Staatsanleihen Rendite der zehnjährigen US-Bonds knackt die Drei-Prozent-Marke – warum das für die Märkte wichtig ist

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsbonds erreicht den höchsten Stand seit gut vier Jahren. Der Markt steht damit am Scheideweg.
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Rendite der zehnjährigen US-Bonds knackt die Drei-Prozent-Marke Quelle: AP
New York Stock Exchange

Viele Investoren fürchten, dass die Märkte jetzt wieder sehr nervös werden.

(Foto: AP)

Frankfurt Es ist ein Paukenschlag am Rentenmarkt, dessen Folgen Investoren weltweit fürchten. Erstmals seit Ende 2013 ist die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe auf drei Prozent gestiegen. Bereits am Montag war sie an der Hürde nur knapp gescheitert. Am Dienstag um 9.47 Uhr New Yorker Zeit war es dann aber soweit.

Die Kapitalmärkte haben den Wert von drei Prozent zuletzt zu einer geradezu magischen Hürde gemacht. „Das ist eine wirklich kritische Marke“, hatte etwa Jeffrey Gundlach, Chef des Anlagehauses Doubleline, der in den USA oft mit dem Ehrentitel „Bond-König“ bedacht wird, kürzlich gesagt. Auch Scott Minerd, Chefanlagestratege des Vermögensverwalters Guggenheim, spricht der Marke eine zentrale Bedeutung zu. Denn in dem Moment, in dem sie genommen werde, entscheide sich, ob der historische Bullenmarkt für Anleihen – also die Zeit deutlich steigender Anleihekurse und im Gegenzug fallender Renditen – für lange Zeit vorbei sei.

Dabei sind die Kapitalmarktzinsen – also die Renditen an den Anleihemärkten – für die Entwicklung der Wirtschaft mitentscheidend. Steigen die Renditen, müssen Staaten, Unternehmen, Banken und Privatleute mehr für Kredite zahlen. Das kann das Wirtschaftswachstum abwürgen. US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit sind die wichtigste Richtschnur für den insgesamt knapp 108 Billionen Dollar schweren globalen Anleihemarkt.

Viele Investoren fürchten, dass die Märkte jetzt wieder sehr nervös werden. „Noch haben wir bei US-Anleihen gar keine so starken Schwankungen gesehen, aber das wird noch kommen“, warnt zum Beispiel John Stopford, leitender Anleihestratege bei Investec Asset Management, in einem Interview mit Bloomberg TV.

Diese Aussage ist beängstigend, denn die Anleihemärkte haben schon jetzt den schlimmsten Jahresstart seit neun Jahren hingelegt. Von Januar bis Anfang Februar stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsbonds um 0,6 Prozentpunkte auf bis zu 2,95 Prozent. Im Gegenzug fiel der Kurs um fast fünf Prozent – ein enormer Wert in so kurzer Zeit auf dem gewöhnlich weniger volatilen Anleihemarkt.

Danach stiegen die Kurse zunächst wieder etwas. Investoren kehrten wegen der Ängste vor einem globalen Handelskrieg wieder in die Anleihemärkte zurück. Hinzu kamen die Sorgen vor einer Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Russland angesichts der Syrien-Frage.

Bei Unsicherheiten fliehen Anleger oft in Anleihen, denn dort gehen sie davon aus, dass sie zumindest ihr Kapital am Ende der Laufzeit zurückbekommen.

Die geopolitischen Sorgen schwelen auch jetzt noch im Hintergrund. Doch gleichzeitig sorgen sich Investoren wieder mehr um die Inflation: Die unter anderem wegen der US-Sanktionen gegen Russland deutlich gestiegenen Rohstoffpreise lassen Anleger eine höhere Teuerungsrate befürchten. Das Problem: Inflation ist Gift für Anleihen, weil sie empfindlich an den festen mageren Zinserträgen zehrt.

Schon Anfang des Jahres waren die an die Märkte zurückgekehrten Ängste vor einer höheren Inflation der Grund für den rasanten Renditeanstieg. Angestoßen wurden die Inflationssorgen durch die mit 2,9 Prozent deutlicher als erwartet gestiegenen Stundenlöhne in den USA. Es folgten weitere Daten, die den Trend einer höheren Inflation bestätigten.

Anleihe-Investoren sind seither deutlich nervöser geworden. Und sie glauben inzwischen daran, dass die US-Notenbank mit ihren schon im vergangenen Dezember avisierten drei Leitzinserhöhungen Ernst macht.

Der Ausverkauf an den Anleihemärkten belastet auch die Aktienmärkte. Die großen US-Indizes Dow Jones und S&P 500 brachen Anfang Februar innerhalb von fünf Handelstagen um bis zu zehn Prozent ein, der Dax verlor in diesem Zeitraum bis zu acht Prozent. Seither haben sich die Kurse zumindest wieder etwas erholt, doch die Angst bleibt.

Bei den Anleihen sind nicht nur Inflations- und Zinsängste ein Belastungsfaktor. Hinzu kommt, dass die US-Regierung in diesem Jahr deutlich mehr Schulden machen muss – allein, um die Einnahmeausfälle aus der Trump'schen Steuerreform zu kompensieren. Damit dürfte das Angebot an US-Staatsanleihen steigen.

Auf der anderen Seite reduziert die US-Notenbank Fed ihre Bilanzsumme weiter. Sie legt weniger Geld aus fällig gewordenen Staatsanleihen neu am Markt an. Im vergangenen Jahr hat die Fed ihre Bestände an US-Bonds auf diese Weise um rund 18 Milliarden Dollar reduziert – in diesem Jahr wird sie laut Ökonomen Bestände im Umfang von 250 Milliarden Dollar abbauen.

Von Seiten der Fed sinkt damit die Nachfrage nach Staatsanleihen deutlich. Weniger Nachfrage bei steigendem Angebot – das ist eine ungünstige Konstellation. Schon allein sie macht weiter fallende Bondkurse und damit steigende Renditen wahrscheinlich.

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7 Kommentare zu "Staatsanleihen: Rendite der zehnjährigen US-Bonds knackt die Drei-Prozent-Marke – warum das für die Märkte wichtig ist"

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  • Herr Helmut Metz, die Mafia gibt es nicht wohl aber das Geschäftsmodel aus dem 19 Jahrhundert.
    Das Geschäftsmodel sich über Banken und Beteiligungen bis hin, daß man sich die Notenbank der USA einverleibt hat, ist doch offenkundig. Das ist alles eben kein Zufall
    und führt nach GB in die "City of London".

  • @ Peter Spiegel
    "Alles läuft offenbar nach Plan, wer immer auch dahinter seht..."

    Die Zukunft ist ungewiss und nicht planbar - schon gar nicht von langer Hand. Viele denken z.B., eine kleine Clique von Mächtigen und Superreichen würde die Geschicke der Menschheit "lenken" und Politiker wie Schachfiguren in einem Schachspiel benutzen.
    Was spricht jedoch dagegen? Der INDIVIDUALISMUS, die Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen. Jeder Mensch hat andere Ziele, und niemals stimmen die Ziele von zwei Menschen zu 100% überein. Gäbe es eine solche Clique, die die Zukunft der Menschheit "planen" wollte, dann müsste sie schon alleine aus diesem Grund scheitern.
    Beispiel: Sie kennen vermutlich das geniale Mafia-Epos "Der Pate". Auch dort gab es eine Clique: nämlich ein Syndikat der Mafiabosse von New York. Bereits in dieser kleinen Gruppe gab es jedoch Streit, weil die Pläne und Ziele unter den Mitgliedern nicht übereinstimmten: Marlon Brando alias Don Vito Corleone wollte nicht in das schmutzige Geschäft mit dem Drogenhandel einsteigen, und deshalb versuchten ihn die übrigen Mafiabosse bekanntlich zu liquidieren.

  • Die Macht des 20ten Jahrhunderts USA kämpft mit der asiatische Macht China und folgen wird Indien. Die Deindustrialisierung der USA und der EU ist von langer Hand geplant und spieltbevorzugt China die Mittel zu. Die EU und auch die Staaten werden von innen heraus besiegt entsprechen dem Empire vor 1914. Die Briten haben sich damals tot gesiegt bis zur Bedeutungslosigkeit. Mittel zum Zweck war Deutschland mit Hilfe das Empire ausgeblutet wurde. Alles läuft offenbar nach Plan, wer immer auch dahinter seht, daher hat auch Herr Trump recht.

  • @ aza azaziel
    "Es kommt jetzt auf die politischen Akteure am!"

    Die sollten sich am besten alle gemeinsam wieder in Bretton Woods zusammensetzen und verhandeln. Je früher, desto besser. Nur so kann man das friedlich lösen.
    Und ganz wichtig: keine Keynesianer und Monetaristen als ökonomische Berater mitnehmen!!

  • An den Zinsen zeigt sich die Stärke der USA, der Zins wieder wieder Maß für den Wert des Geldes. Leider ist das in der EU anders, der Euro ist nur eine Abbildung der Leistung Deutschlands minus all den EU-Loser Schrott.
    Bleibt nix und nach einiger Zeit die Pleite, was auch etwas ist, da etwas übrig ist, z.B. Schulden für das deutsche Volk bis anno 2200.

  • Es ist die Frage, wie lange China noch US-Staatsanleihen aufkauft. Denn bei sinkenden Kursen und steigenden Zinsen bei den US-Bonds verliert China aus seinen Beständen heraus sehr viel Geld. China hat schon klar gemacht, dass es den Schuldenkurs von Trump nicht einfach mitmacht. Es wird volatil. Wir werden einen Krieg der Algorithmen sehen und ungewöhnliche Bündnisse zwischen bestimmten Finanzmarktakteuren, denn die Not treibt zusammen. Die Hyänen des Finanzmarktes werden über einige gestolperte Riesen herfallen.

  • Es kommt jetzt auf die politischen Akteure am! Steigen die Zinsen in US, steigt der $. Steigt der Dollar, steigen amerikanische Importe und die Exporte sinken. Das Handelsbilanzdefizit wuerde sich verstaerken. Das waere Wasser auf Trumps Muehlen. Mehr amerikanischer Protektionismus? Wuerde die EZB die Eurozinsen steigen lassen um einen Euro/$ Wechselkurs aufrecht zu erhalten, der die Handelsstroemme nicht allzusehr veraendert? Dann kaemen Griechenland und Freunde sofort wieder in die Situation, wo sie ihre Kredite nicht bedienen koennten. Sind die starken europaeischen Staaten in der Lage die Schwachen weiter zu alimentieren?

    Niemand kann auf diese Fragen eine Antwort geben. Nur eine Antwort kann ich geben: die Schulden-, Euro-, Finanzkrise ist mitnichten ueberwunden!

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