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Crash von 1987 Die Mutter aller Börsenpannen

Vor fast genau 25 Jahren brach die Börse ein. Der 19. Oktober ging als Schwarzer Montag in die Geschichte ein. Gelernt hat Börsenwelt daraus nicht. Die Risiken sind nicht geringer geworden - nur schneller.
6 Kommentare
Am 19. Oktober 1987 erlebt die Wall Street ihren schwärzesten Tag.

Am 19. Oktober 1987 erlebt die Wall Street ihren schwärzesten Tag.

Es war der größte Crash der Nachkriegszeit, und es war der erste Computer-Crash überhaupt an der Börse: Der Schwarze Montag am 19. Oktober 1987. Heute vor 25 Jahren brach der Dow Jones um fast 23 Prozent ein – so viel wie noch nie in der mehr als 100-jährigen Geschichte des US-Aktienmarkts. Knapp ein Viertel der Marktkapitalisierung oder 500 Milliarden Dollar lösten sich in nur sechseinhalb Stunden in Luft auf.

Die Börsianer gerieten in Panik, manche wollten nur noch abhauen. „Die Menschen quollen buchstäblich aus dem Gebäude der Börse heraus. Sie strömten auf die Straße, stolperten übereinander. Männer weinten und sagten: ‚Es ist weg, alles ist weg‘“, sagt Mike Earlywine. Er erlebte den Schwarzen Montag in New York als junger Angestellter bei Salomon Brothers, heute ist er 47 Jahre alt und für einen Hedge-Fonds tätig.

Was sich anhört wie eine Anekdote aus dem Geschichtsbuch, ist mehr als das: Der Crash von 1987 ist ein mahnendes Lehrstück. Es zeigt, was passiert, wenn der Mensch nichts mehr zu melden hat und die Maschinen übernehmen. Bei der Aufarbeitung des Crashs von 1987 kam heraus, dass Computer den rasanten Absturz beschleunigt hatten.

Das Problem ist dasselbe, damals wie heute: Wenn die Anleger die Nerven verlieren, wenn alle gleichzeitig verkaufen wollen, und diese Dynamik durch Computer verstärkt wird, dann sind die Handelssysteme der Börsenbetreiber schnell überfordert. Angesichts des superschnellen Computerhandels, der die Börsen heutzutage beherrscht, ist die Frage nach der Beherrschbarkeit der Systeme aktueller denn je.

„Jeder versuchte zur selben Zeit durch denselben Ausgang zu kommen, aber die Tür war nicht groß genug“, sagt Buzzy Geduld über den Crash von 1987. Er hatte damals 60 Aktienhändler unter seiner Aufsicht. Heute, als Chef der Investmentfirma Cougar Trading, hält er die Börsen nicht für sicherer: „Die Volumina, die wir bewegen, sind gigantisch. Aber an der Größe der Tür hat sich nichts geändert.“

Der Präsident ist alarmiert

In der Woche vor dem Schwarzen Montag waren die Aktienkurse bereits gefallen, die Umsätze deutlich gestiegen. Die Händler hatten viele Verkaufsaufträge bis zum Börsenschluss am Freitagabend nicht mehr ausführen können. Am handelsfreien Wochenende kamen Gerüchte über eine neuerliche Zinserhöhung der Notenbank auf – die hatte schon sieben Mal in diesem Jahr die Zinsen erhöht und damit für Nervosität an den Märkten gesorgt.

Alle Zutaten für einen Kursrutsch waren da. Dennoch: Einen konkreten Auslöser für den Crash vor 25 Jahren gab es nicht. Als die Börsen am Montagmorgen öffneten, gerieten die Kurse unter Druck. Die Welle an Verkäufen kam ins Rollen – und verselbständigte sich. Schon nach wenigen Minuten waren die technischen Systeme an der Wall Street überlastet. Aufträge konnten nur mit Verzögerung ausgeführt werden, wenn überhaupt. Das verstärkte die Panik.

Nicht nur der Präsident – Ronald Reagan regierte im Weißen Haus – war alarmiert. Doch auch er konnte über die Ursachen nur rätseln. Reagan beteuerte, der Wirtschaft des Landes gehe es gut.

Erst später wurde klar, dass die zu jener Zeit schon aktiven Handelscomputer eine unrühmliche Rolle bei dem Crash gespielt haben mussten. Der damalige Chef der New Yorker Börsenaufsicht SEC, David S. Ruder, sagte später, steigende Zinsen und ein hohes Handelsdefizit hätten zu den Massen-Verkäufen beigetragen. Der seinerzeit beliebte Programmhandel - eine Art Vorläufer des heutigen Algo-Tradings - habe aber alles noch verschlimmert.

