Extremszenario Hedge-Fonds bereiten sich auf Euro-Ende vor

Die Investoren wappnen sich für den Zusammenbruch des Euro. Sie spielen alte Strategien in D-Mark und Drachmen durch. Am Ende bleiben die Folgen aber unkalkulierbar: Für den Extremfall gibt es keinen Präzedenzfall.
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Ernstzunehmende Option: Muss bald ein Land die Eurozone verlassen? Quelle: AFP

Ernstzunehmende Option: Muss bald ein Land die Eurozone verlassen?

(Foto: AFP)

LondonDie Euro-Krise bringt selbst Investoren mit scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten an ihre Grenzen. Hedge-Fonds spielen derzeit Extremszenarien durch, um sich für den „Worst Case“ zu rüsten und ihre bittere Erkenntnis lautet: Die Folgen eines Zusammenbruchs der Euro-Zone sind nicht kalkulierbar.

Wegen der Verhandlungsstarre um einen griechischen Schuldenschnitt und der zunehmenden Zweifel an Portugals Reformkraft wird die Möglichkeit, dass mindestens ein Land die Euro-Zone verlässt, von den Hedge-Fonds als kleine, aber ernstzunehmende Option gesehen.

„Wie genau dieses Ereignis ausfallen könnte, lässt sich im Voraus nicht greifen, aber das entbindet dich nicht von deiner Pflicht, dich darauf vorzubereiten“, umschreibt es der Risikochef einer Gesellschaft. Präzedenzfälle gibt es nicht, nicht einmal der Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008 kann als Muster herangezogen werden.

Die kaum regulierten Hedge-Fonds können das ihnen anvertraute Geld viel freier investieren als klassische Investmentfonds. Sie fahren Anlagestrategien auf mathematisch höchstem Niveau, um theoretisch noch fast jeden Verlust zumindest ausgleichen zu können. Und dennoch überzeugt die Wertentwicklung ihrer Portfolios nicht. Die Hedge-Fonds-Branche hat von den vergangenen vier Jahren zwei mit Verlusten abgeschlossen. Besonders hohe liefen im Krisenjahr 2008 auf. 2011 verloren sie nach Angaben von Hedge Fund Research im Schnitt fünf Prozent an Wert. Der breit gestreute US-Aktienindex S&P 500 warf dagegen gut zwei Prozent ab.

Ein Aus der Euro-Zone wie wir sie kennen würde alle Vermögensverwalter vor erhebliche Herausforderungen stellen. Die Szenarien, die die Hedge-Fonds durchrechnen, reichen von massiven Einbrüchen am Aktien- oder Ölmarkt bis zu einer Rally beim Goldpreis.

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22 Kommentare zu "Extremszenario: Hedge-Fonds rüsten sich für das Ende der Euro-Zone"

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  • @ hardy

    keine gute Idee, denn das Lokal und das Inventar gehört uns und wir zahlen die Gehälter des Personals und ...

    Es ist doch eher so: Wir sollten ein paar führende Angestellte feuern (..oder besser gleich guillotinieren..)

  • Erstaunlicherweise werden immer Performance-Vergleich von Hedge Funds nur bis zum Höhepunkt angegeben. Bei Tiger Fund sieht die Rechnung jedoch anders aus:

    Der Finanzautor S. Das schlüsselt es auf:
    http://books.google.de/books?id=-6zejBx1WfMC&pg=PA243&dq=Tiger+Funds+may+have+lost+more+$+than+it+hade+made+over+life&hl=de&sa=X&ei=dAosT_zMHo_s-ga4zdz7DQ&ved=0CDIQ6AEwAA#v=onepage&q=Tiger%20Funds%20may%20have%20lost%20more%20%24%20than%20it%20hade%20made%20over%20life&f=false

  • @karstenberwanger

    "wir fressen hier Dinge, die wir beim Wirt niemals bestellt haben "

    Um in Ihrem BILD zu bleiben: Wechseln Sie doch einfach das Lokal ...

  • @puk

    Auch wenn da ein paar Leute schon im Pelz herumstolzieren - es gilt immer noch das Wort, daß man den Bären erst erlegen muss, bevor man sein Fell verteilen kann ;-)

    Im Moment haben die Herrschaften jedenfalls eher einen virtuellen Pelz und spielen im Sandkasten.

  • Wenn ich Stammkunde in einem Restaurant bin, immer pünktlich zahle trotz Abzocke und der Wirt mir plötzlich statt rührEi, Spiegelei hinstellt, obwohl ich dieses nie bestellt habe...er mir dieses dann reindrücken will, ich fast schon zur Flucht gezwungen werde und mir fast übel vom Geruch wird UND er mir am Schluss dann sagt, ich müsse es doppelt und dreifach bezahlen obwohl ich es nie bestellt habe, dann hau ich dem sein Spiegelei 3fach um die Ohren!!!

    Und genau so läuft das in D ab zur Zeit... wir fressen hier Dinge, die wir beim Wirt niemals bestellt haben und sollen diese 10fach löhnen während man uns rotzfrech in die Taschen greift! Wehren darf man sich nicht DIREKT! Also was tut man??? Ich würde fast sagen: "Zuschlagen bis der Wirt mich in Ruhe lässt und ich meines Weges gehen kann!" aber ich sags nicht ;)

  • Das ist natürlich der Wunschgedanke vor allem amerikanischer und englischer Hedge- Fonds.In solch einer Situation könnten Hedge-Fonds viel Geld verdienen.Auch wenn ein oder zwei Länder die Eurozone verlassen müssen wird der Euro weiter bestehen .

  • @ anonymus_007
    Versichern?? Wozu, wenn ich mich recht entsinne kam Ende 2010 ein Gesetz raus welches besagt, dass die Versicherungen nicht mehr zahlen müssen wenn die Gefahr der Insolvenz besteht. Im Klartext: die Versicherungen selbst werden keinen Cent zahlen, also sind die Pleiten auch für die "abgesicherten" so sicher wie das Amen in der Kirche.

  • Wer über Hedgefonds schreibt die auf den Verfall des Euros spekulieren, sich also SHORT positionieren, muss auch mal die Gegenseite im Auge haben. Die sogenannten Commercials - das sind Marktteilnehmer mit Zugang zu unbegrenzter Liquidität (Zentralbanken, Banken die bei der EZB leihen können). Die nehmen gegenüber den Hedgefonds gerade die Gegenposition ein - sprich LONG auf Euro. Wer mit dem Thema vertraut ist, der weiß das die Commercials die besser informierten und vernetzten Marktteilnehmer sind, sprich ihre Handelsstrategie aufgehen wird. Dank ihrer tiefen Taschen, können sie Kursverluste ohne weitreres wegstecken, wo Hedgefonds schon längst gezwungen sind, das Handtuch zu werfen. Wer immer meint, Hedgefonds sind die ganz großen bösen Jungs am Markt, der hat das System noch nicht verstanden. Hedgefonds - das ist nix weiter als der kleine Mann.

  • @Kea
    Sie haben das Problem erkannt!
    Die ganze Finanzkrise ist nichts anderes, als ein "mathematisches" Verteilungsproblem.
    Nur wie sieht die praktische Lösung aus?
    Wie bekommt man die Gaußsche Normalverteilung wieder hin?

  • Das schönste wäre, wenn alle Hedge-Fonds gleichzeitig "den Bach herunter gehen" würden! Dann gebe es keine Spekulationen mehr!

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