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Signal für den Abschwung Anleger fliehen in US-Staatsanleihen – Warnsignal von den Märkten weckt Erinnerungen an Finanzkrise

Viele Investoren zweifeln an der Konjunktur – und setzen verstärkt auf amerikanische Staatspapiere. Bei den Renditen kommt es zu einem besonderen Effekt.
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Der Fed-Chef will die Zinsen weiter erhöhen. Quelle: Bloomberg
Jerome Powell

Der Fed-Chef will die Zinsen weiter erhöhen.

(Foto: Bloomberg)

FrankfurtIn einem sind sich Volkswirte einig: Eine Rezession, also eine schrumpfende Wirtschaft über mindestens zwei Quartale, ist im nächsten Jahr nicht zu befürchten. Anleger am Anleihemarkt sind weniger entspannt. „Viele Investoren beginnen, an der US-Konjunktur zu zweifeln“, sagt Christoph Rieger, der bei der Commerzbank das Zins- und Kreditresearch leitet.

Ein Zeichen dafür ist, dass die Anleger wieder stärker in Anleihen fliehen. Staatsanleihen der Industrienationen gelten als sicherer Anlagehafen, weil Investoren davon ausgehen, dass sie pünktlich ihre Zinsen erhalten und am Ende der Laufzeit ihr Kapital zurückbekommen. Die Kurse von US-Staatsanleihen sind jedenfalls wieder deutlich gestiegen und die Renditen im Gegenzug gesunken.

Die Effektivverzinsung von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit ist auf 2,95 Prozent gefallen. Damit liegt die Rendite dieser weltweit am meisten beachteten Anleihe erstmals seit drei Monaten wieder deutlich unter der Marke von drei Prozent. Vor knapp vier Wochen war sie bei 3,3 Prozent und damit so hoch wie seit über sieben Jahren nicht. Auch die Renditen von Staatspapieren mit kürzeren Laufzeiten gingen zurück – allerdings weniger dramatisch.

Das hat einen bemerkenswerten Effekt: Der Renditeabstand zwischen zwei- und zehnjährigen US-Staatsanleihen sank am Mittwoch im New Yorker Handel auf 0,1 Prozentpunkte. So gering war die Differenz seit Sommer 2007 und damit kurz vor Ausbruch der Finanzkrise nicht.

Anleger verlangen also nur etwas mehr Rendite dafür, dass sie dem Staat für zehn statt nur für zwei Jahre Geld leihen. Noch ungewöhnlicher: Die Rendite zweijähriger US-Papiere liegt mit 2,82 erstmals seit über elf Jahren hauchdünn über der von fünfjährigen Anleihen. Die sogenannte Zinskurve ist damit in diesem Bereich invers.

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Das hängt auch stark mit der Zinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zusammen. Sie erhöht die Leitzinsen seit Dezember 2015. Das hat vor allem die Renditen der kurz laufenden Anleihen nach oben gedrückt. Investoren rechnen fest damit, dass der geldpolitische Ausschuss der Fed den Leitzins bei seiner nächsten Sitzung in zwei Wochen um einen weiteren Viertelprozentpunkt auf eine Spanne von dann 2,25 bis 2,5 Prozent erhöht.

Für 2019 hat die Fed drei weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Damit läge der US-Zins spätestens im Herbst über dem derzeit als neutral angesehenen Niveau von drei Prozent. Der Leitzins würde dann die US-Wirtschaft bremsen.

Geht die Fed zu weit?

„Anleger, die jetzt verstärkt lang laufende US-Anleihen kaufen, fragen sich offenbar, ob das zu weit geht, und sehen die Gefahr, dass die US-Konjunktur durch die Zinserhöhungen zu stark gebremst wird“, sagt Rieger von der Commerzbank.

Fed-Chef Jerome Powell hat zwar zuletzt angedeutet, dass die Leitzinsen etwas weniger deutlich steigen könnten. Seine Aussagen waren aber verklausuliert. Jens Wilhelm, Vorstand beim Fondshaus Union Investment, sieht jedenfalls „die Gefahr, dass US-Konjunktur und Geldpolitik im Jahresverlauf auf einen Konfrontationskurs einschwenken“.

Dies hätte noch stärkeren Einfluss auf die Zinsabstände am Anleihemarkt. Viele Banker gehen davon aus, dass im nächsten Jahr sogar die Rendite zweijähriger US-Anleihen über der zehnjähriger Papiere liegen wird. Damit wäre auch der am meisten beachtete Teil der Zinskurve invers. Das war in der Vergangenheit oft ein Indikator für eine Rezession.

In den Jahren 2006, 2000 und 1988 schrumpfte die Wirtschaft 13 bis 19 Monate nach der Umkehrung der zwei- und zehnjährigen Anleiherenditen deutlich. Das macht auch James Bullard Sorgen. Er ist Chef der Fed in St. Louis und stimmberechtigtes Mitglied im geldpolitischen Ausschuss der Fed.

Bullard fürchtet, dass die Zinskurve spätestens Anfang 2019 invers wird. „Historisch gesehen war das ein schlechtes Signal für die US-Wirtschaft“, betont er. Der beste Weg, eine inverse Zinskurve zu vermeiden, sei, die Zinsen nur sehr vorsichtig anzuheben.

Ob sich Powell und die anderen Fed-Mitglieder darauf einlassen, ist aber unsicher. Das gilt auch, weil die Aussagekraft einer inversen Zinskurve im aktuellen Umfeld angezweifelt wird. Grund dafür ist, dass die Notenbanken weltweit jahrelang die Märkte mit Anleihekäufen geflutet und so die Anleiherenditen künstlich niedrig gehalten haben. Die Fed hat zwar ihre Anleihekäufe längst beendet und baut ihren Anleihebestand wieder ab.

In der Euro-Zone stoppt die Europäische Zentralbank ihre Käufe aber erst im nächsten Jahr, und bei der Bank of Japan ist ein Ende der Käufe nicht absehbar. Unabhängig davon gilt aber: Wenn die US-Zinskurve invers wird, werden die Diskussionen über eine mögliche Rezession der US-Wirtschaft noch mehr in den Fokus rücken und die Anleger verunsichern.

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