Staatspapiere Anleger fliehen aus Bundesanleihen

Für Finanzminister Wolfgang Schäuble wird das Schuldenmachen teurer. Die Inflation in der Euro-Zone zieht an, das lässt Anleger am Dienstag aus Bundespapieren flüchten. Die Kurse purzeln, die Zinsen ziehen kräftig an.
Update: 02.06.2015 - 18:17 Uhr 1 Kommentar
Eine überraschend anziehende Inflation und die griechische Schuldendebatte treibt Anleihehändler aus den als sicher geltenden deutschen Staatsbonds. Quelle: dapd
Bundesanleihen werfen wieder mehr Rendite ab

Eine überraschend anziehende Inflation und die griechische Schuldendebatte treibt Anleihehändler aus den als sicher geltenden deutschen Staatsbonds.

(Foto: dapd)

DüsseldorfDie anziehende Inflation und die Ungewissheit über die finanzielle Zukunft Griechenlands haben die Kurse vieler europäischer Staatsanleihen am Dienstag unter Druck gesetzt. Im Gegenzug kletterten die Renditen der Bonds deutlich in die Höhe. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen warfen mit knapp über 0,717 Prozent so viel ab wie seit Wochen nicht mehr.

Am Montag hatten die Renditen noch bei 0,518 Prozent gelegen. Damit war es der höchste Renditesprung an einem Tag seit etwa drei Jahren. Die Verzinsung zehnjähriger italienischer Papiere stieg mit 2,114 Prozent auf den höchsten Stand seit mehr als sechs Monaten. Vergleichbare französische Papiere rentierten bei 0,92 Prozent sechs Basispunkte höher.

Von null auf hundert und zurück
09. Januar 2012
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Negativ verzinste deutsche Staatspapiere: Erstmals gelingt es Deutschland, kurzfristige Geldmarktpapiere  mit Gewinn zu verkaufen. Wer an diesem Tag Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten kauft, bekommt am Ende der Laufzeit weniger vom Fiskus überwiesen, als er am Anfang investiert hat.

Die Gründe sind vielfältig: Weil die Anleihen der Krisenstaaten vom Ausfall bedroht sind, flüchten alle in deutsche Titel. Gleichzeitig pumpt die EZB über großzügige Sonder-Kredite an die Banken frisches Geld in die Märkte, das die Unternehmen gar nicht ausleihen wollen. Die Nachfrage nach Krediten ist klein, das Angebot an Geld groß. Das drückt auf die Renditen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt zu diesem Zeitpunkt bei 1,85 Prozent.

26. Juli 2012
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„Whatever it takes.” Investoren sind wenige Monate nach dem griechischen Schuldenschnitt in Panik. Die Kurse der Anleihen aller Euro-Randländer fallen, ihre Renditen steigen. Da spricht EZB-Chef Mario Draghi bei einer Konferenz in London ein Machtwort. „Die EZB wird innerhalb ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.“ Damit leitet Draghi eine Erholung der Anleihen der Euro-Randländer ein. Doch auch Bundesanleihen bleiben gefragt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt bei 1,32 Prozent – und sinkt immer weiter.

11. Juni 2014
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Zentralbankzins für Einlagen unter null: Die Euro-Zone kommt wirtschaftlich noch immer nicht vom Fleck. Obwohl die EZB die Leitzinsen immer weiter gesenkt hat, bleibt die Kreditvergabe schwach. Die Notenbank geht also noch einen Schritt weiter: Sie senkt den Leitzins auf 0,05 Prozent, der Einlagezins fällt auf minus 0,1 Prozent. Geschäftsbanken, die ihr Geld bei der EZB parken und nicht verleihen wollen, zahlen jetzt Strafe. Im September 2014 erhöht die EZB diesen „Strafzins“ auf 0,2 Prozent.

