Ein Tag als Daytrader Ein Selbstversuch mit schnellem Geld

Das Geschäft, mit dem Traum per Knopfdruck reich zu werden, boomt. Dabei packt die Gier auch solche, die sonst mit Vorliebe die Zockermentalität der Banken beklagen. Wie schnell das geht, zeigt ein Experiment.
53 Kommentare

Freie Trader - spekulieren auf eigene Gefahr

Der Traum von der ersten Million ist nur acht Kilobyte groß. Eine E-Mail, versandt von Markets.com. Man freue sich, dass ich mich für sie entschieden habe, schreibt die Dame aus dem Kundenservice. Ich freue mich auch, denn jetzt kann es losgehen. Markets.com ist eine Online-Handelsplattform für Daytrader; für Anleger, die versuchen, aus Geld noch mehr Geld zu machen. Und das in kurzer Zeit.

„In 20 Minuten können Sie traden! Auch für Einsteiger geeignet“, wirbt die Plattform. Also genau das Richtige für mich. Klar, ich weiß, wo der Dax steht, und kenne auch Dollar-Kurs und Ölpreis. Aber dann hört es fast schon auf. Ich investiere nicht an der Börse. Geld verdienen will ich aber trotzdem. 2,5 Prozent Zinsen auf dem Tageskonto oder das bisschen Rendite, das der Bausparvertrag abwirft, reichen mir nicht. Ich will mehr. Schnell.

Claudia Schumacher

Handelsblatt-Reporterin Claudia Panster.

Mir geht es da wie vielen Deutschen. Sie haben ein eigenartiges Verhältnis zum Kapital. Sie beschimpfen Banker, die ihrer Meinung nach zu hohe Boni kassieren, sie vermuten an den Finanzmärkten Zocker am Werk, sie klagen, dass ihre Banken sich zu kurzfristig orientieren. Mit sich selbst aber sind die Deutschen nicht so kritisch. Sie legen ihr Geld gerne bei einer isländischen Direktbank an, wenn es einen Prozentpunkt mehr an Zinsen gibt, sie erwarten von ihrer Lebensversicherung Renditen, die diese mit konventioneller Geldanlage nicht erreichen kann – und sie zocken selbst mal gerne, wenn man sie lässt.

Das Geschäft mit dem Traum vom schnellen Geld boomt. 3,9 Millionen Deutsche haben im vergangenen Jahr mit Aktien gehandelt. Vor allem aber steigt die Zahl derer, die kurzfristig handeln, die Zahl der Daytrader. Schätzungen zufolge liegt allein die Zahl der Nutzer von Online-Plattformen, die täglich mit Währungen spekulieren, bei bis zu 70000.

Privatanleger können auf exotische Währungen wetten, darauf, dass der Uranpreis ein bestimmtes Niveau nicht unterschreitet oder Gold sich schneller verteuert als Silber. Jeder Privatanleger kann seinen eigenen kleinen Handelssaal eröffnen und spekulieren wie die Profis.

Die Idee von André Kostolany, man solle sich Aktien kaufen, Schlaftabletten nehmen und sich dann zehn Jahre hinlegen – sie klingt heute so alt wie die Schlager von Roy Black. Damals, in der guten, heilen Zeit, ging es den Anlegern darum, ihr Erspartes stetig zu mehren. Heute gibt es immer mehr Menschen wie mich, die hoffen, mit dem schnellen Geschäft schnelles Geld zu machen. Die eifrigsten Daytrader kommen auf bis zu 200 Orders im Monat.

Wie aber passt das zusammen? Eine Gesellschaft, die Banker als Zocker beschimpft und der Finanzindustrie Gier vorwirft, gleichzeitig aber selbst eben jener Gier verfallen scheint?

