Börse für Wachstumsunternehmen Bloß kein Neuer Markt 2.0

Viele Wachstumsfirmen in Deutschland machen bislang einen großen Bogen um die Aktienmärkte. Die Deutsche Börse will das mit einem neuen Segment ändern – und Fehler aus Zeiten der New Economy unbedingt vermeiden.
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Carsten Kengeter, CEO der Deutschen Börse (links), will deswegen den Entry Standard durch eine neue Plattform ersetzen. Quelle: Reuters
Deutsche Börse will für Start-ups attraktiver werden

Carsten Kengeter, CEO der Deutschen Börse (links), will deswegen den Entry Standard durch eine neue Plattform ersetzen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie Deutsche Börse wagt einen neuen Anlauf: Mit einem runderneuerten Handelssegment will sie jungen Unternehmen wieder eine Heimat am Aktienmarkt geben. Ziel ist es, kleinen und mittelständischen Firmen besseren Zugang zu Risikokapital zu verschaffen. Denn die schlechte Versorgung mit Geld für Wachstum galt in den vergangenen Jahren als eines der größten Probleme der deutschen Gründerszene.

Groß war der politische Druck. Im Koalitionsvertrag hat sich die aktuelle Bundesregierung vorgenommen, einen „Neuen Markt 2.0“ ins Leben zu rufen. Doch davor scheute die Börse lange zurück wie der Teufel vor dem Weihwasser.

Zu dunkel sind die Erinnerungen an die Geldvernichter des Neuen Marktes rund um die Jahrtausendwende. Zum Start am 10. März 1997 knallen auf dem Frankfurter Parkett noch die Sektkorken. Goldgräberstimmung macht sich breit, die Aussicht auf schnellen Reichtum lockt tausende Privatanleger in Aktien. Doch Kursrallys bringen den Neuen Markt als „Zockermarkt“ in Verruf, aufgeblasene Bilanzen, Kursbetrug und Insiderhandel geben der „New Economy“ den Rest. Seit dem 5. Juni 2003 ist dieser Neue Markt Geschichte.

Diese Konzerne stiegen aus dem Dax ab
Altana
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Der Chemiekonzern Altana aus Wesel war von 2002 bis 2007 im Dax vertreten. Nach der Abspaltung der Pharmasparte stieg das Unternehmen im Börsenranking ab.

HypoVereinsbank
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Die HypoVereinsbank war von 1998 bis 2005 im Dax gelistet. Das Geldhaus entstand aus der Fusion der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank und der Bayerischen Vereinsbank. Beide Häuser waren schon vor der Fusion, seit 1988, im Index vertreten und somit Gründungsmitglieder. 2005 wurde die Bank von der italienischen Unicredit übernommen und verlor damit die Position im Deutschen Aktienindex.

Degussa/Degussa-Hüls
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Der Goldhändler Degussa aus Frankfurt am Main konnte sich von 1988 bis zum Jahr 2008 einen Platz im höchsten deutschen Aktienindex sichern und war ebenfalls eines der ersten Unternehmen im neu gegründeten Dax. Der Abstieg erfolgte, nachdem Teile des Unternehmens an die RAG veräußert wurden.

Deutsche Babcock/Babcock Borsig
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Babcock Borsig, beziehungsweise der Vorgänger Deutsche Babcock war von 1988 bis 1995 im Dax gelistet und somit eines der Gründungsmitglieder des Deutschen Aktienindex. Der Industriekonzern aus Oberhausen ging 2002 pleite.

Dresdner Bank
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Die Dresdner Bank war ebenfalls Gründungsmitglied des Dax und bis 2001, nach der Übernahme durch die Allianz, im Index gelistet. 2009 fusionierte die Dresdner Bank schließlich mit der Commerzbank.

EPCOS
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Das Elektronikunternehmen EPCOS kam 2000 in den Dax und wurde schon 2002 wieder herabgestuft. 2009 wurde EPCOS unter dem Dach des japanischen Elektronikherstellers TDK mit selbigem zusammengeführt.

Feldmühle Nobel
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Der ehemalige Papierhersteller Feldmühle Nobel war eines der Gründungsmitglieder des Dax. 1990 wurde das Unternehmen durch den finnischen-schwedischen Konzern Stora Enso übernommen und aus dem Deutschen Aktienindex gestrichen.

Seitdem fehlt der Deutschen Börse ein wirklich attraktives Segment für kleine und mittlere Unternehmen. Und für viele Firmen in Deutschland fällt die Börse damit als Geldgeber in einer kritischen Phase der eigenen Entwicklung aus. Das soll sich nun ändern. „Mit unserem neuen Segment bringen wir diese Unternehmen mit Investoren zusammen und ermöglichen so die Finanzierung von Wachstum“, erklärte Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter am Montag.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte die Initiative: „Ich bin zuversichtlich, dass das neue Segment entscheidend dazu beitragen kann, dass wir wieder mehr Börsengänge von jungen innovativen Wachstumsunternehmen in Deutschland sehen.“

Am 1. März 2017 startet das neue Angebot – und dabei will die Börse alte Fehler unbedingt vermeiden. Es ist zwar als Teil des sogenannten Freiverkehrs vorgesehen, dem etwas weniger regulierten Teil des Aktienhandels. Allerdings soll bei Weitem nicht jeder Interessent in dieses Segment aufgenommen werden. So sollen höhere Berichterstattungspflichten gelten als beim sogenannten Entry Standard, der von dem neuen Angebot ersetzt werden soll.

Kay Bommer, Geschäftsführer des Deutschen Investor-Relations-Verbandes, ist zuversichtlich, dass das neue Börsensegment funktionieren kann. Die hohen Anforderungen seien ein Zeichen dafür, dass der deutsche Kapitalmarkt „erwachsen geworden“ sei. Der Schritt alleine reiche aber nicht aus, um Wachstumsfinanzierungen hierzulande nachhaltig anzuschieben. So seien etwa steuerliche Anreize für Eigenkapitalgeber wünschenswert. Ähnlich äußerte sich Börse-Chef Kengeter.

Nach gescheiterten Ideen steht Deutsche Börse unter hohem Erfolgsdruck
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1 Kommentar zu "Börse für Wachstumsunternehmen: Bloß kein Neuer Markt 2.0"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr......

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
    Danke

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