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Staatsanleihen Schweden prüft Ausgabe einer 100-jährigen Anleihe

Die Nachfrage nach lang laufenden Staatsanleihen ist riesig. Auch Schweden will sich die historisch niedrigen Renditen zunutze machen. Doch das Risiko für die Märkte ist groß.
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Schweden denkt über die Einführung einer hundertjährigen Anleihe nach. Quelle: Reuters
Blick auf Stockholm

Schweden denkt über die Einführung einer hundertjährigen Anleihe nach.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Alte Gewissheiten zählen an den Märkten nicht mehr, zumindest im Fall der 100-jährigen Anleihen. Die galten lange vor allem als Zeichen einer schuldengetriebenen Haushaltspolitik, die höchstens Schwellenländer verfolgten, etwa Argentinien oder Ghana. Doch mittlerweile kommen lang laufende Papiere auch in Europa in Mode. Österreichs 2117 fälliger Bond ist bisher eine Erfolgsgeschichte. Und auch die 50-jährige italienische Anleihe hält trotz politischer Risiken bislang ihren Wert. Nun könnte auch Schweden dem Klub der 100-Jährigen beitreten.

„Die Aussicht, sich die außergewöhnlich niedrigen Zinsen langfristig zu sichern, ist interessant und eine Überlegung wert“, sagte Hans Lindblad, Chef des schwedischen Schatzamtes, am späten Dienstagabend. Daher prüfe die Behörde, „verschiedene Aspekte“, beispielsweise ob es grundsätzlich Nachfrage nach einer solchen Anleihe gebe, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Tatsächlich war die Nachfrage nach lang laufenden Staatsanleihen zuletzt riesig: Österreichs 100-Jahr-Anleihe dürfte mit rund 70 Prozent Kursgewinn seit Jahresbeginn zu den erfolgreichsten Zinspapieren in diesem Jahr gehören. Auch 30-jährige Anleihen aus den USA und Deutschland verzeichneten seit Jahresbeginn kräftige Kursgewinne, wie sie sonst bei Aktien üblich sind.

Allerdings gibt es auch Negativbeispiele: Die Auktion einer 30-jährigen Bundesanleihe mit Null-Prozent-Kuponzins verlief vergangene Woche äußerst schwach. Erstmals hatte Deutschland eine 30-jährige Anleihe mit negativer Rendite begeben.

Denn bei Investoren sind angesichts von 16 Billionen Euro Schuldpapieren mit negativer Rendite Anleihen gefragt, bei denen noch ein positiver Ertrag zu holen ist. Das dürfte beim hundertjährigen Schwedenbond der Fall sein: Die ausstehende schwedische Anleihe mit der längsten Laufzeit wird 2039 fällig und pendelt bei der Rendite um den Nullpunkt.

Im benachbarten Finnland hatte sich die Regierung gegen die Ausgabe ultralang laufender Anleihen entschieden. Man wolle nicht die Handelbarkeit der bestehenden Emissionen beeinflussen, so das Argument der Finnen. Auch in Deutschland gibt es bislang keine Pläne, bei der Laufzeit von Bundesanleihen über 30 Jahre hinauszugehen.

Rezessionssorgen wachsen

Dass die Nachfrage nach lang laufenden Staatsanleihen mit positiver Rendite so groß ist, liegt nicht nur an der positiven Rendite. Sie gelten auch als sichere Wertpapiere in Krisenzeiten. Und die Rezessionssorgen an den Anleihemärkten haben zuletzt neue Nahrung erhalten.

Am Mittwoch verstärkte sich die Inversion der US-Zinskurve in den Laufzeitbereichen zwei und zehn Jahren. Die Rendite der zweijährigen US-Treasuries lag um 0,04 Prozentpunkte über der Rendite der zehnjährigen Anleihe. So ausgeprägt war die Inversion der Zinskurve zuletzt 2007 vor dem Ausbruch der Finanzkrise. Auch die deutsche Zinskurve kommt einer Inversion immer näher. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt nur noch 0,19 Prozentpunkte über der zweijährigen Anleihe.

Eine inverse Zinskurve gilt als verlässliches Warnsignal für eine Rezession. In den vergangenen 50 Jahren folgte auf jede Inversion der Zinskurve in den USA eine Rezession. In normalen Zeiten verlangen Investoren eine höhere Rendite für lang laufende Anleihen. Kehrt sich das Verhältnis zwischen Kurz- und Langläufern um, ist das ein Ausdruck von niedrigen Wachstumserwartungen.

Doch der jüngste Run auf lang laufende Anleihen ist riskant: Denn je länger die Laufzeit der Anleihe, desto stärker reagieren die Papiere auf veränderte Markterwartungen zum Zinsniveau. Die Bonds haben zuletzt stark davon profitiert, dass die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank Zinssenkungen in Aussicht gestellt haben.

Doch sollten die Zinsen in Zukunft wieder steigen, fällt der Kursverlust bei Langläufern umso heftiger aus. Und zumindest auf Sicht von 100 Jahren sind wieder steigende Zinsen nicht auszuschließen.

Mehr: Die Bond-Rally sorgt für verkehrte Welt an den Märkten.

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