Warnsignal an den Bond-Märkten Das Zinsniveau von US-Staatsanleihen macht die Anleger nervös

Die Zinsdifferenz zwischen zweijährigen und zehnjährigen US-Staatsanleihen ist ein Krisenindikator – und nähert sich einer gefährlichen Marke.
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Das Ende der expansiven Geldpolitik der Fed sorgt für steigende Zinsen bei kurzfristigen US-Staatsanleihen. Quelle: AP
Händler an der Wall Street

Das Ende der expansiven Geldpolitik der Fed sorgt für steigende Zinsen bei kurzfristigen US-Staatsanleihen.

(Foto: AP)

FrankfurtAn den Finanzmärkten gilt sie als verlässlicher Krisenindikator. Sämtliche Rezessionen hat sie seit den 50er-Jahren vorweggenommen: die Zinsstrukturkurve von US-Staatsanleihen, die die Renditen kurzfristiger und langfristiger US-Staatsanleihen ins Verhältnis setzt. Und dieses Verhältnis hat am Mittwoch eine neue, beunruhigende Marke erreicht.

Der Renditeunterschied zwischen einer zweijährigen und einer zehnjährigen US-Anleihe beträgt derzeit nur noch etwa 0,3 Prozent. Das bedeutet: Wer den USA für zwei Jahre Geld leiht, kann derzeit mit etwa 2,5 Prozent Zinsen rechnen. Wer sein Geld mit zehn Jahren fünf Mal so lange anlegt, erhält mit 2,8 Prozent nur 0,3 Prozentpunkte mehr. Der Unterschied ist minimal – und er könnte sich weiter verkleinern.

Laut Lehrbuch sollten Investoren einen Renditeaufschlag erhalten, wenn Sie ihr Geld über einen längeren Zeitraum verleihen. Papiere mit einer Laufzeit von zwei Jahren werfen daher gewöhnlich weniger ab als Papiere mit einer zehnjährigen Laufzeit. Doch derzeit droht sich dieses Verhältnis umzukehren – Profis sprechen von einer „inversen Zinsstruktur“.

„Die US-Renditekurve befindet sich in gefährlicher Nähe zur Aussendung eines Signals, das seit über einem halben Jahrhundert Rezessionen zuverlässig angezeigt hat“, heißt es in einer Studie der Commerzbank vom April 2018. Seither ist die Zinsdifferenz um weitere 20 Basispunkte zurückgegangen.

Kehrt sich das Verhältnis um – also steigt die Rendite kurzfristiger US-Staatsanleihen über den Ertrag von langfristigen Papieren – wäre das aus Sicht der Commerzbank ein fatales Signal: In neun von zehn Fällen sei es binnen zwei Jahren nach der Umkehr der Zinskurve zu einer Rezession in den USA gekommen, schreiben die Analysten.

„Das ist ein Signal, das man durchaus ernst nehmen muss“, sagt Commerzbank-Analyst Christoph Rieger. Er rechne jedoch damit, dass sich die Zinsstruktur in den USA erst in der zweiten Jahreshälfte 2019 umkehrt. Dann könnten zweijährige und zehnjährige Anleihen mit jeweils 3,2 Prozent rentieren.

Dass das Verhältnis von kurzfristigen zu langfristigen Zinsen von Finanzprofis so stark beachtet wird, hat mehrere Gründe: An den Märkten gilt die Faustregel, dass die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen die langfristigen Wachstumserwartungen der Marktteilnehmer widerspiegelt. Sinken die Renditen, könnte das dafür sprechen, dass die Investoren langfristig geringeres nominales Wachstum erwarten.

Hinzu kommt: Langlaufende US-Treasuries gelten als risikoloses, langfristiges Investment – und in Krisenzeiten als sicherer Hafen. Wenn Investoren eine Krise erwarten, schichten sie ihr Vermögen in zehnjährige US-Papiere um. Dadurch sinkt die Rendite. Das niedrige Zinsniveau bei langfristigen US-Anleihen könnte daher ein Indiz sein, dass die Märkte sich für den Krisenfall wappnen.

Gleichzeitig erhöht die US-Notenbank Fed schrittweise die Leitzinsen und beeinflusst damit vor allem die Renditen kurzfristiger Staatsanleihen. Die US-Regierung wirft außerdem immer neue kurz laufende Anleihen auf den Markt, um die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump zu finanzieren. Weil jedoch die Käufer für Kurzläufer ausbleiben, steigen dort die Renditen – und die Zinsstrukturkurve kippt.

Für Christian Lenk von der DZ Bank sind diese Aussichten jedoch noch kein Grund zur Panik: „Konjunkturell prognostizieren wir derzeit keine Rezession in den USA“. Das Abflachen der US-Zinskurve sei derzeit eine Reaktion der kurzfristigen Renditen auf die Leitzins-Entscheidungen der Fed.

Lenk erwartet, dass die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen nachziehen und zum Jahresende bei 3,5 Prozent notieren. Das hieße: Die langfristigen Zinsen bleiben vorerst höher als die kurzfristigen Zinsen.

Andreas Lipkow – „Anleger nehmen lieber das Risiko aus ihrem Portfolio“

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Vor allem die EZB dürfte hoffen, dass das von DZ-Bank-Analyst Lenk entworfene Szenario eintritt. Denn ein Umkehren der Zinsstruktur in den USA und eine baldige Rezession könnten die europäischen Zentralbanker auf dem falschen Fuß erwischen, wie die Commerzbank-Analysten notieren.

Die EZB bereitet erst schrittweise ihren Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik vor. Damit können die Zentralbanker kaum mit Anleiheankäufen oder einer Zinssenkung reagieren, sollte die Weltwirtschaft in die nächste Krise schlittern.

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