Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Venezuela-Anleihen Investoren wetten auf Maduros Abgang – was riskant ist

Die Halter von Venezuela-Bonds hoffen auf den politischen Wechsel. Doch selbst wenn dieser stattfindet, ist nicht sicher, dass sie an ihr Geld kommen.
1 Kommentar
Noch ist Venezuelas Präsident omnipräsent. Doch was aus ihm wird, ist genauso ungewiss wie die Zukunft der Investorengelder. Quelle: AFP/Getty Images
Nicolas Maduro

Noch ist Venezuelas Präsident omnipräsent. Doch was aus ihm wird, ist genauso ungewiss wie die Zukunft der Investorengelder.

(Foto: AFP/Getty Images)

SalvadorEigentlich waren es katastrophale Nachrichten für die Besitzer von venezolanischen Anleihen: Die US-Regierung verkündete letzte Woche harte Sanktionen gegen die Regierung des Diktators Nicolás Maduro. So werden ab sofort alle Zahlungen für Öl aus dem Karibikland und an seinen Ölkonzern PDVSA auf ein Sperrkonto eingezahlt.

Für das Land mit den größten Ölreserven der Welt würde das beim jetzigen Ölpreis in diesem Jahr Verluste von elf Milliarden Dollar bedeuten. Damit werden künftig noch weniger Dollar übrig bleiben, um die Tilgungen auf Anleihen zu zahlen. Das Ölland ist ein zahlungssäumiger Schuldner seit November 2017.

Doch die Ankündigung harter Sanktionen bewirkte keine Panik an den Märkten, sondern genau das Gegenteil: Die Kurse der venezolanischen Bonds haben seit Jahresbeginn rasant zugelegt. Denn mit Juan Guaidó ist erstmals ein Oppositionskandidat aufgetaucht, der Maduro Parole bieten kann.

Der Parlamentspräsident hat sich gerade zum Präsidenten ernannt, und die USA sowie viele Länder Lateinamerikas erkennen ihn als den legitimen Staatsführer an.

Das lässt Investoren nun träumen: Seit der Regierungswechsel wahrscheinlicher zu werden scheint, haben die Staatsanleihen rund 50 Prozent, die PDVSA-Anleihen gar um 80 Prozent zugelegt. Damit befinden sie sich aber immer noch auf dem Niveau von Junkbonds: Staatsbonds sind nach den Anstiegen im Januar auf 25 bis 30 Prozent ihres Nominalwertes gestiegen, fast alle PDVSA-Anleihen auf 15 bis 20 Prozent.

Das ist ein deutliches Zeichen. Offensichtlich gehen Investoren davon aus, dass ihre Junkbonds mit einem baldigen Regierungswechsel in Venezuela weiter an Wert zulegen würden. Alberto Ramos von Goldman Sachs ist zuversichtlich, dass Venezuela die schwere Krise bei einem Abgang von Maduro schnell hinter sich lassen könnte.

„Venezuela ist reich an Öl“, sagt Ramos. „Ein Regierungswechsel und eine solide Wirtschaftspolitik können das Land in kurzer Zeit wieder stabilisieren.“

Regierungswechsel ist nicht ausgemacht

Dennoch ist noch völlig offen, ob die Anleihen weiter zulegen werden: Denn ein Regierungswechsel und das Ende des Diktators Maduro, wie die Investoren hoffen, sind noch keineswegs ausgemacht. Die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich weiterhin rasant. Die Inflation ist geschätzt auf 1,7 Millionen Prozent angewachsen.

2019 dürfte das fünfte Rezessionsjahr in Folge werden. Um 50 Prozent ist die Wirtschaft seitdem geschrumpft. Auch die Verschuldungssituation ist konfus, weil die Zentralbank keine Daten mehr veröffentlicht.

So beziffert Capital Economics den Schuldenstand Venezuelas bei ausländischen Kreditgebern auf 121 Milliarden Dollar. Oxford Economics kommt auf 146 Milliarden Dollar.

Grafik

Zudem ist keineswegs ausgemacht, dass die Anleihebesitzer im Falle eines Regierungswechsels wirklich an ihr Geld kommen werden. Denn angesichts der schweren humanitären Krise dürften erstmals prioritär ausländische Neuinvestitionen und Kredite in den Wiederaufbau des Landes fließen.

