Berichtssaison beginnt Dax-Ausblick: Märkte bleiben unter Druck

Anleger müssen sich darauf einstellen, noch eine Weile durchs Jammertal zu gehen. Das legen aktuelle Nachrichten ebenso nahe wie die Kommentare der Experten dazu. Im Schatten der Krise gedeiht kein Optimismus. Und nun startet auch noch eine turbulente Berichtssaison.
Anleger müssen sich darauf einstellen, noch eine Weile durchs Jammertal zu gehen. Das legen aktuelle Nachrichten ebenso nahe wie die Kommentare der Experten dazu. Quelle: Handelsblatt

Anleger müssen sich darauf einstellen, noch eine Weile durchs Jammertal zu gehen. Das legen aktuelle Nachrichten ebenso nahe wie die Kommentare der Experten dazu.

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HB FRANKFURT. Die Nachrichten um die Commerzbank zeigen, wie ernst die Lage in der Finanzbranche nach wie vor ist. Auch andere Sektoren trüben die Stimmung: Die Exporte sind so stark eingebrochen wie noch nie seit der Wiedervereinigung - für den Exportweltmeister Deutschland ein harter Schlag. In der kommenden Woche publizieren einige Unternehmen bereits ihre Ergebnisse des vierten Quartals 2008. Beobachter rechnen mit schlechten Zahlen durch die Bank.

"Die bevorstehende Berichtssaison sollte überwiegend schlecht ausfallen", stellen zum Beispiel die Marktbeobachter der Commerzbank in ihrem Wochenausblick fest. "Da ist sicherlich mit weiteren Hiobsbotschaften zu rechnen", vermutet auch Analyst Carsten Klude von MM Warburg.

Einen "Belastungstest" erwartet auch Dennis Nacken, Kapitalmarktanalyst bei Allianz Global Investors. "Allerdings bestehen Hoffnungen, dass die Märkte den Belastungen standhalten können." Seinen Optimismus begründet der Marktbeobachter damit, dass die Konjunktur- und Gewinnerwartungen der Marktteilnehmer bereits sehr pessimistisch seien, die Bewertungen im historischen Vergleich entsprechend niedrig und die Kassenbestände von Investoren schon relativ hoch.

In einer Studie haben die Analysten von Allianz Global Investors eine "große Schere zwischen aktuellem Kurs- Gewinn-Verhältnis (ca. 9) und historischem Durchschnitt (ca. 15)" festgestellt. In Konsequenz "erscheinen Rückgänge bei den Unternehmensgewinnen von rund 40 Prozent bereits eingepreist".

Positive Impulse erwarten Beobachter dann noch aus den USA: In der ganzen Welt wird mit Spannung erwartet, wann der neue US-Präsident Barack Obama sein angekündigtes Konjunkturprogramm starten kann und wie umfangreich es ausfallen wird.

"Die Amtseinführung Obamas am 20. Januar könnte den Markt kurzfristig etwas stabilisieren", hofft Klude. Obama wird dann den Amtseid als 44. Präsident der USA ablegen. Wenn es eine Obama-Rally gebe, dann müsse sie bald beginnen, sagt Klude. Er rechnet einen Teil der Gewinne, die der deutsche Aktienmarkt seit Weihnachten gemacht hat, der Hoffnung vieler Investoren zu, Obama könnte die Rezession in der weltgrößten Volkswirtschaft ein wenig abbremsen.

LBBW-Aktienstratege Steffen Neumann sieht indes wenig Chancen dafür, dass der Präsidentenwechsel die Börsen stützt: "Vorschusslorbeeren wird der Markt Obama nicht geben", warnt er. Der Dax zumindest hat in der ersten vollen Handelswoche 2009 die nachweihnachtlichen Gewinne nicht verteidigt. Die psychologisch wichtige Marke von 5 000 Punkten ist wieder in die Ferne gerückt. Vor Weihnachten hatte der deutsche Leitindex allerdings noch bei 4 629 Punkten gelegen. Neumann befürchtet ein noch weiteres Abdriften: "Ich denke, der Dax könnte schon bald die 4 500-Punkte-Marke testen."

