Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

Fünf Tage in Folge hat der Deutsche Aktienindex zuletzt zugelegt.

(Foto: imago/Rüdiger Wölk)

Finanzmärkte Dax auf Jahreshoch – Wie lange hält der Aufschwung?

Einigen Experten wird die Rally langsam unheimlich. Am Mittwoch kletterte der Leitindex auf ein Jahreshoch – die 12.000-Punkte-Marke scheint greifbar.
Kommentieren

FrankfurtEr steigt und steigt und steigt. Fünf Tage in Folge hat Deutschlands Leitindex Dax-30 nun zugelegt. Zur Wochenmitte schloss er 1,7 Prozent höher bei 11.954 Punkten und erreichte damit nicht nur ein Jahreshoch, sondern den höchsten Stand seit Anfang Oktober.

Auslöser für den jüngsten Schub nach oben waren erneut ermutigende Konjunkturdaten aus China. Dort stieg der Index der Einkaufsmanager im Dienstleistungssektor deutlicher als erwartet.

Seit Januar hat der Dax rund 14 Prozent zugelegt und damit den besten Jahresauftakt seit vier Jahren hingelegt. Kurzfristig könnte der Index noch etwas steigen – und auch die psychologisch interessante Marke von 12.000 Zähler scheint erreichbar. Analysten erklären das vor allem mit charttechnischen Gründen und Kursverläufen. Der Dax hat jetzt seine 200-Tage-Linie von zuletzt 11.711 Punkten überwunden.

Das bedeutet, dass er über dem Kursdurchschnitt der vergangenen 200 Handelstage liegt. Viele Investoren orientieren sich an der recht simplen 200-Tage-Linie. Von daher könnten jetzt noch mehr Anleger auf den Zug aufspringen.

Allerdings sind in der Vergangenheit auch viele Anleger bei Dax-Ständen zwischen 11.850 und 12.100 Punkten wieder abgesprungen, betonen die charttechnischen Analysten des Börsenstatistikmagazins Indexradar. Und sprechen eine Warnung aus: „An diesen Wendepunkten könnten sich Anleger auch jetzt wieder orientieren und verkaufen.“

Aus fundamentaler Sicht – also mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung – wird Experten die Rally ohnehin langsam unheimlich. Zahlreiche Konjunkturdaten, gerade aus Deutschland, haben zuletzt enttäuscht. Auch die Gewinne der Dax-Konzerne dürften laut Analysten in diesem Jahr im Schnitt bestenfalls stagnieren.

Deshalb mehren sich die skeptischen Stimmen. Die Schweizer Großbank UBS empfiehlt Investoren, Gewinne am Aktienmarkt mitzunehmen, die DZ Bank hat die Aktienquote in ihrem Musterportfolio gesenkt, der Asset-Manager Amundi hält eine „taktische Risikominderung“ für sinnvoll, und bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS steht die Investmentampel für deutsche, europäische und amerikanische Aktien schon länger nur auf Gelb.

Hauptgründe für den bisherigen Aufschwung gibt es viele: Zum einen war die Panik an den Märkten im vierten Quartal des vergangenen Jahres nach einhelliger Meinung von Experten übertrieben, und schon von daher bot sich Aufholpotenzial.

Grafik

Im vierten Quartal des vergangenen Jahres waren die Börsen – ausgelöst durch die Ängste vor einer Rezession in den USA und einer zu aggressiven Zinspolitik der US-Notenbank (Fed) – eingebrochen.

Der Dax verlor damals 14 Prozent, beim US-Leitindex S&P 500 waren es fast 15 Prozent.

Außerdem hat die Rolle rückwärts der Zentralbanken die Investoren erleichtert. US-Notenbankchef Jerome Powell hatte Ende Januar überraschend erklärt, dass die Fed angesichts der konjunkturellen Entwicklung geduldig sein werde. Später sagte Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, eine erste Zinserhöhung für dieses Jahr relativ deutlich ab.

Dazu setzen Investoren auf eine Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China und darauf, dass es trotz des täglichen Hin und Her doch nicht zu einem harten Brexit kommt.

„Die Märkte sind etwas ins Obligo gegangen und profitieren von Liquidität sowie vorsichtiger Positionierung“, sagt dazu Gunther Westen, Leiter Asset Allocation bei Oddo BHF Asset Management. Vorsichtige Positionierung bedeutet, dass viele Anleger in Aktien noch untergewichtet sind. Teilweise würden aber zu viele positive Entwicklungen eingepreist, wie zum Beispiel die von den Märkten erwarteten Leitzinssenkungen der US-Notenbank in diesem und im nächsten Jahr.

„Wir gehen geradewegs auf die 12.000 Punkte zu“

Aus dem Blick hätten die Märkte außerdem den Handelsstreit zwischen den USA und Europa verloren, alles fokussiere sich derzeit auf den Konflikt zwischen den USA und China. Einen harten Brexit hält Westen zwar für unwahrscheinlich, aber wenn er komme, wäre dies ein Schock für die Märkte.

Damit die Märkte noch weiter deutlich anziehen, müssten „die Konjunkturindikatoren auch in Deutschland und der Euro-Zone deutlich steigen“, meint Westen. Doch danach sieht es nicht aus. Institutionen wie die OECD, der Sachverständigenrat der Bundesregierung und das Ifo-Institut erwarten für das laufende Jahr in Deutschland ein Wirtschaftswachstum von deutlich unter einem Prozent.

Auch von den Unternehmen wird es laut Westen in der Berichtssaison nicht viel Unterstützung geben. Auch hier ist der Dax besonders betroffen: Ob Infineon, BMW, RWE, Lufthansa, Covestro oder RWE – viele Dax-Konzerne haben die Investoren in diesem Jahr erneut auf sinkende Gewinne eingestellt. „Viel Unterstützung in der Berichtssaison wird es nicht geben“, ist Westen überzeugt. Von daher hält auch er in ganz Europa für eher kurzfristig orientierte Anleger „so langsam Gewinnmitnahmen für angebracht“.

Startseite

Mehr zu: Finanzmärkte - Dax auf Jahreshoch – Wie lange hält der Aufschwung?

0 Kommentare zu "Finanzmärkte: Dax auf Jahreshoch – Wie lange hält der Aufschwung?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote