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Unternehmensanleihen Finanzexperten warnen vor einem Ausverkauf bei US-Firmenbonds

Viele US-Unternehmen ächzen unter einem Schuldenberg – und müssen um ihre gute Bonität fürchten. Das könnte Anleihefonds unter Druck setzen.
Update: 22.03.2019 - 12:03 Uhr Kommentieren
Anleihen: Experten warnen vor einem Ausverkauf bei US-Firmenbonds Quelle: imago/photothek
Produktion bei Ford

Dem US-Autobauer droht schon im April die Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit auf Ramsch-Niveau.

(Foto: imago/photothek)

FrankfurtWie es um die finanzielle Situation des US-Autobauers Ford steht, haben die Mitarbeiter in Deutschland gerade erst zu spüren bekommen. Das Unternehmen kündigte vergangene Woche an, hierzulande 5000 Stellen abzubauen. Ziel des Sparprogramms sei es, „in Europa schnellstmöglich wieder zu einem profitablen Geschäft zurückzukehren“, so das Unternehmen.

Anleihe-Investoren wissen schon länger um die schwierige Lage bei dem Autobauer. Im August vergangenen Jahres stufte die Ratingagentur Moody‘s Ford auf „Baa3“ herab, nur eine Stufe über dem sogenannten Ramsch-Niveau. Bereits im April könnte sich entscheiden, ob der US-Autobauer als Hochzins-Schuldner eingestuft wird, sagt Hitin Anand vom Analysehaus CreditSights.

Anleihemarkt macht Firmen zu schaffen

„Moody’s drückt Ford gegen die Wand.“ Zumindest die Risikoaufschläge, die Ford derzeit zahlen muss, seien bereits auf dem Niveau eines Hochzins-Unternehmens. Der Niedergang von Ford steht exemplarisch für eine Entwicklung, die Finanzexperten zunehmend Sorgen bereitet: das Risiko einer steigenden Zahl von „Fallen Angels“ – zu Deutsch „gefallenen Engeln“.

So bezeichnen Finanzprofis Unternehmen, die früher eine gute Bonität, ein sogenanntes Investment-Grade-Rating, hatten und auf Ramschniveau herabgesunken sind. Zu schaffen macht den Unternehmen eine Besonderheit des Anleihemarktes. Zwar bewerten Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens mit zahlreichen Abstufungen – von dreifach A für extrem sicher bis D für insolvent.

Doch unter Investoren hat sich eine einfache Dichotomie durchgesetzt: Von dreifach A bis dreifach B gilt ein Unternehmen als Investment-Grade. Darunter beginnt der Hochzins-Bereich mit den „junk bonds“, also Ramschanleihen.
Das Problem: Viele Investoren, etwa Versicherungen und Pensionsfonds, dürfen gemäß ihren Anlagerichtlinien gar keine Hochzins-Anleihen halten.

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Sie müssen die Papiere verkaufen, wenn die Ratingagenturen ein Unternehmen auf Ramschniveau herabstufen. Steigt die Zahl der gefallenen Engel in einer Rezession sprunghaft, droht ein massiver Ausverkauf an den Anleihe- und Aktienmärkten.
Zuletzt hat sich die Kreditqualität innerhalb des Investment-Grade-Bereichs massiv verschlechtert, sagt etwa Nicholas Ware, Portfolio-Manager beim US-Vermögensverwalter Janus Henderson.

„Es gab ein explosives Wachstum der Schulden im Dreifach-B-Bereich – dem Anleihesegment eine Stufe über dem Hochzins-Bereich.“ Allein in den USA haben Unternehmen Anleihen mit Dreifach-B-Rating mit einem Volumen von 2,8 Billionen Dollar ausstehen. Damit machen sie mehr als die Hälfte des gesamten Investment-Grade-Bereichs aus.

Zum Vergleich: Der US-Hochzinsmarkt ist mit einem Volumen von 1,2 Billionen Dollar wesentlich kleiner. „Wird ein großes Investment-Grade-Unternehmen herabgestuft, könnte das den Markt überfordern“, warnt Ware. Janus Henderson hat eine Liste mit Wackelkandidaten zusammengestellt: Darunter finden sich Schwergewichte wie die US-Mobilfunkanbieter AT&T und Verizon, GM, Ford oder der Pharmakonzern AbbVie.

Allein AT&T hat Anleihen in Höhe von 156 Milliarden Dollar ausstehen – das sind mehr als zehn Prozent des gesamten Marktvolumens für US-Hochzinsanleihen.
Zahlen, die auch James Gledhill, Portfoliomanager bei Axa Investment Managers, beunruhigen.

