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Devisenplattform Die Deutsche Börse hat 360T fast ideal integriert

2015 kaufte die Deutsche Börse die Devisenplattform 360T. Obwohl es zu Beginn Probleme gab, wird die Übernahme inzwischen als positiv eingestuft.
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Im vergangenen Jahr wuchs die Firma aus eigener Kraft um zehn Prozent. Quelle: Deutsche Börse Group
360T Gründer Carlo Kölzer

Im vergangenen Jahr wuchs die Firma aus eigener Kraft um zehn Prozent.

(Foto: Deutsche Börse Group)

FrankfurtBegonnen hat alles auf einer Bierkiste. Dort stand nach der Gründung im Jahr 2000 der Server der Devisenhandelsplattform 360T. Die Firmenzentrale lag damals über einem griechischen Restaurant an einer Frankfurter Ausfallstraße – und die Zukunftsaussichten waren mies.

Die Internetblase war gerade geplatzt, und das Geld für Start-ups war knapp. Mehrmals stand das Unternehmen vor dem Aus. Doch Firmengründer Carlo Kölzer und seine Kollegen beißen sich durch. Und das zahlt sich aus. 2015 kauft die Deutsche Börse das Unternehmen und legt dafür 725 Millionen Euro auf den Tisch.

Nach dem Deal wird 360T als Vorbild für deutsche Fintechs gefeiert. Doch die Integration in den neuen Mutterkonzern ist für die Firma eine Herausforderung. „Wir haben total unterschätzt, wie viele Ressourcen es bindet, sich in eine so große Organisation einzufinden“, sagt Kölzer heute. „Wenn man viel Zeit in Management- und Koordinationsmeetings verbringt, kann man sich weniger um das operative Geschäft und neue Produkte kümmern.“

Das schlägt sich auch in den Wachstumsraten von 360T nieder. 2016 steigt der Umsatz nur um zwei Prozent, 2017 dann um vier Prozent.

Von den zweistelligen Wachstumsraten, die die Deutsche Börse nach dem Kauf in Aussicht gestellt hat, ist 360T weit entfernt. Mitverantwortlich dafür ist auch Gegenwind von den Märkten. „Die teure Übernahme der Devisenhandelsplattform 360T war nicht gerade ein Glücksgriff“, kritisiert Fondsmanager Ingo Speich auf der Hauptversammlung im Mai 2018.

Die Börse kann eine Abschreibung auf ihre Neuerwerbung nur dank eines Bilanzierungskniffs vermeiden: Der Konzern hat nach der Übernahme Teile des Firmenwerts (Goodwill) von 360T in den Sparten Eurex und Clearstream angesetzt, weil beide Geschäftsbereiche von dem Zukauf mittelfristig profitieren sollen.

Im vergangenen Jahr ziehen die Geschäfte von 360T dann deutlich an. Aus eigener Kraft wächst die Firma um zehn Prozent. Inklusive der Übernahme des US-Anbieters GTX klettern die Erträge sogar um 18 Prozent auf 79 Millionen Euro. Kölzer ist mit der Entwicklung zufrieden, zumal 360T sein Angebot kräftig ausgebaut hat.

Heute bietet die Firma unter anderem neue Analysemöglichkeiten und eine breitere Produktpalette für Asset-Manager wie Versicherer und Pensionsfonds. „Hier haben wir unseren Marktanteil seit der Übernahme von zehn auf 20 Prozent ausgebaut“, sagt Kölzer.

Auslandsambitionen

„Hier wollen wir weiter kräftig wachsen.“ Bei den Unternehmen hat 360T in Deutschland schon eine hohe Marktdurchdringung. 29 von 30 Dax-Konzernen und viele MDax-Firmen zählen zu den Kunden. Der 360T-Chef will in diesem Segment in den nächsten Jahren vor allem im Ausland wachsen – „besonders in Asien und Amerika. Da gibt es noch einiges zu tun“.

Aus Sicht von Kölzer ist die Integration von 360T in den Dax-Konzern trotz der Anfangsprobleme insgesamt fast ideal gelaufen. „Die Deutsche Börse hat 360T nicht plattgemacht, sondern in das Geschäft investiert“, sagt der Firmengründer. „Die meisten von uns sind noch hier, ich inklusive.“

Bei einer Übernahme durch die Chicago Mercantile Exchange, die 2015 ebenfalls für 360T geboten hatte, „wäre das wahrscheinlich anders gelaufen“. Die Mitarbeiterzahl ist dank des Kaufs der US-Firma GTX vergangenes Jahr auf 250 gestiegen. Kölzer selbst musste sich an den Arbeitsstil in einer Großorganisation wie der Börse erst mal gewöhnen.

„Heute muss ich viele Entscheidungen erklären, die ich früher einfach so getroffen habe“, erzählt der 46-Jährige. Doch mittlerweile hat er sich eingelebt – und genießt im Konzern einen guten Ruf. „Carlo brennt für das Währungsgeschäft, aber ansonsten ist er ein sehr entspannter Typ“, sagt ein Mitarbeiter.

Dass Kölzer nach dem Verkauf von 360T eigentlich nicht mehr arbeiten müsste, beschert ihm im Vergleich zu anderen Managern eine gewisse Unabhängigkeit: „Ich gehe zur Arbeit, weil ich hingehen will, nicht weil ich hingehen muss“, betont er. Nach dem Verkauf seiner Firma an die Börse einen Gang herunterzuschalten kam für ihn aber nicht infrage. „Im Währungsgeschäft spielen wir in der Champions League. Und wenn man in der Champions League spielt, kann man nicht nur drei Tage die Woche arbeiten.“

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