Windreich-Pleite Windige Anleihen

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Anleihegläubiger bekommen zuletzt Geld

Willi Balzer, Geschäftsführer von Windreich, musste Insolvenz anmelden. Quelle: dpa

Willi Balzer, Geschäftsführer von Windreich, musste Insolvenz anmelden.

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Windreich ist nun ein Fall für Anlegeranwälte. Anleihezeichner haben vor dem Landgericht Regensburg eine Klage gegen die Bank J. Safra Sarasin eingereicht, weil sie sich schlecht über die Geschäftsaussichten informiert fühlten. Die Anleihebesitzer sollten sich nun so schnell wie möglich organisieren, damit sie nicht leer ausgehen, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet wird, sagte Rechtsanwalt Klaus Nieding von der Kanzlei Nieding und Barth. „Sie werden nachrangig behandelt, stehen also am Ende der Nahrungskette, wenn es hart auf hart kommt.“

Nieding führt einen Vergleich mit der Insolvenz der Düsseldorfer Immobilienfirma WGF an. „Dort saßen Anlegervertreter im Gläubigerausschuss und konnten die zunächst  avisierte Erstattung von 19 Prozent des Anleihewertes auf 60 Prozent steigern“. Nur wenn sich die einzelnen Gläubiger nicht auseinanderdividieren ließen, hätten sie Chancen auf eine angemessene Beteiligung an der Insolvenzmasse. 

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) rät ebenfalls zu einem gemeinsamen Vorgehen.  Anleger müssen laut SdK damit rechnen, dass „die Anleihen nicht mehr zu den jeweiligen Fälligkeitstagen zurückbezahlt werden und in Zukunft auch keine Zinszahlungen mehr zu erwarten sind“. Nach der SDK-Stellungnahme sei mit „größeren Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Gläubigergruppen“ zu rechnen, da „die Anleiheinhaber laut Halbjahresbericht (30. Juni 2012) nur rund ein Viertel aller ausstehenden Finanzverbindlichkeiten der Windreich GmbH ausmachen“.

Zusätzlich können Privatanleger prüfen lassen, ob die Anlagerisiken in den Prospekten angemessen beschrieben worden sind und ob sie im Verkaufsgespräch richtig beraten worden sind. Dann könnten sich Ansprüchen wegen Prospekthaftung oder Falschberatung ergeben. Rechtsanwältin Daniela Bergdolt erklärt, dass die Schweizer Bank Sarasin ab dem Jahr 2010 als Hauptgläubigerin in großem Stil Anleihen an Anleger verkauft hätte. „Dabei hat die Bank verschwiegen, dass sie selbst ein erhebliches Eigeninteresse an dem Verkauf der Anleihen hatte: Die Windreich AG stand bei ihr mit über 70 Millionen Euro in der Kreide“, erläutert Bergdolt. Der  „massive Interessenkonflikt“ begründe Schadenersatzansprüche gegen die Bank, erste zivilrechtliche Klagen ihrer Kanzlei würden laufen, auch wegen angeblich verschwiegener Provisionen.

Auch wenn Windreich zuletzt keine echte Mittelstandsanleihe mehr war, mit der neuen Pleite dürfte die Kritik am noch neuen Segment für Mittelstandsanleihen wieder lauter werden. „Wir laufen Gefahr, dass das Segment der Mittelstandsanleihen genauso vor die Hunde geht wie einst der Neue Markt“, sagt Nieding. Nach seinen Angaben würden Banken bei dieser Anlageklasse bewusst Risikofinanzierungen an Privatanleger weitergeben, die sie selbst schon längst nicht mehr in ihren Büchern sehen möchten: „Da werden Anleiheemissionen als letzte Finanzierungsquelle genutzt“. 

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7 Kommentare zu "Windreich-Pleite: Windige Anleihen"

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  • Regulative Eingriffe werden riskante Finanzierungen kaum aus der Welt schaffen. Die Mittelstandsbonds platzen seit Anfang des Jahres reihenweise und Anleger sowie Handelsblatt zeigen sich erstaunt wie es dazu kommen konnte. Jeder Zeichner sollte sich vergewissern, womit die Anleihe besichert wird und ob die eigene Anlage in einem Streßszenario erstranging oder nachrangig behandelt wird. Es gilt vorrangig am Verständnis der Finanzierungsinstrumente anzusetzen. Es liegt nicht an der allgemeinen Form von Mittelstandsanleihen, sondern um das was im Einzelfall von einem bestimmten Papier strukturiert wird. In Deutschland machen da Schuldscheindarlehen mehr Sinn. Sie zeichnen sich aus durch viel geringere Kosten für den Emittenten, höhere Renditen für die Investoren und einfache und transparente Vertragsgestaltung aus. Je nach Anbieter kommen folgende Eigenschaften dazu: vertragliche Abtretung der Forderungen an die Gläubiger, Immobilien und Grundschulden als Sicherheiten, geschlossene Kontensystemen, Reportings von Treuhändern, die die Mietkonten kontrollieren und natürlich ein Rating mit Investment Grade.
    Es ist für immer wieder ernüchternd von Experten und der Fachpresse diese Vorbehalte immer plakativ gegenüber einer Anlageform zu hören; die Unternehmen dahinter sind doch in den Fokus zu nehmen und eine Investition anhand der Analyse des Emittenten und dann der Anleihebedingungen zu bewerten. Daran müsste das HB und andere allerdings noch arbeiten.

  • Das Schlimmste ist, daß sich die Fonds-Gesellschaften auch auf diese Weise entschulden, indem sie die Anleihen haufenweise in ihren Fonds abladen.
    Kaum ein Kleinanleger schaut sich die Fonds-Berichte an, meistens fehlt das Wissen daß es so etwas gibt.
    Ich habe vor kurzem in einem Anleihen-Fonds, den ein Bekannter gekauft hatte, fast ausschließlich Pfandbriefe von spanischen Pleitebanken gefunden!!
    Das handelt jetzt zwar nicht von Mittelstandsanleihen, aber es ist der gleiche Schwindel. Ich schreibe es nur, weil die Empfehlung Fonds zu kaufen hier ausgesprochen wurde. Mit ETF's und Fonds kann man genau so reinfallen, wie mit einzeln gekauften Anleihen.

  • Ist doch klar. Rechnet sich einfach nicht, da kann man machen was man will ...

  • Ein weiterer Fall von subventioniertes Unternehmen pleite, Unternehmer reich...TOLL!

  • Von den sog. "Mittelstandsanleihen" sollten Anleger die Finger lassen. Die Risiken sind enorm! Wer in diesem Segment unterwegs sein möchte, kann sich einen anständigen Fonds anschaffen, der in Hochzinsanleihen anlegt (Diversifikation). Die meissten Anleger werden wohl nicht soviel Kapital zur Verfügung haben, um ausreichend in Mittelstandsanleihen zu diversifizieren...

  • @winter
    eigentlich wäre ja solarworld ja schon eher fällig...
    Asbeck betreibt mit Solarworld immer noch Insolvenzverschleppung im großen Stil.

  • als nächster ist dann prokon dran....

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