Unternehmensanleihen Draghi-Rally bei riskanten Bankanleihen

Sie gelten als hoch riskant und werden von konservativen Anlegern eher gemieden. Durch Aussagen von Notenbank-Chef Mario Draghi sorgen dafür, dass nachrangige Bankanleihen aus Europa wieder gefragt sind.
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank beeinflusst die Märkte. Quelle: Reuters

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank beeinflusst die Märkte.

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Die Macht der Notenbanker zeigt sich aktuell auf dem Anleihemarkt. Die Zusage von EZB-Präsident Mario Draghi, die Banken in Europas Krisenländern weiter zu unterstützen, treibt eine Erholung im riskantesten Sektor der Bankenanleihen an.

Nachrangige Bankanleihen haben in diesem Quartal den besten Ertrag seit dem Schlussquartal 2012 erzielt. Sie kommen laut dem Bank of America Merrill Lynch's Euro Subordinated Financial Index auf 2,8 Prozent, die Renditeprämie für die Papiere ist um 47 Basispunkte auf 311 Basispunkte gesunken.

„Es ist heimlich, still und leise ein gutes Quartal geworden“, sagte Chris Whitman, weltweiter Leiter Risikosyndizierung bei Deutsche Bank in London. „Die Renditeaufschläge sind auf breiter Front gesunken, von Banken bis zu Schwellenmärkten. Es war eine gute Entwicklung.“

In dieser Woche signalisierte Draghi seine Bereitschaft, ein weiteres langfristiges Refinanzierungsgeschäft (LTRO) für die Finanzierung der europäischen Banken einzusetzen, falls dies nötig sei. Im Juli stiegen die Geldmarktsätze in der Eurozone bis auf ein Niveau, das Draghi als „ungerechtfertigt“ bezeichnete, nachdem die US-Notenbank Fed am 22. Mai eine Drosselung ihrer Konjunkturfördermaßnahmen in Aussicht gestellt und sich die Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung im Euroraum gemehrt hatten.

Die Rendite der zehnjährigen Benchmarkanleihe in Europa stieg nach dem 22. Mai laut Bloomberg um 66 Basispunkte auf bis zu 2,09 Prozent. Aktuell liegt sie bei 1,82 Prozent. Die Renditeprämie für europäische Anleihen aus dem Finanzbereich mit Rating auf Investmentgrade gegenüber Staatsanleihen legte bis zu 46 Basispunkte zu auf 134,7 und ist derzeit bei 99,6.

Anzeichen für Fortschritte bei der Rekapitalisierung der Banken und die Entwicklung hin zu einer einheitlichen Bankenaufsicht und einer Bankenunion überzeugen die Anleger, die von den Renditen nachrangiger Bankanleihen angelockt werden. Gleichzeitig gehen die Emissionen neuer Anleihen zurück, da stärkere Banken sich auf ein einlagenfinanziertes Geschäftsmodell hin bewegen und weniger nachrangige unbesicherte Papiere begeben müssen.

In den ersten drei Monaten des Jahres haben Banken 66 Milliarden Euro an Anleihen in Euro und Pfund begeben, so wenig wie zuletzt im zweiten Quartal 2012. „Das Angebot sinkt, da die Banken schrumpfen“, erklärte Steve Hussey, Anleiheanalyst bei AllianceBernstein in London. „Das ist der große Trend.“

  • Bloomberg
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9 Kommentare zu "Unternehmensanleihen: Draghi-Rally bei riskanten Bankanleihen"

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  • Anleger-Gläubiger.

    er 'Anleger' hat wohl eher keine europäische Staatsbürgerschaft. Er macht also ein (Zins)geschäft, während der europäische Steuerzahler als Gläubiger haftet. Nein, die Sklaven sind schon lange nicht mehr Schwarz und leben im Süden der USA, nein, sie leben z.B. in Europa und werden 'Lohn-Steuerzahler' genannt. Das sind die wirklichen Sklaven der 'Neuen Welt'. Und das Druckmittel ist nicht mehr die Peitsche oder die Dunkelkammer, sondern das Sozialgesetzbuch und die subtile soziale Ausgrenzung der 'Nicht-Leister'. Schöne neue (alte) Welt. Und die Sklaven wählen ihre Sklavenhalter (CDU) sogar freiwillig, denn sie sind ja immer im Bild e. Pervers.

    Amerikanische Investmentgesellschaften sind inzwischen so groß und einflussreich, dass sie sich nicht mehr auf blose Risikoeinschätzungen verlassen müssen, nein, sie steuern die Märkte nach belieben.