Ein Frankfurter Aktienhändler, der seinerzeit auf dem Parkett arbeitete und heute immer noch Aktien handelt, sieht das genauso: „Schon damals haben einige gesagt: ‚Mensch, jetzt schalte doch mal die Computer aus!'“ Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank erinnert sich: „Der Crash war vollkommen übertrieben. Was da abgegangen war, hatte mit der Wirtschaftslage nichts zu tun. Sachlich war das einfach nicht gerechtfertigt. Es handelte sich nur um eine Überhitzung.“

Panik in Frankfurt

Die Banken vertrauten ihren automatischen Verkaufsprogrammen, die niemand stoppte. Weltweit stürzten an diesem Tag die Aktienkurse ab. Dass sie in Deutschland „nur“ um gut zehn Prozent fielen, hatte einen einfachen Grund: Den Dax gab es vor 25 Jahren noch nicht. Damit fehlte das Interesse großer internationaler Investoren. In Frankfurt wurde nur zwei Stunden am Tag gehandelt.

Das änderte jedoch nichts daran, dass auch in der Mainmetropole Entsetzen herrschte. „Das war schon heftig. Ich habe nur gedacht, ich muss ein Vorbild sein für meine Händler und darf nicht in Panik ausbrechen", sagt Fidel Helmer, der jetzt Berater bei Hauck & Aufhäuser ist und der 1987 schon seit 17 Jahren an der Börse arbeitete. „Die Informationen kamen am Anfang nur spärlich rein, es ging ja vieles noch über Telefon und Telex. Ich war bis Mitternacht bei der Arbeit, um überhaupt hinterherzukommen. Manche Kollegen haben auch im Büro übernachtet“, erzählt er.

„Die Orderzettel wurden per Hand ausgefüllt und wir kamen mit den Verkaufsaufträgen gar nicht mehr hinterher“, berichtet ein damals 26-jähriger Kollege Helmers. „Wir haben auch nicht realisiert, wie viel Kapital da vernichtet wurde“, fügt er hinzu.

Ein anderer Börsianer, der ein großes Aktienportfolio verwaltete, erinnert sich: „Ich ging zu meiner Freundin und sagte ihr: ‚Ich glaube, ich habe heute richtig viel Geld verloren.‘ Danach habe ich eine Flasche Whisky aufgemacht.“

Eine der ersten Reaktionen auf den Crash von 1987 war die Einführung von automatischen Handelsunterbrechungen. Fortan sollte der Handel für eine bestimmte Zeit gestoppt werden, sobald die Kurse mehr als zehn Prozent fallen.

Das kann den Handel für den Moment entschleunigen. Dennoch wäre es reichlich naiv, zu glauben, es gebe die totale Sicherheit vor einem Computer-Crash. Zwar sind die Rechner der Börsenbetreiber um ein Vielfaches leistungsfähiger und schneller geworden, die der Trader allerdings auch.

Sie bombardieren die Handelsplattformen mit einer unvorstellbaren Zahl an Aufträgen, genauso schnell können sie sie wieder zurückziehen. Im Hochfrequenzhandel geht es heute um Sekundenbruchteile. An der Frankfurter Börse vergehen von der Übermittlung der Order über die Verarbeitung bis hin zur Rückmeldung an den Auftraggeber 0,25 bis 0,3 Millisekunden. Ein Mensch kommt da nicht mehr mit. Die Computer – gefüttert mit ausgeklügelten Algorithmen – handeln eigenmächtig.

Die Gefahr ist nicht gebannt

An der Deutschen Börse machen Computer fast die Hälfte des Handelsvolumens - täglich rund fünf Milliarden Euro - unter sich aus, blitzschnell, vollautomatisiert, ohne dass ein Mensch seine Finger im Spiel hat. An den US-Börsen soll der Anteil sogar bei knapp 70 Prozent liegen.

Seit einigen Jahren häufen sich die Pannen. Beim sogenannten „Flash-Crash“ im Mai 2010 fiel der Dow Jones innerhalb von Sekunden um 1.000 Punkte, vorübergehend wurden 900 Milliarden Dollar vernichtet. Der automatisierte Handel hat den Crash zwar nicht ausgelöst, ihn aber verstärkt. „Jeder, der versucht, die Rolle der Hochfrequenzhändler beim Flash-Crash klein zu reden, war damals entweder nicht in einem Handelsraum oder hat ein Interesse daran, den Status quo ohne jegliche Regulierung aufrechtzuerhalten“, sagte David Lauer, Berater bei Better Markets, der den Crash im Handelsraum eines Kunden miterlebte. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis das wieder passiere.

Im März dieses Jahres endete der Börsengang der US-Börse BATS Global Markets im völligen Chaos, nachdem die Aktie binnen Minuten von 16 Dollar auf unter einen Cent rauschte. Beim Börsengang von Facebook an der Nasdaq im Mai konnte in der ersten halben Stunde kein Kurs ermittelt werden, weil die Technik überfordert war.