Der GE-Chef setzt im Kampf gegen die Schuldenkrise des Industrieriesen auf Verkäufe von Geschäftsbereichen. Quelle: Reuters
Lawrence Culp

Der GE-Chef setzt im Kampf gegen die Schuldenkrise des Industrieriesen auf Verkäufe von Geschäftsbereichen.

(Foto: Reuters)

„Die brutale Realität ist: Diese Unternehmen könnten sich im Hochzins-Markt nicht refinanzieren. Sie wären gezwungen, Geschäftsbereiche zu liquidieren.“ Zu den Mahnern gehört seit Kurzem auch das Zentralinstitut der Notenbanken, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Im aktuellen Monatsbericht der BIZ warnen die Autoren Sirio Aramonte und Egemen Eren, dass sich auch immer mehr Investoren mit den riskanten Papieren eingedeckt haben.

Sorgen um die Konjunktur

„Seit der Finanzkrise haben Investment-Grade-Anleihefonds den Anteil von Dreifach-B-Anleihen in ihren Portfolios sukzessive erhöht.“ 2018 lag der Anteil der BIZ zufolge bei 45 Prozent, 2010 waren es noch 20 Prozent. Das Problem: Diese Fonds haben Anlagerichtlinien, die es ihnen verbieten, Hochzins-Papiere zu halten.

„Ratingbasierte Investment-Mandate können Notverkäufe auslösen“, warnen die BIZ-Experten daher. Die schwächer werdenden Konjunkturaussichten verstärken dieses Problem noch: „Wenn viele Emittenten abrupt herabgestuft werden, könnten Marktteilnehmer mit Investment-Grade-Mandaten gezwungen sein, große Anleihe-Volumina schnell abzustoßen.“

Eine Kaskade von Herabstufungen könnte der US-Hochzinsmarkt unmöglich verdauen, warnt auch Janus-Henderson-Manager Ware. Denn viele auf Hochzins-Anleihen spezialisierte Fonds haben ebenfalls starre Anlagerichtlinien. „Üblicherweise darf ein einzelnes Unternehmen nicht mehr als zwei Prozent des Gesamtportfolios ausmachen“, sagt Ware.

Wird ein großes Unternehmen herabgestuft, könnte das den Markt überfordern. Nicholas Ware, Janus Henderson Investors

„Die Fonds können also nur ein begrenztes Volumen herabgestufter Anleihen absorbieren.“ Bereits ein einziges großes US-Unternehmen könnte das berühmte Zünglein an der Waage sein, fürchtet Georg von Wallwitz, Fondsmanager und Geschäftsführer beim Münchner Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz.

„Wenn beispielsweise General Electric (GE) seine gute Bonität verliert, kommen auf einmal Bonds mit einem Volumen von 130 Milliarden Dollar auf den Hochzins-Markt“, sagt er. „Da entsteht ein irrsinniger Verkaufsdruck. Als Anleger ist man froh, wenn man mit diesen Firmen nichts zu tun hat.“

Auch Portfolio-Manager Ware bestätigt: Wenn das Volumen der Anleihen von gefallenen Engeln die Schwelle von zehn Prozent des 1,2 Billionen schweren Hochzinsmarktes übersteigt, „könnte es problematisch werden“.

Zum Sparen gezwungen

Einen Hoffnungsschimmer für Anleger gibt es jedoch: Die hochverschuldeten Unternehmen wissen selbst, dass sie sich eine Herabstufung auf Ramschniveau nicht leisten können. Der angeschlagene Siemens-Rivale GE ist ein Beispiel dafür: Das Unternehmen befindet sich mitten in der Umstrukturierung.

Von seinem Anteil am Öldienstleister Baker Hughes hat sich GE ebenso getrennt wie von seinem Biopharmageschäft. Die Milliarden, die GE durch die Abspaltungen einnimmt, steckt das Unternehmen in den Schuldenabbau. Konzernchef Lawrence Culp kündigte bei seinem Amtsantritt im Oktober 2018 an, er wolle weiterhin die Bilanz stärken und die Schulden senken.

„Ein fokussierteres Portfolio ist die richtige Struktur für GE.“ Culp wagte sogar, was seine Vorgänger scheuten: Er kappte den Großteil der Dividende. Die enorme Verschuldung der US-Unternehmen, das zeigen Beispiele wie Ford oder GE, sind ein Risiko für die Konjunktur – selbst wenn eine Welle neuer „Fallen Angels“ ausbleibt.

Denn allein die Gefahr des Absturzes auf Ramschniveau zwingt die Unternehmen dazu, Geschäftsbereiche abzuspalten, Standorte zu schließen und Mitarbeiter zu entlassen. Sinkende Investitionen und steigende Arbeitslosigkeit sind jedoch auch für die Märkte schlechte Vorzeichen.

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