    Da können dann nur noch globale Unwägbarkeiten einen finanziellen Strich durch die Rechnung machen (Meteoriteneinschlag, Erdbeben der Stärke 8 plus in Frisko oder Tokio). Aber so pervers wie die sind, haben die selbst solche Risiken in ihre Berechnungen mit einbezogen, nur für den Fall der Fälle.


  • Solange das Zirkusrad rollt, ist doch alles paletti.

    Irgendeiner bleibt wie 2008 dran hängen.
    Geschichte wiederholt sich angeblich, diesmal mit Gewissheit durch eine identische losgheköste, unkontorllierbare Verursachermannschaft..

    Ob Draghi, Greenspan oder Drücker-Bernanke, wir messen selbsternannten bzw durch "interssierte Bereiche" ins Amt gehobenen Gurus Finanzkompetenz zu, die ihnen nicht zu kommt. Sie sind keine weisen Seher. Eher.... kriminelle Rattenfänger.

  • Goldman Sachs ist überall !

  • es geht ja nicht um Dummheit: lediglich Gutgläubigkeit soll hier weiterhin ausgenutzt werden.
    Und Draghi bleibt halt einfach ein kleiner Angestellter.

  • Der Mann wird demnächst auch gebrauchtes Klopapier aufkaufen bzw. garantieren, natürlich um die Transmissionsmechanismen zu sichern.

    Ist ja auch ok: Deutschland zahlt und haftet und zahlt und haftet und zahlt ....

    Mal am Rande bemerkt: Gleichzeitig findet sich im HB ein Artikel über die marode, verfallende Infrastruktur in Deutschland. Zusammenhang klar? Wenn Deutschland für überflüssige, nicht benutzte Flughäfen in Spanien, für Zombie-Banken im gesamten Mittelmeerraum und für sonstwelchen Unsinn zahlt, bleibt natürlich für unsere eigenen Auobahnbrücken nichts übrig.

    Weiter so! Auch Deutschland kann man pleite kriegen! Das "Trio infernal" Draghi, Merkel, Schäuble wird's schaffen! Die ökonomische Logik lässt sich politisch nicht aushebeln (siehe Zusammenbruch der Pleite-DDR 1989): Deutschland KANN den Rest der EU nicht retten, auch wenn Schäuble sich auf den Kopf stellt und mit den Rädern wackelt - was nicht geht, geht nicht! Aber gesunder Menschenverstand ist in der Politik nicht gefragt. Stattdessen wird systematisch in den Untergang gerannt.



  • Es ist doch immer dasselbe: Nur weil man denselben Fehler wieder und wieder macht, wird es nicht richtiger. Diese Dummheit ist einfach unbezahlbar. In jedwelchem Sinne.

  • O-Ton Handelsblatt
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    Draghi-Rally bei riskanten Bankanleihen
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    Offensichtlich stuft sie der Markt ja jetzt als weniger riskant ein.

  • O-Ton Draghi
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    Im Juli stiegen die Geldmarktsätze in der Eurozone bis auf ein Niveau, das Draghi als „ungerechtfertigt“ bezeichnete, nachdem die US-Notenbank Fed am 22. Mai eine Drosselung ihrer Konjunkturfördermaßnahmen in Aussicht gestellt und sich die Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung im Euroraum gemehrt hatten.
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    Hier irrt der Meister.

    Renditen unterhalb der Inflationsrate als zu hoch zu bezeichnen ist verkehrt.

    Allerdings könnte mE die Zinskurve etwas flacher werden - das lange Ende muß nicht so stark steigen wie das kurze.

    ...

    Was Draghi TATSÄCHLICH irritiert haben dürfte ist der Rückgang der Geldmenge M3 im Juni und Juli. Der wurde durch einen kräftigen Anstieg im August aber wieder ausgebügelt.

    Im August 2013 stieg die Geldmenge M3 um 2,0% gegenüber dem Vorjahresmonat. Die jährliche Steigerungsrate der Geldmenge M3 seit Januar 2010 liegt nach wie vor bei 1,4%.

    ...

    Die engere Definition der Geldmenge M1 liegt um 7% über dem Vorjahreswert.


    Offensichtlich wandert Geld in liqidere Formen.

  • a0jcc1 ist bsw. längstens ausgelutscht. So wie alle anderen von Interesse.
    Der Kommentar ist rund 12 Monate zu spät. Wie alles hier.

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