Windreich-Pleite Windige Anleihen

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Der Finanzbedarf der Mittelständler ist immens

Eine Untersuchung der Ratingagentur Scope sollte Anleger nachdenklich stimmen. Der Finanzbedarf der Mittelständler ist immens. Bereits im nächsten Jahr stehen laut Scope die ersten Mittelstandsanleihen zur Refinanzierung an. Insgesamt wird ein Volumen von 185 Millionen Euro fällig. In den Jahren 2015 und 2016 erhöht sich das Refinanzierungsvolumen dann bereits spürbar auf jeweils rund 670 Millionen Euro. Bis 2017 steige das Volumen an auslaufenden Mittelstandsbonds auf rund eine  Milliarde Euro. Die verbleibenden Anleihen mit einem Volumen von insgesamt mehr als 1,2 Milliarden Euro sind erst in den Jahren ab 2018 fällig.

Scope rechnet zwar damit, dass „der weit überwiegende Teil“ der Unternehmen die auslaufenden Anleihevolumen erfolgreich refinanzieren wird und nur in Ausnahmefällen  Insolvenzen vorkommen dürften. Trotzdem stiegen die Kosten für Risikoaufschläge kräftig an. Die emittierenden Unternehmen werden laut Scope immer kleiner und der Anteil der  Anleihen an der Bilanzsumme steige immer weiter an. Aus Unternehmensperspektive ist es in der Regel nicht sinnvoll, zu stark von den begebenen Anleihen abhängig zu sein.  

Verbraucherschützer Niels Nauhauser will das Segment aber trotzdem nicht verteufeln.  „Mittelstandsanleihen sind eine notwendige Finanzierungsmöglichkeit für Unternehmen und für Anleger – richtig eingesetzt – ein weiteres Instrument für eine diversifizierte Geldanlage“, sagt er. „Allerdings muss der Markt richtig reguliert sein und ein ausreichend hohes Anlegerschutzniveau sicherstellen.“ BondM sei kein gesetzlich geregelter Markt, das müssten Anleger wissen. Die Transparenz- und Publizitätspflichten seien nicht ausreichend. „Hier kann und muss man vieles verbessern“, so Nauhauser.

Grundsätzlich sei eine Insolvenz aber kein Grund, ein ganzes Segment in Frage zu stellen. „Pleiten gehören dazu, Schuldner fallen aus – das ist eine völlig normale und ganz unvermeidbare Entwicklung an Kapitalmärkten“, sagt Verbraucherschützer Nauhauser. „Im Fall von Windreich hat sich eine Schieflage seit längerem abgezeichnet.“ Anleger hätten anhand der Börsenkurse ahnen können, dass dem Unternehmen ernste Probleme drohen und sie hätten ihre Anleihen jeder Zeit über die Börse verkaufen können – wenn auch mit Verlust.

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7 Kommentare zu "Windreich-Pleite: Windige Anleihen"

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  • Regulative Eingriffe werden riskante Finanzierungen kaum aus der Welt schaffen. Die Mittelstandsbonds platzen seit Anfang des Jahres reihenweise und Anleger sowie Handelsblatt zeigen sich erstaunt wie es dazu kommen konnte. Jeder Zeichner sollte sich vergewissern, womit die Anleihe besichert wird und ob die eigene Anlage in einem Streßszenario erstranging oder nachrangig behandelt wird. Es gilt vorrangig am Verständnis der Finanzierungsinstrumente anzusetzen. Es liegt nicht an der allgemeinen Form von Mittelstandsanleihen, sondern um das was im Einzelfall von einem bestimmten Papier strukturiert wird. In Deutschland machen da Schuldscheindarlehen mehr Sinn. Sie zeichnen sich aus durch viel geringere Kosten für den Emittenten, höhere Renditen für die Investoren und einfache und transparente Vertragsgestaltung aus. Je nach Anbieter kommen folgende Eigenschaften dazu: vertragliche Abtretung der Forderungen an die Gläubiger, Immobilien und Grundschulden als Sicherheiten, geschlossene Kontensystemen, Reportings von Treuhändern, die die Mietkonten kontrollieren und natürlich ein Rating mit Investment Grade.
    Es ist für immer wieder ernüchternd von Experten und der Fachpresse diese Vorbehalte immer plakativ gegenüber einer Anlageform zu hören; die Unternehmen dahinter sind doch in den Fokus zu nehmen und eine Investition anhand der Analyse des Emittenten und dann der Anleihebedingungen zu bewerten. Daran müsste das HB und andere allerdings noch arbeiten.

  • Das Schlimmste ist, daß sich die Fonds-Gesellschaften auch auf diese Weise entschulden, indem sie die Anleihen haufenweise in ihren Fonds abladen.
    Kaum ein Kleinanleger schaut sich die Fonds-Berichte an, meistens fehlt das Wissen daß es so etwas gibt.
    Ich habe vor kurzem in einem Anleihen-Fonds, den ein Bekannter gekauft hatte, fast ausschließlich Pfandbriefe von spanischen Pleitebanken gefunden!!
    Das handelt jetzt zwar nicht von Mittelstandsanleihen, aber es ist der gleiche Schwindel. Ich schreibe es nur, weil die Empfehlung Fonds zu kaufen hier ausgesprochen wurde. Mit ETF's und Fonds kann man genau so reinfallen, wie mit einzeln gekauften Anleihen.

  • Ist doch klar. Rechnet sich einfach nicht, da kann man machen was man will ...

  • Ein weiterer Fall von subventioniertes Unternehmen pleite, Unternehmer reich...TOLL!

  • Von den sog. "Mittelstandsanleihen" sollten Anleger die Finger lassen. Die Risiken sind enorm! Wer in diesem Segment unterwegs sein möchte, kann sich einen anständigen Fonds anschaffen, der in Hochzinsanleihen anlegt (Diversifikation). Die meissten Anleger werden wohl nicht soviel Kapital zur Verfügung haben, um ausreichend in Mittelstandsanleihen zu diversifizieren...

  • @winter
    eigentlich wäre ja solarworld ja schon eher fällig...
    Asbeck betreibt mit Solarworld immer noch Insolvenzverschleppung im großen Stil.

  • als nächster ist dann prokon dran....

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