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James Chanos „Wir setzen auf fallende Kurse bei Autoaktien“

Er ist der größte Leerverkäufer der Welt und spürt Firmen auf, die lediglich gesund erscheinen. Eine Spekulanten-Schuld an der Krise verneint James Chanos und kritisiert die Haltung der Politik und Banken. Im Interview verrät der Hedge-Fonds-Manager, bei welchen Unternehmen er auf den Niedergang wettet und wo er Blasen vermutet.
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James Chanos ist der weltweit größte Leerverkäufer. Quelle: Bloomberg

James Chanos ist der weltweit größte Leerverkäufer.

(Foto: Bloomberg)

Handelsblatt: Herr Chanos, zuerst haben US-Politiker Spekulanten mit für die Immobilienkrise verantwortlich gemacht. Jetzt zeigen Europäer mit dem Finger auf Leerverkäufer und Hedge-Fonds. Fühlen Sie sich als größter Leerverkäufer der Welt schuldig?

James Chanos: Die Taktik, Leerverkäufer für das Verschärfen von Krisen verantwortlich zu machen, ist so alt wie die Märkte selbst. Niemand will wahr haben, dass seine Aktien aus Gründen fallen, die er nicht vorhergesehen hat. Also muss es eine ruchlose Gruppe da draußen geben, die die Hoffnungen des Anlegers torpediert. Es klingt so schön nach einer Verschwörung wie im James-Bond-Film, dass diese bösen Spekulanten Pläne aushecken, um Regierungen zu stürzen. Aber das ist einfach nicht wahr.

HB: Aber Leerverkäufer drücken doch die Kurse nach unten ...

Chanos: Es hat noch nie auch nur den kleinsten Beweis dafür gegeben, dass Leerverkäufe der Grund für einen großen Absturz an den Märkten waren. Deren Anteil an der gesamten Marktaktivität ist einfach zu klein. Außerdem darf man nicht vergessen, dass es für jeden Leerverkauf einen Käufer gibt. Blasen hinterherzujagen und Vermögenswerte zu überteuerten Preisen zu kaufen hat den Leuten viel mehr geschadet, als Leerverkäufer es jemals getan haben.

HB: Warum braucht die Gesellschaft denn Leerverkäufer?

Chanos: Sie sind Finanzpolizisten der Märkte in Echtzeit. Es gibt diesen Spruch: Leerverkäufer sind Finanzdetektive, Regulierer sind Finanzarchäologen. Leerverkäufer haben einen ökonomischen Anreiz, nicht nur Überbewertungen auszurotten, sondern auch Betrug und Marktmissbrauch. Regulierer kommen wie Archäologen immer erst nachher. Der Finanzier Bernard Baruch hat es so formuliert: Ein Markt ohne Leerverkäufer ist wie eine Demokratie ohne freie Presse.

HB: Erzählen Sie uns von ihrem ersten Leerverkauf.

Chanos: Gleich das erste Unternehmen, das ich analysiert habe, war ein riesiger Betrugsfall. Es war ein Versicherer, Baldwin-United. Je länger ich mir die Firma angesehen habe, desto offensichtlicher wurde es, dass da etwas faul ist. Ich habe empfohlen, die Aktie zu shorten. Und die Kursentwicklung gab mir recht. Ich kam also ganz zufällig zu Leerverkäufen, das war nichts, was ich geplant hätte. Aber ich habe gemerkt, dass es an der Wall-Street einen Markt für diese Art von Research gibt. Später habe ich mich dann mit Kynikos selbstständig gemacht.

HB: Warum haben Sie ihre Firma nach dem griechischen Wort für Zynismus benannt?

Chanos: Das Wort „Zyniker“ hat über die Jahre einen negativen Beiklang erhalten. Aber im alten Griechenland wurden die “Kyniker“ wegen ihrer Selbstdisziplin und ihrer Unabhängigkeit im Denken positiv gesehen. „Zynisch“ oder besser „skeptisch“ zu sein, galt als wichtig für Bürger, die Teil der Demokratie sein wollten. Alles regelmäßig in Frage zu stellen bedeutet, selbstständig zu denken. Daher hatten wir das Gefühl, das könnte ein angemessener Name für die Firma sein

HB: Wer sind denn die erfolgreichen Polizisten am Finanzmarkt?

Chanos: David Einhorn hat zum Beispiel vor Lehman Brothers gewarnt. Und schauen Sie sich unseren Enron-Fall an. Wir haben im Jahr 2000 herausgefunden, dass bei dem Unternehmen etwas ganz gewaltig schief läuft, während andere die Aktie immer noch gekauft haben.

HB:Es heißt, die Spekulation auf den Enron-Kollaps habe Sie zum Milliardär gemacht?

Chanos: Kein Kommentar dazu. Aber wir haben uns ganz gut geschlagen.

HB: Ist die Aufregung über Leerverkäufe nicht verständlich?

Chanos: Es gibt jede Menge andere „normale“ Geschäftsaktivitäten, die einem Leerverkauf sehr ähnlich sind. Es geht darum, heute Geld für eine Leistung zu bekommen, die in der Zukunft erbracht wird. Wenn eine Fluggesellschaft Ihnen heute ein Ticket für einen Flug im September verkauft, macht sie einen Leerverkauf für einen Sitz. Sie bezahlen für eine Leistung in der Zukunft. Die Fluggesellschaft nimmt Geld und leistet später.