Hebeln, wetten, spekulieren
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53 Kommentare zu "Ein Tag als Daytrader: Ein Selbstversuch mit schnellem Geld"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Einer der heißesten Wettkandidaten ist die Commerzbank-Aktie. Seit die Bank Geld vom Staat bekommen hatte, ging es mit dem Kurs nach unten." - Stimmt nicht. Die Aktie 803200 erreichte erst einmal ein Niveau von 8-9. Dann, dann erst ging es herunter! [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Jeder halbwegs vernünftige Mensch sollte sich den Filam Wall Street (I, nicht II; der von 1988) anschauen und seine Schlüsse ziehen. Denn der ist aktueller denn je.
    "Die Gier ist gut, die Gier ist richtig" - Gordon Gekko

    Ich persönlich kaufe lieber Acker ;-)

  • Das was im Artikel beschrieben wird ist wirklich nur reines ZOCKEN. Hat eigentlich nichts mit Daytrading zu Tun.
    Und noch zum Schlus hinzuschreiben, ich zitiere: ..."Daytrader für einen zweiten Tag – nicht mit mir." kann nur jemand schreiben, der sich noch nie mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt hat und der viel zu emotional an die Sache rangeht. Von heute auf morgen geht das Ganze natürlich nicht. Man sollte wissen was man macht. Ich selbst hab nur eine Trefferquote von nur 40%, d.h. 60% meiner Trades sind Minustrades, aber ich bin trotzdem in gutem Gewinn. Die Kunst dieses Berufes ist, die richtige Balance zu finden und auf den richtigen Moment zu warten.

    Und all die Bücher die man im laufe der Jahre liest bringen einen auch nicht weiter. Sind nette Lektüren, die meiner Meinung nach nur einen Zweck haben. Dem angehenden Trader zu zeigen, dass dieser ganze übertriebene Technische Analyse Schmarren zu nichts zu gebrauchen ist. Technische Analyse, ja, aber in Maßen. Aus technischer Sicht habe ich gelernt, dass 1000000000 Wege nach Rom führen, jedoch profitabel wird man richtig nur, wenn man lernt sich selbst zu beherrschen und auf seinen Plan zu vertrauen. Trading ist definitiv mehr als Zocken, und Geld bleibt einem noch genug übrig. Die Gebühren sind mittlerweile so gering, vor allem bei den Major Paaren EUR/USD, EUR/GBP, ..... so dass das Trading für jeden leistbar ist.

    Die Autorin des Artikels hätte sich definitiv mehr mit dem Thema ausseinandersetzen müssen. Ihre Aktionen erinnern mich an meine Anfängerzeiten. Demokonto auf und losgehts. Schnell Geld auf gut Glück machen. Tja,...ging nur eine sehr kurze Zeit gut.

    Dass man sich beim Trading auch ruinieren kann ist kein Geheimnis, jedoch DEMO-Konten sind ein sehr gutes Lernwerkzeug wenn man das Depot wie ein Echtgeldkonto behandelt.

    Ich, meines erachtens, bin gerne Trader und werde es auch immer sein.

    Ciao

  • "was ich zum Zocken brauche. Über Devisen und sogenannte Contracts for Difference (CFDs) etwa"

    Der Artikel ist nicht übel: erstens, wer an Zocken denkt, kann im Handel nur verlieren. Zweitens, CFD sind meiner Meinung nach nicht das optimale für Anfänger.

  • Erstaunlich wie unsinnig hier argumentiert wird, vom Handelsblatt ist man wirklich bessere Artikel gewohnt. Natürlich ist das Pleiterisiko enorm, wenn man ohne jegliche Ausbildung und Plan an die Sache rangeht.

    Wie wäre es mal mit Hinweisen zum Aufbau eines Tradingplans, ein professionelles Money- und Riskmanagement und so weiter?

    Ich freue mich auf gute Nachfolgeartikel!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Mark Dworatzek
    http://www.day-trading.de

  • Mein Gott, was ein Niveau! Und sowas beim Handelsblatt. Nicht zu fassen.

    Es kostet viele Jahre - Jahre an Lebenszeit - um dieses Geschäft zu verstehen. Dass es irgendwie auch mit Wahnsinn zu tun hat, mag ja sein. Aber diesen Artikel braucht die Welt trotzdem nicht.

  • Ich bin von diesem Artikel leicht enttäuscht. Wie einige Vorredner es schon zur Geltung gebracht haben: So ans Handeln zu gehen ist sinnlos, leichtsinnig und würde schnell zu einem sehr leeren Konto führen.
    Es ist alles nun doch ein bisschen komplizierter als es hier formuliert wurde und ich finde es schade, dass keine einzige Aussage zu den eigentlichen Einschätzungsmethoden - gerade am Devisenmarkt - der Daytrader gemacht wurde.
    Es wurde zwar teilweise auf die analytische Analyse (Arbeitslosenquote, usw.) eingegangen, doch wo ist die systematische Analyse geblieben? Wo ist Fibonacci? Wo sind die Chart-Pattern-Analysen?
    Ich persönlich hätte mich darüber gefreut, wenn man wenigstens teilweise auf die "Zufälligkeit" der Kurse eingegangen wäre, die ja in Wahrheit bei näherer Betrachtung weniger zufällig sind als man zuerst denkt.
    Es gibt noch viel mehr zum Daytrading als in diesem Artikel sehr grobflächig angerissen wird und würde mich freuen, wenn das Handelsblatt in einem zusätzlichen Artikel ein bisschen mehr auf die Realität dieser Thematik eingehen würde.