Anfang August kam es erneut zu einer Panne an der New York Stock Exchange (Nyse). Über viele Minuten hinweg gab es extrem hohe Umsätze und heftige Schwankungen bei zahlreichen Aktien. Die Tokioter Börse setzte bereits zwei Mal in diesem Jahr wegen technischer Probleme den Handel aus.

„25 Jahre danach reden wir immer noch über die Auswirkungen der Technologie auf die Märkte und was für Lösungen geschaffen werden könnten, um die Bewegungen einzudämmen”, sagt Ken Leibler, 1987 Präsident der American Stock Exchange und heute Berater. „Mit dem Hochfrequenz-Handel werden gigantische Handelsumsätze getätigt, aber heute geschieht das in Sekundenbruchteilen”, erläutert Leibler. „Das Problem heute ist das gleiche wie damals.“

Der Crash von 1987 trug alle Merkmale der modernen Computerpannen in sich, nur dass heute alles noch schneller vonstatten geht. Das hat auch seine Vorteile. Damals brauchte der Markt Monate, um sich von dem Schlag zu erholen. Nach dem „Flash Crash“ war der Spuk innerhalb eines Handelstags wieder vorbei, die Börse korrigierte fehlerhafte Trades. Zugegeben, das ist nur ein schwacher Trost.

Finance Briefing
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  • Bloomberg
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6 Kommentare zu "Crash von 1987: Die Mutter aller Börsenpannen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ja und, was will man uns mit dem Bericht jetzt sagen? Künstlich Angst und Panik erzeugen?
    Dann macht man eben über Jahre mehrere 100%, und verliert vielleicht in dem 1 Jahr mal wieder 30% davon.

    Qualitäts-Aktien gehören jedenfalls in jedes gut diversifizierte und strukturierte Portfolio. Es gibt nachweislich KEINE bessere Asset-Klasse zum langfristigen (15, 20 Jahre oder länger) Vermögensaufbau und zur Altersvorsorge als Aktien. In mageren Jahren ernährt man sich halt von der bzw. hat man ja immer noch die Dividende.

  • Öftere Börsenbeben sind das beste. Die Notenbanken sollten eigentlich niemals intervenieren. Desto öfters kleinere Beben gibt, desto weniger große Börsenkräche wird es geben. Jetzt ist wieder Zeit, dass die Kurze purzeln.

  • Was auch immer zwischen 1987 und 2012 geschehen oder auch nicht geschehen ist - eines ist sicher:
    Einen solchen Verschnitt aus aufgebauschtem Börsen-Nonsens und halbherziger Recherche mit Reflexbedienung von Vorurteilen hätte es im handelsblatt von 1987 niemals - ich betone: niemals - gegeben.
    Der Artikel wäre in dieser Form schlicht nicht erschienen.

  • Die Mutter aller Börsenpannen
    _________________________________________

    Tja, Kinder, das wars dann - nun wo wir das wissen kurz vor Feierabend, nun wird alles besser.

    Und die Lösungen liegen so nahe: Computer abschaffen und selbst nachdenken.
    Oder etwa nicht?

    nice weekend @ all

  • Der Artikel war einfaches Geld für den Journalisten.

    Noch 10mal copy&paste an andere Verlage und er hat sein Monatssoll vielleicht erfüllt.

  • Das Wesen eines jeden Crash ist die Stop-Loss-Order! Wieso nur, Handelsblatt, schiebst du den Schwarze Peter stupid einfach auf die Technik?
    Hinter jedem Trade - computergestützt, oder von Hand mit Kreide auf Schiefer geschrieben - steht ein Mensch, der ihn veranlasst. Der Fehler liegt beim Broker, welcher seinen Computer stur anweist, bei Unterschreiten eines gewissen Wertes weiter zu verkaufen - man nennt das auch die Exponentialfunktion! Es stünde jedem Broker frei, bei 15 % Verlust immer noch zu halten, nur tut dies schlicht niemand.
    Ja, die Tür ist noch immer da, die Tür wird auch immer bleiben! Das dynamische Verhalten chaotischer Systeme ist eines der größten Probleme der theoretischen Physik. Vermutlich wird niemand je vorhersagen können, bei welchem Wert sich innerhalb welcher Zeit ein Index durch Käufe stabilisiert, wenn es vorher zu panikartigen Verkäufen kommt. Allein an der Zeit zwischen zwei Trades liegt es nicht, und am Computer sowieso nicht, wenn man schlauen Programmen dumme Anweisungen gibt!
    Wieso nur, Handelsblatt, schätzt selbst du als Fachzeitschrift nicht, dass der Computer nichts anderes macht als das auszuführen, was ihm Menschen auftragen. Hau doch nicht den Sack, wenn du die Stop-Loss-Order meinst!

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