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Indexumstellung Der Deutschen Börse droht nach Euro-Stoxx-Aufstieg Widerstand

Die Frankfurter gehören seit diesem Montag zum europäischen Leitindex. Doch das Potenzial für weitere Kursgewinne ist aus Sicht von Analysten begrenzt.
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Analysten gehen davon aus, dass das aktuelle Zinsumfeld der Deutschen Börse zusetzen wird. Quelle: dpa
Deutsche Börse AG

Analysten gehen davon aus, dass das aktuelle Zinsumfeld der Deutschen Börse zusetzen wird.

(Foto: dpa)

Frankfurt Wenn Vorstandschef Theodor Weimer auf den Aktienkurs der Deutschen Börse blickt, hat er Grund zur Freude. Rund 30 Prozent hat das Papier seit Jahresbeginn gewonnen. Anfang September übertraf die Aktie erstmals die bisherigen Höchstwerte aus dem Jahr 2007 und markiert seitdem ein Rekordhoch nach dem anderen. Seit diesem Montag ist das Unternehmen Mitglied im europäischen Leitindex Euro Stoxx 50.

Weitere große Kurssprünge erwarten viele Analysten in naher Zukunft allerdings nicht. Sie gehen davon aus, dass das aktuelle Zinsumfeld der Deutschen Börse zusetzen wird. Und sie fürchten, dass die Wachstumsraten in den kommenden Jahren geringer ausfallen.

„Die Deutsche Börse ist unseres Erachtens gut aufgestellt und hat in vielen Segmenten starke Marktpositionen“, sagt Jochen Schmitt vom Bankhaus Metzler. „Aber wir haben die Sorge, dass die konzernweiten Wachstumsraten mittelfristig zurückgehen könnten.“ Werte wie im vergangenen Jahr, als die Deutsche Börse ihre Erlöse um 13 Prozent ausbaute, werde der Konzern nachhaltig nicht so fortschreiben können. „Es dürfte in einigen Bereichen auch mal Gegenwind geben.“

Laut Daten von Bloomberg empfehlen aktuell mehr als die Hälfte aller Analysten, die Deutsche-Börse-Aktie zu halten. 29 Prozent plädieren für einen Kauf, 17 Prozent für einen Verkauf. Das Kursziel vieler Analysten liegt derzeit unter dem aktuellen Kurs.

Der Aufstieg in den Euro Stoxx 50 hat dem Unternehmen aus Eschborn bei Frankfurt in den vergangenen Wochen Aufschwung verliehen. Denn viele Anleger setzen auf Indexfonds (ETFs), die Börsenbarometer eins zu eins nachbilden. Einige dieser ETFs mussten sich deshalb mit Aktien der Deutschen Börse eindecken. Nach Angaben des Unternehmens gibt es 33 ETFs auf den Euro Stoxx 50, die insgesamt auf ein Anlagevolumen von 31 Milliarden Euro kommen.

Die Aufnahme in den Euro Stoxx 50 sei grundsätzlich positiv, sagt Metzler-Analyst Schmitt. „Aber wir betrachten das als einen zeitlich begrenzten Kurstreiber. Unsere fundamentale Einschätzung des Unternehmens beeinflusst das nicht.“

Widerstand erwartet Schmitt unter anderem für die Wertpapierverwahrtochter Clearstream, der zweitwichtigsten Sparte des Konzerns. Diese verwaltet 14,5 Milliarden Euro an Kundengeldern, 7,8 Milliarden davon basieren auf US-Dollar. In den vergangenen Jahren hat Clearstream mit diesen Geldern dank der steigenden Leitzinsen in den USA mehr verdient.

Doch nun hat die Fed die Zinsen zweimal infolge gesenkt. „Das dürfte sich negativ auf die Ergebnisse von Clearstream auswirken“, sagt Schmitt. Die Analysten von Berenberg kalkulieren, dass bei einer US-Zinssenkung um einen Prozentpunkt der Gewinn pro Aktie der Deutschen Börse um fünf Prozent geringer ausfällt.

Niedrigzins schlecht fürs Geschäft

Wegen der dauerhaft niedrigen Zinsen in der Euro-Zone dürfte aus Sicht von Experten auch die Derivatebörse Eurex unter Druck geraten. Die wichtigste Sparte des Unternehmens steuerte im vergangenen Jahr 44 Prozent zum Betriebsgewinn der Deutschen Börse bei. „Bei Eurex vermissen wir aktuell höhere Wachstumsraten bei den Aktienindex- und Zinskontrakten“, sagt Metzler-Experte Schmitt. Bei den Zinskontrakten gebe es angesichts des Zinsumfelds auch „kaum Anzeichen dafür, warum die Handelsvolumina mittelfristig deutlich steigen sollten“.