Die Börsenexperten des Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger sehen Chancen auf eine Bodenbildung. "Allerdings bleibt die Spannbreite bezogen auf den Dax doch sehr breit", schreiben sie in ihrer aktuellen "Marktmeinung aus Stuttgart". Die Charttechniker verweisen auf eine Unterstützungslinie bei 4 000 Punkten und eine Widerstandslinie bei 5 150 Punkten. Erst wenn sie nachhaltig überschritten wird, sehen sie Potenzial bis 5 400 Punkte. Immer wieder für Unruhe sorgen nach Ansicht der Stuttgarter die Finanzwerte, die mit Gewinnwarnungen den Gesamtmarkt verunsichern. Unterstützung würden zurzeit Technologiewerte und Rohstoffe geben.

Hoffnung setzt Allianz Global Investors-Experte Nacken auf "die entschlossene Fiskal- und Geldpolitik". Die Maßnahmen der Notenbanken könnten dazu führen, dass das für die Realwirtschaft wichtige "Schmiermittel" Geld wieder in ausreichender Menge fließen wird. "Erste kleinere Erfolge sind erkennbar", sagt Nacken: Die Risikoprämien am Interbankenmarkt scheinen sich allmählich zu reduzieren.

"Vieles hängt jetzt auch an der Wirksamkeit der angekündigten Konjunkturprogramme, die eine allgemeine Renaissance erleben", sagt Alexander Lukas von der Weberbank. "Leider werden wir nur im Nachhinein erfahren, ob und in welcher Form diese sinnvoll waren." Zumindest würden Investoren derzeit auf die Konjunkturprogramme unter anderem in Europa, den USA und China hoffen. "Wir sind der Meinung, dass die tatsächliche Verfassung der Unternehmen und der globalen Wirtschaft diese Entwicklung allerdings nicht widerspiegelt, denn die Gesamtlage ist nach wie vor schlecht", dämpft Lukas diese Hoffnungen.

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Termine der kommenden Woche

In den USA wird am Montag Alcoa mit der Vorlage des Quartalsberichts den Auftakt für die US-Berichtssaison machen. Der Alu-Riese hatte in der vergangenen Woche eine drastische Schrumpfkur mit einer Halbierung seiner Investitionen und einem massiven Stellenabbau angekündigt. Am Donnerstag wird Intel seine endgültigen Zahlen veröffentlichen. Der weltgrößte Chipkonzern hat vorsorglich die Umsatzerwartungen schon heruntergeschraubt.

Aus Europa stehen Zahlen der Handelsriesen Metro und Carrefour an. Die Düsseldorfer legen am Dienstag ihre Umsatzzahlen vor. Am Donnerstag folgt Rivale Carrefour, der Mitte Dezember seine Umsatzprognose gesenkt hat. Anleger sollten dabei vor allem nach vorn schauen, empfiehlt LBBW-Experte Steffen Neumann: "Die Zahlen für 2008 werden vermutlich noch keine katastrophalen Einbrüche aufweisen. Aber die Ausblicke könnten entscheidend sein", erklärt Neumann. Analysten großer US-Banken hatten ihre Anlageempfehlungen zuletzt für die Metro-Aktien schon merklich gesenkt und dem Aktienkurs des Kaufhof-Mutterkonzerns damit arg zugesetzt.

Neben Unternehmensnachrichten könnten auch anstehende Börsentermine für zusätzliche Volatilität sorgen: Der so genannte kleine Verfall an den Terminmärkten bewirkt oft genug auch einige Bewegung bei Aktienkursen. Fällig werden Optionen auf Aktien und Indizes.

Auf der Konjunkturseite steht die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag im Fokus. Die Agentur Reuters hatte bis zum 6. Januar Analysten befragt; sie rechnen meist damit, dass die Währungshüter die Zinsen um 50 Basispunkte auf 2,0 Prozent senken. Die EZB würde damit dem allgemeinen Trend folgen. "Falls sie sich zu einem solchen Schritt doch nicht durchringen kann, dürfte sie auf jeden Fall ankündigen, dass sie die Zinsen Anfang Februar kräftig senken wird", erwartet Commerzbank-Analyst Christoph Balz. Mit Spannung werden die Märkte in jedem Fall die Pressekonferenz von EZB-Chef Jean-Claude Trichet im Anschluss an die Zinsentscheidung verfolgen.

Schon am Dienstag könnte der Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, bei einer Rede vor der Londoner School of Economics für Schlagzeilen sorgen. Ansonsten stehen in den USA eine Reihe von Konjunkturdaten an, darunter der Einzelhandelsumsatz am Mittwoch und die Verbraucherpreise sowie der Index zum Verbrauchervertrauen der Universität von Michigan am Freitag.

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