„Es ist gut möglich, dass der IWF und Washington einen Neustart wollen und die Anleiheschuldner erst einmal völlig ignorieren“, schätzt Lateinamerika-Experte Walter Molano von BCP Sec.

Denn es sind vor allem professionelle Investoren, die sich in den letzten Jahren mit den Ramschbonds aus Venezuela eindeckten: Die größten Besitzer von Venezuela-Bonds sind die Vermögensverwaltungstöchter Pimco und Allianz Global Investors, der US-Vermögensverwalter Blackrock sowie das US-Fondshaus Fidelity, wie aus Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg hervorgeht.

Diese Investitionen sind umstritten. „Hungerbonds“ hat sie Ricardo Hausmann, der ehemalige Wirtschaftsminister Venezuelas und heutige Harvard-Professor verächtlich genannt, als die Investmentbank Goldman Sachs vor zwei Jahren Anleihen von PDVSA kaufte.

Weil die Bevölkerung unter Maduro hungerte, gerieten Investmentbanken wie Goldman Sachs in die Kritik, da sie mit ihren Investitionen Venezuelas korrupte Regierung unterstützten. „Es wird Jahre dauern, bis venezolanische Anleihen bedient werden“, prognostiziert Hausmann.

Investoren drohen Probleme mit der US-Justiz

Es ist nicht das einzige Warnsignal, das Anleger kennen sollten. Auch sonst ist es riskant, jetzt Venezuela-Anleihen zu kaufen, um vom möglichen Wertzuwachs zu profitieren. Denn Investoren könnten massive Probleme mit der US-Justiz bekommen.

Nach den gefälschten Wahlen 2017 haben die USA Sanktionen gegen Venezuela verhängt: Seitdem ist es amerikanischen Banken verboten, Venezuela-Bonds zu kaufen oder zu handeln. Investoren ist es zudem untersagt, venezolanische Unternehmen zu kaufen, an denen der Staat einen Anteil hat, oder US-Dollar für den Kauf oder Verkauf venezolanischer Anleihen oder Aktien zu benutzen.

Wie schnell sich der Wind drehen kann, das merken bereits die Besitzer des PDVSA-Bonds, der 2020 ausläuft. Diese Anleihe mit der attraktiven Verzinsung von 8,5 Prozent hat Venezuelas Ölkonzern immer noch bedient – trotz des allgemeinen Defaults.

Der Grund: Der Bond ist mit Aktien der US-Tankstellenkette Citgo abgesichert, die dem venezolanischen Staatskonzern gehört. Venezuelas Machthaber wollten auf jeden Fall vermeiden, dass Bondhalter die Aktien der Tankstellenkette pfänden, wenn sie zahlungssäumig würden. Es ist ihr wertvollster Besitz im Ausland, „die Kronjuwelen Venezuelas“, wie Bloomberg einmal schrieb.

Doch mit dem jetzigen verschärften Ölembargo ist es unwahrscheinlicher geworden, dass PDVSA die nächste Zinszahlung am 27. April noch anweisen wird. Die Anleihe, die mit 94 Prozent ihres Nominalwerts gehandelt wird, hat zuletzt als einziger Bond kräftig verloren. Bis zum 27. April müssen die Besitzer noch weiter zittern.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Venezuela-Anleihen - Investoren wetten auf Maduros Abgang – was riskant ist

1 Kommentar zu "Venezuela-Anleihen: Investoren wetten auf Maduros Abgang – was riskant ist"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Guter Artikel, aber der Titel!
    Jeder weiss doch, dass Wetten ind Investieren riskant sind, und es keine Garantien fuer den Erfolg gibt. Man koennte es auch als eine Moeglichkeit sehen. Daher, der moeglich Abgang Maduros bringt Hoffnung fuer die Venezuelaner. Ich treffe mich gleich mit meinen venezuelanischen Freunden, und diskutiere die neuesten Geschehnisse. Man sollte auch mal das Positive hervorheben.

    Und - das schwefelhaltige Schweroel Venezuelas braucht derzeit wirklich niemand. Da gibt es besseres, in rauen Mengen.