17. September 2014
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Der Bund verdient Geld mit Anleihen. Die Negativzinsen fressen sich bei Bundeswertpapieren weiter durch. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit zu einer Minusrendite auf. Diese liegt bei minus 0,07 Prozent. Aufgestockt wird die Anleihe um 3,3 Milliarden Euro. Begeben worden war sie am 20. August 2014 mit einem historisch niedrigen Zinsschein von null Prozent und einer Rendite von ebenfalls null Prozent.

16. Januar 2015
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Die Schweiz schreibt Geschichte am Anleihemarkt: Erstmals sinkt in einem Land  die Rendite einer Anleihe mit der Laufzeit von zehn Jahren unter null Prozent. Grund dafür war die überraschende Entscheidung der Schweizer Notenbank vom Vortag, den Euro-Mindestkurs zum Franken aufzuheben. Die Folge: Der Franken wertet drastisch auf, die Aktienkurse brechen ein – und Anleger fliehen in Anleihen. 

Am 9. April profitieren die Schweizer Steuerzahler von den Minuszinsen. Die Schweiz stockt die die zehnjährige Anleihe, die einen Zinsschein von 1,5 Prozent hat, zu einem Kurs von 116 Prozent auf. Daraus errechnet sich bei der Auktion eine negative Rendite von minus 0,055 Prozent. Anleger versuchen damit, den Strafzins von 0,75 Prozent zu umgehen, den die Schweizer Notenbank für kurzfristige Einlagen von Banken  festgelegt hat.

22. Januar 2015
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Die EZB macht Ernst. Die Notenbank kündigt ein massives Kaufprogramm für Wertpapiere – vor allem Staatsanleihen an. Bis mindestens September 2016 will sie öffentliche Anleihen – sprich Staatsanleihen, Anleihen von nationalen Förderbanken sowie supranationalen Institutionen kaufen. Dazu kommen die schon länger laufenden Programme für gedeckte Bankenanleihen (Covered Bonds) und Verbriefungen (ABS). Insgesamt wollen die EZB und vor allem die nationalen Notenbanken monatlich Wertpapiere über 60 Milliarden Euro erwerben – also insgesamt 1,14 Billionen Euro. Die zehnjährige Bundesanleihe wirft für Neueinsteiger nur noch 0,45 Prozent Rendite ab.

25. Februar 2015
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Der Bund verdient jetzt Geld mit einer Fünfjahres-Anleihe. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit fünf Jahren auf, für die das Land von Anlegern Gebühren bekommt, statt Zinsen zu zahlen. Eingenommen werden zu einer Rendite von minus 0,08 Prozent 3,3 Milliarden Euro. Seit der Emission am 21. Januar hat auch diese fünfjährige Anleihe einen Kupon von null Prozent.

Für die Finanzminister der Länder bedeutet das, dass die Ausgabe neuer Schuldpapiere in der Zukunft für sie teurer werden dürfte. Allerdings waren die von den Anlegern verlangten Zinsen in den vergangenen Wochen auch auf Rekordtiefs gefallen. Die Rendite zehnjährige deutscher Staatspapiere war zeitweise auf unter 0,05 Prozent gefallen.

Die Kehrtwende hatte Ende April begonnen, doch am Dienstag sackten die Kurse noch einmal deutlich ab. Der Grund: Wenige Wochen nach dem Öffnen der Geldschleusen durch die EZB ziehen die Preise in der Euro-Zone wieder an. Die Inflationsrate lag im Mai bei 0,3 Prozent. „Die Daten nähren Spekulationen, dass die Inflation in der Euro-Zone früher zurückkehren könnte, als ursprünglich gedacht“, sagte Felix Herrmann, Analyst bei der DZ Bank in Frankfurt.

Euro-Kurs springt nach oben
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1 Kommentar zu "Staatspapiere: Anleger fliehen aus Bundesanleihen"

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  • Das Schulden machen wird teuerer ?
    Die EZB kann die Staatsanleihen doch einfach aufkaufen und manipulieren wie es beliebt ...
    Die Staatsanleihen bestehen aus Luftgeld, da ist noch Platz für mehr Luft.....

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