Wegen Schuldenberg Investoren flüchten aus Italien

Der italienische Schuldenberg wächst und wächst. Mittlerweile stehen die Südeuropäer mit fast zwei Billionen Euro in der Kreide. Ausländischen Investoren ist das offenbar unheimlich. Sie ziehen ihr Geld aus Italien ab.
Update: 13.08.2012 - 12:27 Uhr 9 Kommentare
Italienische Euro-Münze. Quelle: dpa

Italienische Euro-Münze.

(Foto: dpa)

MailandDer immense Schuldenberg des krisengeplagten Eurolands Italien ist im Juni weiter gewachsen. Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf den Rekordwert von 1972,9 Milliarden Euro, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Montag unter Berufung auf Angaben der italienischen Notenbank berichtete. Im Mai hatten die Schulden 1966,3 Milliarden Euro betragen. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone steckt in einer tiefen Rezession und hat große Probleme, sich an den Kapitalmärkten zu vertretbaren Konditionen zu refinanzieren.

So musste Italien am Montag trotz der künftig möglichen Käufe von Geldmarktpapieren durch die Europäische Zentralbank (EZB) bei einer Auktion von Geldmarktpapieren etwas mehr Zinsen zahlen. Die Rendite lag bei Papieren mit einer zwölfmonatigen Laufzeit bei 2,767 Prozent, wie die italienische Schuldenagentur in Rom mitteilte. Bei der letzten vergleichbaren Auktion Mitte Juli hatte sie noch bei 2,697 Prozent gelegen. Insgesamt nahm Italien mit der Auktion 8,0 Milliarden Euro auf und erreichte damit das anvisierte Maximalziel.
Die Baustellen für die Technokratenregierung des parteilosen Wirtschaftsprofessors Mario Monti werden nicht weniger: Zwar stiegen die Steuereinnahmen im ersten halben Jahr 2012 laut Notenbank um 2,1 Prozent oder 3,7 Milliarden Euro gegenüber den ersten sechs Monaten 2011. Allein im Juni gab es ein Plus von 5,8 Prozent. Dies sei unter anderem auf die neue Immobiliensteuer IMU zurückzuführen.

Nach einem Bericht der Zeitung „La Repubblica“ vom Montag ziehen aber immer mehr Großinvestoren ihr Kapital aus dem Krisenland ab. In weniger als zwei Jahren seien mehr als eine Billion Euro abgeflossen, schreibt die Zeitung ohne Nennung von Quellen. Das sei etwa die Hälfte des italienischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Einlagen ausländischer Kunden bei italienischen Banken seien innerhalb eines Jahres um 18 Prozent gesunken.

  • rtr
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9 Kommentare zu "Wegen Schuldenberg: Investoren flüchten aus Italien"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • *schmunzel*
    Die laufen 1 Jahr, bis dahin wird auch Italien noch nicht pleite sein.

  • Italiens Staatsverschuldung wächst übrigens jeden Monat um über 9 Milliarden Euro. Monat für Monat. (Quelle: ZH)

    Da muss netshadow viele, viele Bonds kaufen, wenn die Italo-Refinanzierung nicht irgendwann platzen soll :)

  • Italien hat wunderbare Pasta und Mama :)
    "Die Stärke der italienischen Wirtschaft liegt im verarbeitenden Gewerbe, vor allem in kleinen und mittelständischen familiengeführten Unternehmen. Laut zentralem Statistikinstitut ISTAT zählen 95,2 % zu den Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten."
    Das ist für mich als Anleger wesentlich wichtiger, sowas wie FB-Deseaster und andere merkwürdige "psychologische" Wertschöpfungen, gibt es in Italien weniger. Apple läßt das meiste Zeugs in China produzieren, als auf dem eigenen Arbeitsmarkt. Für mich auch ein Faktor wo ich mein Geld anlege. Und - gegessen wird immer.

  • Sammelte Italien heuer nicht wie geplant acht Milliarden Euro ein? Der Zinssatz lag bei 2,767 Prozent. Die Auktion war 1,7-fach überzeichnet und ist besser gelaufen als im Vormonat Juli.
    Sieht so eine Flucht der Investoren aus?

  • Ja gut.

    Aber Italien eben. Das hat doch keinen Zweck und das wissen Sie und auch die Italiener.

    Italien ist nicht usa.

  • USA hat Intel. Boeing. Apple. Microsoft. Google. GE.
    Italien hat? Ricardo Cartillone? Fiat?

    Aber trotzdem gutes Gelingen mit den Italo-Bonds.. die Hoffnung stirbt ja immer zuletzt.

  • Eurozone: ca. 91%
    Großbritannien: ca. 97%
    USA: ca. 111%
    Japan: ca. 221%
    Da lege ich lieber in einem Euro-Land an, wenn schon.
    Von wegen dem Vertrauen von dem auch Rogoff / Reinhardt sprechen.

  • Rogoff / Reinhardt lesen. Ab 90% Staatsverschuldung gemessen am BIP verdrängt die Schuldenfinanzierung private Investments, der Zinsdienst stranguliert dann die gesamte Wirtschaft. Point of no return.

    Italien jetzt glaube bei 123% - das wird ein Abschreiber, der die Welt aus den Angeln hebt.

  • Auf jeden Fall sind Italienische Anleihen attraktiver als US-Anleihen.
    Und die 7,5 Millarden Zinsen (5% im Schnitt geschätzt) für die 150 Millarden, die das ganze Jahr finanziert werden müssen, sind Peanuts für Italien. Diese Zinsen bekommt ja auch "jemand". Vermögen ist genug da, auch wenn die Wirtschaftsleistung aufgrund der weltweiten Anzeichen zurück geht.
    Italien und Spanien sind nicht Griechenland, die ihre Strukturen nicht in den Griff bekommen (wollen).
    "Investoren" die nur Geld in Anlagen parken und Rendite kassieren, ohne aktiv an der Erwirtschaftung teilnehmen zu wollen, auf die kann sowieso jedes Land verzichten.

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