    Trotzdem, wer sich dafür interessiert, dem kann ich wärmstens empfehlen einer der vielen Daytrader-Plattformen auszuprobieren. Als einziger Tipp rate ich nur: Tut so, als ob das fiktive Kapital euer echtes Geld wäre und vergisst nicht die allergrößte Regel jedes professionellem Daytrader: Risikomanagement.

  • Hallo Jack-Pot und die anderen,
    ich kann die drei Punkte meines Vorredners nur unterstützen. Dabei möchte ich auf die rückständige Position des Handelsblatts hinweisen. Es gibt mittlerweile fortgeschrittene Plattformen, die das Einstiegsrisiko für Trading Anfänger mindern. Dazu gehören ayondo, Zulutrade, etoro und currensee. Die Ansätze sind nicht identisch, aber sie zielen gemeinsam in die richtige Richtung: erfolgreiche Trader zu identifizieren und deren Erfolg technisch für alle anderen zu duplizieren. Das ist ein wegweisendes Modell, welches moderne Kommunikation mit modernem privaten Geldmanagement intelligent verknüpft. Ich sehe eine Generation für die wird es selbstverständlich sein, dass in ihren digitalen Netzwerken nicht nur private Infos sondern auch Geldanlageentscheidungen gehandelt/getauscht werden. Die Frage ist doch: wo stehen die etablierten Banken und Broker, wenn sie nicht mehr Part of the Game sind? Bzw. wie gehen Broker damit um, wenn ihre Kunden plötzlich zu erfolgreich werden? Wer reguliert dann diesen sozialen Finanztransaktionsmarkt, wenn schon heute die Regulierung der klassischen Anlagefelder nur mangelhaft funktioniert? Das sind die Fragen, die heute oben auf der Agenda stehen. Schade, dass davon im Handelsblatt (off- und online) nichts zu lesen ist. Offenbar hat man schon Probleme, dem Daytrading der singulären Akteure so richtig folgen zu können.

  • Ein Promille der Bevölkerung (Einer von Tausend Bürgern) in D ist also im Daytrading involviert und „gierig“. Mit dem Artikel soll die Finanzindustrie nach dem Motto „alle sind gierig“ reingewaschen werden.
    1. Was ist mit dem Rest von 99,9% der Bevölkerung?
    2. Ich habe Respekt vor den privaten Daytradern, denn diese übernehmen das volle unternehmerische Risiko und rechnen nicht mit staatlichen Bailouts.
    3. 95 % der Daytrader sind Verlierer. Analog zum Goldrausch des 19. Jahrhunderts verdienen hauptsächlich die Ausrüster. Früher waren das die Schaufelhersteller und Saloonbetreiber – heute die IT- und Finanzindustrie (Broker) sowie Buchverlage.

  • Der Artikel ist grundsätzlich gut gemeint, da der Zugang zu solchen Tradingkonten mit Margin zu einfach ist. Mit Sorge beobachte ich, dass sich mittlerweile sogar die Sparkasse als CFD-Broker versucht. Hier kann jeder Möchtegern-Trader sein Glück versuchen, und durch die Nachschusspflicht schnell ins Unglück kommen. Sprecht mal mit den Anbietern, die Cash-Burn-Rate ist wahnsinnig hoch.
    Die Umsetzung des Artikels ist schwach, da hier gerade jemand sich mit der Materie befasst, der augenscheilich keine Ahnung hat und obendrein genau damit der oben beschriebenen Gruppe angehört -->Nämlich denen die hier nicht mitspielen sollten.Für alle anderen ist ein CFD/FX-Konto nichts anderes als eine andere Form der Partizipation an einem Underlaying. Halt nur ein bißchen gefährlicher durch die Nachschusspflicht.

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