ab.

Skepsis gegenüber Mexiko

Ameli-Renani gibt ein Beispiel: Sehr lange Laufzeiten von bis zu 30 Jahren bringen in Südafrika zurzeit 9,5 Prozent Rendite, die Absicherung gegenüber dem Dollar kostet rund fünf Prozent, übrig bleiben immerhin noch 4,5 Prozent. In Brasilien, so glaubt er, schätzen die Märkte die Finanzreformen zu pessimistisch ein.

Die Analysten der Dekabank fürchten, dass der neue Präsident Jair Bolsonaro bereits an Unterstützung für seine wirtschaftlichen Pläne verliert; politisch umstritten ist sein rechtspopulistischer Kurs ohnehin.

Die Wahl in Südafrika bewertet Ameli-Renani positiv. Die Regierungspartei habe zwar schlechter als beim letzten Mal, aber doch besser als erwartet abgeschnitten. Umgekehrt ist er skeptisch gegenüber dem neuen mexikanischen Präsidenten López Obrador. Er traut ihm eine lockere Finanzpolitik zu, die letztlich zu einer Schwächung der Anleihen führen wird.

Wer eine riskante politische Wette eingehen will, kann nach Meinung von Ameli-Renani trotz der Turbulenzen in Argentinien einsteigen. Aus Sicht der Märkte liegt die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr von Cristina Kirchner ins Präsidentenamt bei den Wahlen im Oktober über 50 Prozent. Er selbst schätzt dieses Risiko als deutlich geringer ein.

Kirchner war in ihrer früheren Amtszeit auf Konfrontationskurs zu den Investoren gegangen, ihre Wahl könnte zu einer Staatsinsolvenz führen. Wenn der heutige Präsident Mauricio Macri oder ein anderer moderater Politiker das Rennen macht, wäre die Pleite seiner Überzeugung nach hingegen zu vermeiden.

Lichtblick Türkei

Für die Türkei ist aus seiner Sicht der einzige Lichtblick, dass die schwache Währung zu einem Abbau der hohen Defizite in der Zahlungsbilanz geführt hat. Als negativ sieht er an, dass die Regierung vor der Wahl wieder stärker Geld auf Pump ausgegeben hat.

„Damit hat nach der Geldpolitik auch die Finanzpolitik ihre Glaubwürdigkeit verloren“, so Ameli-Renani. Viele Experten, etwa auch die der Dekabank, heben zudem den politischen Vertrauensverlust hervor, der durch die Annullierung der Wahl in Istanbul entstanden ist, nachdem ein der Regierung unliebsamer Kandidat gewonnen hat.

Auch die Dekabank sieht gestiegene Risiken in den Schwellenländern. Zudem heißt es dort, die Konjunkturdynamik dieser Regionen bleibe „insgesamt eher schwach“. Als positiv für die Region heben ihre Experten weltweit niedrige Zinsen hervor. Lazard Asset Management glaubt an eine Fortsetzung der Rally bei Schwellenländeranleihen, sieht aber steigende Risiken. Edmond de Rothschild Asset Management ist nicht nur recht optimistisch, sondern auch sehr mutig: Die Experten dort setzen unter anderem trotz des politischen Chaos auf Venezuela und auf die Türkei. Generell empfehlen sie Staatsanleihen in harter Währung, sehen aber auch Chancen bei Unternehmensbonds, die zum Teil sehr günstig bewertet seien.

Mehr: Durch den drohenden Handelskrieg sind die Märkte besonders gefährdet. Die Angst führt zu Verlusten an der Börse.

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