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US-Staatsanleihen Am US-Anleihemarkt geht die Angst vor einer Rezession um

Die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen fallen in Richtung zwei Prozent. Die Politik von Präsident Trump verschärft die Sorgen.
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An den Märkten wächst die Furcht vor einer Rezession in den USA. Quelle: dpa
Händler an der Wall Street

An den Märkten wächst die Furcht vor einer Rezession in den USA.

(Foto: dpa)

FrankfurtMit Wirtschaftspolitik im Weißen Hauses kennt sich Dan Roberts aus. Der Chefanlagestratege der Fonds-Boutique McKay Shields gehörte in den Achtzigerjahren zum Beratergremium von Präsident Ronald Reagan. Zwar setzte Reagan ebenso wie der heutige US-Präsident Donald Trump auf Steuersenkungen. Doch Reagans Wirtschaftsberater würden die Politik des Amtsinhabers kritisch beurteilen, sagt Roberts. „Ich hoffe, wir hätten Herrn Trump dazu geraten, die Wirtschaft nicht noch weiter durch Staatsausgaben anzuheizen.“ Das sei angesichts einer Wachstumsrate von drei Prozent unnötig.

Unter anderem Trumps Steuersenkungen haben den Schuldenstand der USA auf über 22 Billionen US-Dollar katapultiert. Schulden, die das Land vor allem über die Ausgabe von kurz laufenden US-Staatsanleihen refinanziert.

Gleichzeitig wächst die Furcht vor einem verschärften Handelskonflikt und einem Abschwung in den USA. Das treibt Investoren in als sicher geltende langfristige US-Staatsanleihen und lässt die Kurse für zehnjährige Papiere steigen. Im Gegenzug sinken die Renditen. So fiel die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen am Mittwoch auf 2,2 Prozent. Das ist der tiefste Stand seit fast drei Jahren.

Das hohe Angebot kurzfristiger Papiere und der Run auf lang laufende US-Staatsanleihen haben eine weitere Folge: Dadurch verflacht sich die sogenannte Zinskurve weiter. Sie bildet das Verhältnis von kurzfristigen und langfristigen Renditen ab. Üblicherweise liegen langfristige Renditen über denen kurz laufender Papiere.

Investoren verlangen im Normalfall eine Prämie dafür, wenn sie ihr Kapital für längere Zeit verleihen. Doch in den USA hat sich dieses Verhältnis teilweise umgekehrt: Staatsanleihen mit dreimonatiger Laufzeit werfen derzeit mehr ab als zehnjährige Anleihen. Eine solche Inversion der Zinskurve gilt als verlässlicher Indikator einer Rezession.

Nationale Verschuldung ist außer Kontrolle

Die Entwicklung beunruhigt immer mehr Investoren. So sagte etwa Starinvestor Jeffrey Gundlach von Doubleline Capital kürzlich dem US-Sender CNBC: „Die nationale Verschuldung ist komplett außer Kontrolle. Der Zustand der Wirtschaft ist zu schlecht, um einen Abschwung auszuhalten.“

Aus Sicht von McKay-Shields-Manager Roberts versucht Trump zwar, mit seiner Steuerreform und anderen Staatsausgaben den Boom weiter künstlich in die Länge zu ziehen. Doch die Risiken würden dadurch nur größer. „Sollte die Blase platzen, wird es einen großen Knall geben.“

Auch Felix Herrmann, Anlagestratege beim US-Vermögensverwalter Blackrock, beobachtet zunehmende Unsicherheit an den Märkten. „Die Wachstumssorgen haben sich aus den geplatzten Handelsgesprächen ergeben. Bei den Anlegern tritt langsam die Erkenntnis ein, dass dadurch nicht nur das Wachstum in China niedriger ausfallen wird, sondern dass der Handelsstreit auch in den USA negative Auswirkungen haben dürfte.“

Das mache sich an den Anleihemärkten bemerkbar: „Der Grund für die Rally bei US-Staatsanleihen ist eindeutig die massive Zunahme an Unsicherheit.“ Die geringen Renditen für langfristige US-Anleihen spiegelten jedoch auch die niedrige Erwartung für das langfristige Wachstum wider.

Hinzu kommt: Die Märkte verlassen sich zunehmend darauf, dass die US-Notenbank Fed bereitsteht, um die Wirtschaft zu stützen. Aktuell rechnen die Investoren bereits mit zwei Zinssenkungen im Jahr 2019. Selbst der Ankauf von Staatsanleihen durch die Fed steht nun wieder im Raum.

Ausverkauf an den Börsen könnte sich fortsetzen

Überrascht die Fed die Märkte mit einem strikteren geldpolitischen Kurs, könnte sich der Ausverkauf an den Börsen fortsetzen. Im Mai haben die wichtigsten US-Börsen bereits zwischen knapp sechs und über sieben Prozent nachgegeben.

Die Ausschläge nach oben und unten werden immer größer, beobachtet Roberts. „Die Marktbewegungen sind derzeit sehr episodisch. Das ist ein typisches Umfeld kurz vor einem Abschwung.“

Zudem steht der US-Anleihemarkt in Kürze vor einer Bewährungsprobe: Dann steht die Emission von kurzfristigen US-Staatsbonds mit einer Fälligkeit Anfang Oktober an. Zur selben Zeit verhandelt jedoch der US-Kongress wieder einmal über eine Anhebung der Schuldengrenze.

Können sich Demokraten und Republikaner ähnlich wie zu Beginn des Jahres nicht einigen, droht dem Land erneut der Stillstand. „Am Markt geht die Angst um, dass die US-Regierung bei einem neuen Shutdown Probleme bekommen könnte, neue Anleihen auszugeben und die Fälligkeiten zu bedienen“, sagt Herrmann.

Ein Zahlungsausfall des weltgrößten Kreditnehmers gilt als undenkbar und extrem unwahrscheinlich. Doch allein das Restrisiko könnte die Volatilität der Märkte auf hohem Niveau halten.

Mehr: Die Nachfrage nach Bundesanleihen ist enorm und drückt die Rendite deutscher Staatspapiere deutlich ins Minus. Lesen Sie hier, warum eine Wende nicht in Sicht ist.

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