HB: Was hielten Sie von dem Verbot von Leerverkäufen im Krisenherbst 2008 in den USA?

Chanos: Wissenschaftlichen Studien Studien haben eines gezeigt: Das Verbot hatte keinen Effekt auf die Kurse, es hat aber am Markt die Unsicherheit über die nächsten Schritte der Regulierer erhöht. Die Kurse sind weiter ins Minus gerutscht. Es hatte genau den gegenteiligen Effekt. Christopher Cox, der damalige Chef der Börsenaufsicht SEC, sagte, es sei der größte Fehler seiner Karriere gewesen.

HB: Erwarten Sie jetzt in der Krise ähnliche Verbote in Europa?

Chanos: Europa hat eine sehr ablehnende Haltung in Bezug auf jede Art von Marktspekulation. Im angelsächsischen Raum dagegen ist sie willkommen. Das sind kulturelle und ökonomische Unterschiede. Ich würde sagen, die jüngste EU-Rettungsaktion war schlimmer als Spekulationen oder Leerverkäufe. Sie galt im Grunde den Banken. Die haben Staatsanleihen gekauft, ohne die damit verbundenen Kreditrisiken zu verstehen. Jetzt haben die deutschen, die französischen und andere Steuerzahler die Aktionäre der Banken subventioniert.

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6 Kommentare zu "James Chanos: „Wir setzen auf fallende Kurse bei Autoaktien“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Einen ähnlich informativen Artikel hätte ich gerne mal zum Thema CDS.

    Ausserdem wollte ich den Vorschlag machen, dieses interview unseren Möchtegern-Experten in berlin und anderswo zur Kenntnis zu geben, allein es wird nichts helfen, weil es nicht in das zementierte Weltbild eines Kritikers der Finanzwelt passt.

  • baissespekulationen haben allerdings schon einmal eine Hyperinflation mitverursacht.

    http://info.kopp-verlag.de/news/erinnerungen-an-die-hyperinflation-in-weimar-deutschland-brauchen-wir-jetzt-wieder-schubkarren.html

  • Was chanos sagt, hat Hand und fuß. Hedgefons decken das auf, was faul ist, und deswegen sind sie ja bei der Politkaste verhaßt. gleichzeitíg wird ein hype darum aufgebaut, daß angeblich die schwäche des euro von spekulanten verursacht wurde. Der Umfang der durch spekuöanten getätigten Geschäfte ist aber viel zu klein, als das dies stimmen könnte. Mit den "Spekulanten" hat die Politik ein Propaganda-ziel gefunden. Uter geschimpfe auf spekulanten werden hier den banken sämtliche ausfallrisiken abgenommen und dem Steuerzahler untergeschoben. Dazu wird behauptet, die märkte "hätten nicht mehr funktioniert" und man habe sofort handeln müssen, um den euro zu retten. Vom europäischen steuerzahler braucht man nur eine bürgschaft über die kleinigkeit von 750 Mrd. Es sind ja nur bürgschaften ! es wird keine Rechnung fällig ! - im vergleich zu dieser Polit-Mafia ist mir jeder "spekulant" aber tausendmal lieber !! Die klauen uns nach belieben das geld unterm hintern weg und schicken es an ihre befehlsgeber, die banken und "investoren". wenn es den banken zu brenzlig wird, dann soll der Steuerzahler gefälligst das risiko übernehmen ! Und, selbstverständlich "handelt" Merkel dann sofort. befehl ist schließlich befehl, die reichen verstehen da keinen Spaß. also muß Merkel rennen, damit sie alles so hinbringt wie gewünscht.

  • Theoretisch stimmt das Alles. Leider verstärken die Leerverkäufer Trends, und zwar den nach unten. Das ist nicht so schön. Damit kann vieles in den Ruin getrieben und nicht wie dargestellt gesäubert werden.

  • Unternehmen, ja alle "Firmen", auch pol. Parteien wie die CSU bayerns, die sich zu Verstecken von Verbrechern entwickeln, die ihre Connections in die "weitere" Politik und Verwaltung nutzen, um sich schad- und straflos Geld von Dritten zu klauen oder Kritiker in Psychiatrien verschwinden lassen, die sich Unschuldige als "Täter" suchen, damit das "Vertrauen (Auflärungsquote!) in den Staat stimmt" - exakt das sind die Hauptschuldigen am Finanzerdbeben, an Korruption und an den Vertuschungen der "Kath. Kirche"-Vatikan-Mixa-CSU-Alois-UnGlueck-bayernLb-Ungarn-bank-Misere". Sie zu liquidierenm und dabei Geld zu verdienen ist eigentlich "Staatsaufgabe". Ja, der Mann hat recht, seine Firma noch den Zynikern zu benennen! Ein wirklich sehr guter Artikel, sachlich und irgendwie amuesant, dass die "Vielgeschmähten" so ethisch hier daherkommen..! bP for Zouras

  • Herr Chanos sagt ganz allgemein verständlich, wie short selling funktioniert und warum es weder schädlich noch verwerflich ist. Aber leider geht das nicht in die Köpfe der Politiker. Und darum wird er weiterhin gute Geschäfte machen mit allem, wo ein Staat die Finger drin hat.

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