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John Bogle

„John hat mehr für die Gesamtheit amerikanischer Investoren getan als jeder andere, den ich kenne“, sagte Starinvestor Warren Buffett über den ETF-Erfinder.

ETF-Erfinder John Bogle „Suchen Sie nicht die Nadel, kaufen Sie den Heuhaufen!“

Aus seiner Produktidee erwuchs die billionenschwere Anlagesparte der Indexfonds und ETFs. Jetzt ist der Gründer des US-Fondsanbieters Vanguard gestorben.
Update: 18.01.2019 - 07:25 Uhr Kommentieren

DüsseldorfNun ist er endgültig zur Legende der Finanzwelt avanciert: John („Jack“) Bogle, der den ersten Indexfonds für Privatanleger schuf, ist am Mittwoch im Alter von 89 Jahren gestorben. Sein Prototyp für passives Investieren, der erste nachbildende Fonds des Börsenindexes S&P 500 aus dem Jahre 1976, hat die Welt der Geldanlage im Kern verändert.

Was in den 70er-Jahren mit Bogle zäh begann, hat sich weltweit durchgesetzt. Die Idee ist denkbar einfach: Investoren streuen ihr angelegtes Geld zu geringen Gebühren auf viele Wertpapiere, meist Aktien. Eine Erfahrung, die Bogle motivierte: Viele Fondsmanager, die selbst Aktien für ihre Portfolios auswählen, schlagen auch auf Dauer nicht die Kursentwicklung der Indizes.

Anfangs stieß der studierte Ökonom der Universität Princeton, der seine Abschlussarbeit über die Fondsindustrie schrieb, auf erheblichen Widerstand der etablierten Fondsanbieter. „Alle dachten wirklich, er sei verrückt, aber er war hart genug, um sich nicht zu kümmern, was alle anderen dachten“, erinnert sich Burton Malkiel, US-Ökonom und Verwaltungsratsmitglied bei Vanguard, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Bogle blieb bei seiner Vision, mit den Indexfonds vor allem die langfristige Geldanlage entscheidend zu vereinfachen.

Vermögensverwalter hätten lange dazu geraten, den Markt nicht nur gelassen zu beobachten, sondern auch etwas zu tun. Schließlich treibe Wertpapierumsatz die Einnahmen. Der Vater von sechs Kindern predigte eine andere Variante: „Tun Sie nichts! Stehen Sie einfach da!“ Ein Indexfonds mache es möglich, Geld zu investieren und von der gesamten Marktentwicklung zu profitieren, ohne hektisch handeln zu müssen. Durch die niedrigen Gebühren steige die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu investieren.

Ein Überzeugungstäter

Bogle wurde 1929 in New Jersey quasi in die Große Depression hineingeboren, in der sein Vater unter dem Verlust eines geerbten Vermögens angeblich zerbrach, was Bogle und seine Brüder zu den Großeltern brachte. Nach seinem Studium stieg Bogle beim Vermögensverwalter Wellington Management bis zum Vorstandschef auf und wandelte das Unternehmen später in Vanguard („Vorreiter“) um – benannt nach einem Schiff, das zeitweise als Flaggschiff des britischen Admirals Nelson segelte.

Heute stecken allein im Vanguard 500 Index Fund auf den S&P  500 mehr als 440 Milliarden Dollar. Van‧guard ist mit einem Vermögen von rund fünf Billionen Dollar zweitgrößter Vermögensverwalter der Welt nach dem US-Konkurrenten Blackrock. Der Markt für passive Fonds ist weltweit auf geschätzt zehn Billionen US-Dollar gewachsen – rund ein Fünftel des Gesamtmarktes.

Die börsengehandelten Indexfonds, genannt Exchange Traded Funds (ETF), die erst Anfang der Neunzigerjahre an der New Yorker Börse aufkamen, machen knapp fünf Billionen Dollar aus. Die restlichen passiven Fonds, die vor allem US-Großanleger besitzen, sind nicht börsennotiert.

In Europa hielten passive Fonds nach der Jahrtausendwende ihren Einzug. Aber erst nach der Finanzkrise vor zehn Jahren, in der manche klassische Fonds illiquide wurden und einige geschlossen werden mussten, schwenkten mehr und mehr Anleger auf Indexprodukte um. Seitdem ist das Segment hier ebenfalls rasant gewachsen auf gut 700 Milliarden Euro.

Der enorme Aufschwung der Anlageklasse nährt allerdings auch die Sorge vor möglichen damit verbundenen Risiken. Bogle selbst sorgte mit seiner ETF-Kritik für eine branchenweite Debatte im Zuge der zuletzt stark schwankenden Aktienmärkte, woran viele den Produkten eine Mitschuld geben. Die börsennotierten ETF verleiteten Anleger zu kurzfristigem Handeln – und das widerspreche auch seiner Idee einer langfristig ausgerichteten Anlage.

Bogles Ruf aber bleibt tadellos: So lobte Investoren-Größe Warren Buffett ihn 2017 in seinem jährlichen Brief an die Aktionäre seiner Firma Berkshire Hathaway: „Wenn jemals ein Denkmal errichtet wird, um die Person zu ehren, die das meiste für amerikanische Investoren getan hat, sollte zweifellos die Wahl auf Jack Bogle fallen,“ schrieb der Starinvestor. Er habe Millionen von Anlegern geholfen, weitaus bessere Renditen auf ihre Ersparnisse zu erzielen, als sie sonst verdient hätten. „Er ist ein Held für sie und für mich.“

In einem seiner letzten Interviews sagte Bogle der „Financial Times“: „Es war wie ein Kreuzzug. Wenn du wirklich an etwas glaubst, musst du zum Prediger werden.“ Und das war Bogle wohl: Einem Taxifahrer soll er sein Geschäft erklärt und mit ihm direkt nach der Fahrt einen Fondsantrag ausgefüllt haben.

Der US-Zeitung „Philadelphia Inquirer“ zufolge starb Bogle an Krebs. Bereits im Alter von 31 hatte er aber einen Herzinfarkt, fünf weitere folgten in den Jahren danach. Im Jahr 1967 erhielt der Anlagemanager einen Herzschrittmacher, vor fast dreißig Jahren wurde ihm ein Herz transplantiert. Vor 20 Jahren zog er sich aus dem operativen Geschäft zurück, schrieb dann Investmentbücher und gründete ein Forschungszentrum für Finanzmärkte.

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