Die Analysten von Berenberg gehen davon aus, dass der Handel mit Zinsderivaten in Europa in den nächsten Jahren schwächeln wird, da Unternehmen und Investoren aufgrund der dauerhaft niedrigen Zinsen weniger Bedarf haben, Zinsrisiken abzusichern. Für die Deutsche Börse sind das schlechte Nachrichten, denn das Geschäft mit mittel- und langfristigen Zins-Futures trägt Schätzungen zufolge rund 15 Prozent zum Konzerngewinn bei.

Die Berenberg-Analysten haben die Aktie der Deutschen Börse deshalb vergangene Woche von Halten auf Verkaufen heruntergestuft. Grundsätzlich kritisieren sie, die Deutsche Börse sei zu abhängig von einer kleinen Zahl an Derivateprodukten und damit letztlich von der Aktivität an den Finanzmärkten. Darüber hinaus weisen sie darauf hin, dass die Börse keine großen, schuldenfinanzierten Übernahmen stemmen kann. Denn der Konzern darf das Rating seiner Tochter Clearstream nicht gefährden, für die eine gute Bonitätsnote essenziell ist.

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Die Deutsche Börse hat in den vergangenen Jahren mehrere kleine und mittelgroße Zukäufe gestemmt. Milliardenschwere Übernahmen oder Fusionen sind dem Unternehmen im Gegensatz zur Konkurrenz jedoch nicht gelungen. Auch der 2019 gestartete Versuch, dem Finanzdatenanbieter Refinitiv dessen Devisenhandelsgeschäft FXall abzukaufen, wird aller Voraussicht nach scheitern, weil der Konkurrent London Stock Exchange (LSE) Refinitiv als Ganzes übernehmen will.

Bei seinem Plan, den Rückstand auf die wertvollsten US-Börsenbetreiber durch große Deals zu verkürzen, ist Vorstandschef Weimer bisher also nicht nennenswert vorangekommen. Die Chicago Mercantile Exchange (CME) ist an der Börse aktuell 69 Milliarden Euro wert, die Intercontinental Exchange (ICE) 47 Milliarden Euro. Die Deutsche Börse kommt lediglich auf gut 26 Milliarden Euro.

Ob große Deals gut für die Deutsche Börse wären, ist unter Analysten umstritten. Unstrittig ist, dass Skaleneffekte im Börsengeschäft grundsätzlich von Vorteil seien. Zudem fänden es einige Experten sinnvoll, wenn der Konzern durch große Zukäufe seine Abhängigkeit von Marktschwankungen reduzieren würde.

Andere Analysten fürchten dagegen, dass die Deutsche Börse bei großen Deals wie in der Vergangenheit kein gutes Händchen hat und gegebenenfalls zu viel bezahlt. Bei größeren Transaktionen sehe er „gegenwärtig eher Risiken als Chancen“, erklärte DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel im Sommer in einer Studie.

Aktuell blicken in der Börsenlandschaft alle gespannt auf den Versuch der Börse Hongkong, den Konkurrenten LSE zu übernehmen. Die Londoner haben die Offerte aus dem Fernen Osten jedoch barsch zurückgewiesen und betont, stattdessen die Übernahme von Refinitiv voranzutreiben.

Die Analysten von Berenberg gehen davon aus, dass die LSE-Aktionäre diesen Kurs unterstützen, aber die „Vorzüge des Refinitiv-Deals angesichts der Offerte der Börse Hongkong noch kritischer hinterfragen werden“. Manche Experten zweifeln beispielsweise, ob die Eikon-Terminals von Refinitiv der LSE wirklich weiterhelfen. Sollte die geplante Refinitiv-Übernahme noch scheitern, könnte die Deutsche Börse bei FXall am Ende vielleicht doch noch zum Zug kommen.

Schlecht wäre es für die Deutsche Börse dagegen, wenn es zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer kommt. Finanzminister Olaf Scholz hat angekündigt, das Projekt auf europäischer Ebene voranzutreiben. „Eine Finanztransaktionssteuer könnte die Deutsche Börse belasten, weil sie negativen Einfluss auf die Handelsaktivität an ihren Handelsplätzen nehmen könnte“, sagt Metzler-Analyst Schmitt.

Wie groß die Belastungen für die Deutsche Börse wären, hängt stark von der Ausgestaltung ab. Aktuell sieht es so aus, als würde eine mögliche Steuer nicht auf Derivate, sondern nur auf Aktiengeschäfte erhoben. In diesem Fall wären die Auswirkungen für die Deutsche Börse wohl überschaubar, sagt Schmitt. Das für den Aktienhandel zuständige Segment Xetra hat im vergangenen Jahr schließlich gerade mal neun Prozent zum Betriebsgewinn des Konzerns beigesteuert.

Mehr: Die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream soll Kunden dabei geholfen haben, eine Mehrfacherstattung von Kapitalertragsteuern zu erlangen. Mehrere Mitarbeiter sind beschuldigt, am dem Cum-Ex-Deals beteiligt gewesen zu sein.

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