Staatsanleihen Sparern drohen Japanische Verhältnisse

Die Renditen für Bundesanleihen sind mickrig - inzwischen so niedrig wie in Japan. Dort müssen sich die Sparer schon seit langem damit abfinden, dass sie mit Anleihen kein Geld verdienen. Droht das den Deutschen auch?
14 Kommentare
Ein Japanisches Pärchen aus Tokio stößt im Löwenbräu-Festzelt beim Münchner Oktoberfest mit einer Maß Bier an. Quelle: dpa

Ein Japanisches Pärchen aus Tokio stößt im Löwenbräu-Festzelt beim Münchner Oktoberfest mit einer Maß Bier an.

(Foto: dpa)

Frankfurt/TokioDie Frage, ob bei deutschen Staatsanleihen japanische Verhältnisse – also extrem niedrige Renditen – drohen, beschäftigt Investoren schon lange. Schließlich sind die deutschen Bundespapiere mit Unterbrechungen seit fast vier Jahren als sichere Anlage extrem gefragt. Zuerst trieb die sich abzeichnende schlimmste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren die Investoren scharenweise in Bundesanleihen – seither lässt sie die Angst um schwache Euro-Länder, aktuell vor allem um Spanien, zu deutschen Anleihen greifen. Die Folge: Die Renditen fallen immer weiter.

Jetzt sind die japanischen Verhältnisse bei kurzlaufenden Bundesanleihen Wirklichkeit geworden. Deutschland stockte gestern seine zweijährige Bundesschatzanweisung um fünf Milliarden Euro mit einer historisch niedrigen Rendite von 0,14 Prozent auf. Zu diesem Zeitpunkt lag die Rendite der zweijährigen japanischen Staatsanleihe bei 0,11 Prozent. In der vergangenen Woche war die Rendite des zweijährigen Bundespapiers sogar auf 0,9 Prozent und damit unter die ihres japanischen Pendants gerutscht.
Das erscheint aberwitzig, denn anders als in Japan, das sich seit mehr als einer Dekade letztlich in der Deflation befindet, liegt die Inflationsrate im Euro-Raum bei 2,7 Prozent. Anleger verlieren mit der Anleihe also Geld.

Peter Schaffrik, leitender Zinsstratege bei der Royal Bank of Canada, erklärt diesen Widerspruch so: „Die Investoren am Anleihemarkt sind so verunsichert, dass ihnen egal ist, wie hoch ihr Kapital verzinst wird – es kommt ihnen nur darauf an, dass sie es überhaupt zurückbekommen.“

Institutionelle Investoren wie Banken, Versicherer, Pensionsfonds und Fonds müssen ihr Geld irgendwo anlegen – sie können es nicht einfach auf der Bank liegen lassen. „Das wäre im Zweifelsfall unsicherer, als das Geld dem deutschen Staat anzuvertrauen“, meint Schaffrik. In diesem Umfeld seien Bundesanleihen erste Wahl. Das zeigt sich auch daran, dass die neuen Bundespapiere gestern überzeichnet waren.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
„Es bleiben Zweifel, ob die Hilfspakete ausreichen werden“
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Staatsanleihen - Sparern drohen „Japanische Verhältnisse“

14 Kommentare zu "Staatsanleihen: Sparern drohen „Japanische Verhältnisse“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ..ich habe da auch einen Vorschlag, zumindestens einen wie sich jeder Bürger gegen die kommenden Enteignung schützen kann:" Buchtipp - Freiheit durch Gold: Sklavenaufstand im Weltreich der Papiergeldkönige [Gebundene Ausgabe]
    Hans J. Bocker und auch das Buch "Vom Gelde, Valuta, Währungsnot 1921-1923 von Argentarius!"

    Zudem bieten andere reale Werte wie Silber, Kunst, alte Kfz mit Wertsteigerungssinn ebenfalls eine gewisse Absicherung.


    Bloß keine Papier-Altersvorsorgeprodukte abschließen und Schulden möglichst vermeiden. Dazu eine gute BU- und Risiko-LV!

    Ich befürchte das wird nix mehr. Einfach zu lange gewartet und dann auch noch "Falschgeld" in Umlauf gebracht.

  • Die Deflation ist die natürliche und logische Folge der staatlich induzierten (dank franctional banking System) Kreditexpansion. Wenn sie ständig die natürliche Kontraktion der Wirtschaft mittels Notenpresse und Niedrigstzinsen abwürgen um den Boom-Bust-Zyklus zu stoppen, wird die anschließende Rezession um so schlimmer.

  • was heißt denn drohen?-zinsen und versteuerung führen doch seit langem dazu, daß sparer entweder riskantere anlagen wählen oder das geld ins ausland zu schaffen versuchen.
    und trotzt oder wegender flutung der märkte mit geld kommt es nicht zu reformen und die wirtschaft leidet - bis auf deutschland - noch!

  • Nein, wir können das nicht. Wir haben keine Notenbank (mehr), die uns das finanzieren könnte und sind von ausländischem Kapital abhängig. Den japanischen Weg werden wir nicht gehen können. Wir sind ja schon bei 80 % nahezu am Ende.

  • @Coza.Oh, sie werden Angst kriegen.Deflation ist kein Spaß, genauso wie Inflation.Um eine Deflation zu entrennen, braucht man eine Währungsreform.Wenn man die Inflation nicht einfängt mit Schock-Zinsen, braucht man auch eine Währungsreform.Genau wie beim Inflation, wirkt sich Deflation in verschiedener Weise auf den Aussen und Innenwert des Geldes.Die D-Mark hat 70% ihren Wertes seit ihre Einführung verloren-da müssen sie sich nur an die Bundesbank wenden um die Zahlen zu bekommen.In D hat man dass nicht gespürt weil der Aussenwert 'stabil' geblieben ist.Dieser hängt aber von der Inflation der anderen Währungen.Sie haben noch mehr an Wert verloren.Dass die Mark 30 Pfennig am Ende wert war und die anderen Währungen 10 Pfennig,heisst nicht es war eine 'harte' Währung.Mit der Deflation wird den 'Wert' ihres Papiergeldes nicht steigen.Wert hat das Geld nur wenn man es am Gold koppelt oder mit Goldmünzen um die Häuser zieht.So eine Kopplung kann aber sogar die Bundesbank nicht aufrechterhalten-sie wird nach 10-15 Jahren aussteigen.

  • @Coza: Exact Ihr Statement, welches -Entschuldigen Sie vielmals- den Zeitgeist des uninformierten Michels - abgibt, markiert den Marsch Deutschlands in den japanischen Weg. Sie bekommen Ihren Wunsch erfüllt, verlassen Sie sich drauf.

  • Man kann nicht immer alles auf Fehler und vergessene Nullen schieben, sondern muss feststellen, dass das Handelsblatt auf Bild-Zeitung Niveau rutscht. Meldung vor drei Wochen auf der Print-Titelseite: "Die Arbeitgeber bieten an, die Gehälter binnen zwei Jahren um 3,3% anzuheben. Dieses Angebot liegt oberhalb der derzeitigen Inflationsrate von 2,3%". kopfschüttelnd ...

  • Vor einer Deflation habe ich keine Angst. Im Gegenteil, das Geld wird wieder etwas wert. Das allerschlimmste die Inflation, die Enteignung jeglichen Vermögens, der Ansparungen für die Rentenzeit etc.
    Ich habe über 30 Jahre wöchentlich mindestens 80 Stunden gearbeitet, irgendwann möchte ich auch einmal leben.

  • es sollte wohl 0,09 heißen ...

  • Ich liebe Japan, so eine cool land:

    http://tinyurl.com/c6hfjlw

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%