Staatsanleihen Der Krisengewinner

Er gilt als einer der besten Anleihe-Fondsmanager der Welt, doch diesmal geht Michael Hasenstab eine heiße Wette ein: Er investiert Milliarden in ukrainische Staatsanleihen – obwohl das Land am Abgrund steht.
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Die Lage in der Ukraine ist angespannt. Investoren hoffen dennoch auf gute Geschäfte.

Die Lage in der Ukraine ist angespannt. Investoren hoffen dennoch auf gute Geschäfte.

DüsseldorfWer wagt gewinnt – das ist wohl das Motto von Michael Hasenstab (40). In der Vergangenheit hat der Investor damit überraschende Erfolge erzielt. Hasenstab ist der Star von Franklin Templeton – und gilt als einer der besten Anleihe-Fondsmanager der Welt. Diesmal geht er noch einen Schritt weiter: Hasenstab investiert Milliarden in ukrainische Staatsschulden. Geht die Wette auf, ist er der große Gewinner. Doch das Risiko ist enorm.

„Wir mögen durchaus unpopuläre Situationen“, sagte Hasenstab am Rande eines Besuchs in Kiew vor wenigen Wochen. Und weiter: „Die Geschichte stellt sich ganz anders dar als womöglich in den westlichen Medien oder in der verbreiteten Marktmeinung.“ Seitdem sich die Lage noch einmal zugespitzt hat, hat sich Hasenstab nicht mehr geäußert. Er war für einen Kommentar nicht zu erreichen.

Die Berichte aus der Ukraine klingen besorgniserregend. Im Osten des Landes kämpft die ukrainische Armee gegen prorussische Separatisten, die sich von Kiew losgesagt haben. Auf beiden Seiten gibt es Tote. Ein Land kurz vor dem Bürgerkrieg. Und an der Landesgrenze stehen russische Truppen bereit. Sie könnten jederzeit in den Konflikt eingreifen. Russlands Präsident Putin hat erklärt, dass er der russisch-sprachigen Bevölkerung im Ernstfall auch mit Soldaten zur Hilfe zu kommen wird.

Michael Hasenstab ist Chef der Global Bond Group bei Franklin Templeton. Quelle: dapd

Michael Hasenstab ist Chef der Global Bond Group bei Franklin Templeton.

(Foto: dapd)

Abgesehen von einem drohenden Krieg, ist die Ukraine finanziell schwer angeschlagen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s senkte die Kreditwürdigkeit auf „CCC“. Staatsanleihen des Landes gelten damit als hoch spekulative Anlage. Der Internationale Währungsfonds musste gerade erst mit Notkrediten in Höhe von 17 Milliarden Dollar aushelfen. Eine Reihe von Experten rechnet damit, dass dem Land die Pleite droht.

Hasenstab ficht das nicht an. Er hat nach Angaben von Bloomberg ukrainische Staatsanleihen im Wert von 7,6 Milliarden Dollar aufgekauft. Das ist ein enorm großes Investment; selbst wenn man bedenkt, dass Hasenstab als Chef der Templeton Bond Group über ein Anlagevermögen von insgesamt 190 Milliarden Dollar herrscht.

Hasenstab hat aus Franklin Templeton einen der größten Gläubiger der Ukraine gemacht. Die meisten Anleihen hat der Fondsmanager schon vor längerer Zeit gekauft, doch auch in den vergangenen Monaten, als sich die Lage verschlechterte, hat er seinen Bestand noch ausgebaut. Der Anteil beläuft sich auf mehr als ein Viertel aller ukrainischen Staatsschulden, die auf Dollar oder Euro laufen.

„Die Ukraine hat uns aus mehreren Gründen angesprochen: erstens wegen ihres langfristigen Potenzials. Sie ist unglaublich reich an Humankapital und landwirtschaftlichen Ressourcen, und sie liegt strategisch bedeutsam zwischen Europa und dem Osten“, sagte Hasenstab. Das Land habe zwar kurzfristige Haushaltsprobleme, doch kaum Schulden. „Aus Sicht eines Anleiheinhabers war ein Engagement also ausgesprochen sinnvoll.“

„Wir finden es aufregend“
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12 Kommentare zu "Staatsanleihen: Der Krisengewinner"

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  • @Hardie: Sie hatten heute wohl wieder einen banalen Tag, oder?
    Geld ist lediglich ein Mittel um frei und unabhängig von den Weisungen Dritter leben zu können. Hoffentlich kommen Sie auch noch mal dahin. Schaffen Sie sich Kinder an, dann wissen Sie, was das Wertvollste ist.

  • @deltaone

    "Zudem wird der Neid der Besitzlosen hier wieder einmal deutlich (s.o.)."

    Delta, Sie sind einfach zu geldgeil. So etwas rächt sich immer, spätestens im nächsten Leben. Denn: Es gibt viel wertvolleren Besitz als Geld. Werden Sie noch lernen. Im nächsten Leben, wie gesagt... ;-)

  • @bibel

    Stimme Ihnen absolut zu. Nur für solche Typen gibt es ebenso wie für unsere Westpolitiker keine Minimalkriterien bezüglich ethisch akzeptablen Werten. Da zählt nur Rendite...

  • Und wieso unterstützen Sie dann das dämokrattische Regime?

  • @Finanz-Amateure, Putin-Claqueure:
    Hasenstab ist ein Profi und geht bewusst Risiken ein. Während die Sparbuchtrottel sich durch negative Realzinsen auf Raten vergewaltigen lassen, freut sich der Anleger im A0MNNM seit Auflage (vor der Finanzkrise) über einen Wertzuwachs von fast 70%. Zudem wird der Neid der Besitzlosen hier wieder einmal deutlich (s.o.).

  • Wenn's in der Ukraine brennt, wird die EU (meint wir, die Deutschen)es auf Wunsch der USA schon richten. Die kommen dann auch unter den Rettungsschirm, Templeton Investment kriegt sein Geld garantiert und macht 50% Gewinn p.A. Wenn das kein schönes Geschäft ist...

  • Zitat : Er hat nach Angaben von Bloomberg ukrainische Staatsanleihen im Wert von 7,6 Milliarden Dollar aufgekauft.

    - dieses Geld ist am 12 Mai NICHTS mehr wert und verbrannt....

    den ab diesem Datum gibt es keine Ukraine mehr !

    Der Spekulant wird wohl demnächst öfters hinter schwedischen Gardinen Nachts wach bleiben und mit offenen Augen träumen als vom Jetlag.

    Und die geringen Schulden der Ukraine betragen z. Zeit zwar nur 75 Mrd. €, das ist aber auch eine Menge Holz, das am 12 Mai futsch ist !

  • #Hardie67
    Es gibt Minimalkriterien für ethisch vertretbare Investments. Hier fehlen mir alle von Universalisierbarkeit bis zur Moralethik. Rein utilitaristische Ansätze allein bleiben immer ethisch unvertretbar. Sie führen - letztlich - zur universalen Vernichtung von Wohlstand und schlussendlich sozialen Verwerfungen, Aufständen und Kriegen.

  • "Er investiert Milliarden in ukrainische Staatsanleihen – obwohl das Land am Rand einer Pleite steht."
    Der Rettungs-Michel wirds schon richten. Die Ukraine ist doch systemrelevant, oder vielleicht doch nicht?

  • Vielleicht krank, aber nachvollziehbar. Er hat doch die Garantie der Einlösung durch die mindestens ebenso kranke EU. Für einen Investor also schon fast ein "MUSS", sich das Zeug ins Depot zu legen...

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