Keine Leerverkäufe mehr Die Spekulanten kapitulieren

Super-Mario vergrault die Hedge-Fonds. Nachdem die Spekulanten massiv gegen europäische Aktien gewettet hatten, lösen sie nun ihre Positionen eilig auf. Das Euro-Versprechen des EZB-Chefs macht ihnen große Probleme.
Update: 14.08.2012 - 16:09 Uhr 18 Kommentare
George Soros, König der Hedge-Fonds-Manager, gilt als großer Euro-Kritiker. Quelle: AFP

George Soros, König der Hedge-Fonds-Manager, gilt als großer Euro-Kritiker.

(Foto: AFP)

Viele Hedge-Fonds lösen zurzeit eilig ihre Wetten gegen europäische Aktien auf. Nachdem sie mit ihren pessimistischen Einschätzungen zum Teil deutlich daneben gelegen haben, spekulieren nun immer mehr von ihnen darauf, dass Europas Politiker - und vor allem Mario Draghi, der Chef der Europäischen Notenbank - ihre Anstrengungen im Kampf gegen die Staatsschuldenkrise weiter verstärken werden.

Das Ausmaß, in dem Makro-Hedge-Fonds dem Euro Stoxx 50 Index hinterher hinken, nimmt derzeit so stark ab wie seit 2009 nicht mehr, wie aus Daten von Bloomberg und JPMorgan Chase hervorgeht. Das ist ein Anzeichen dafür, dass die Fondsmanager ihre Leerverkaufs-Aufträge auflösen und Aktien kaufen. Der Anteil der Aktien im Stoxx Europe 600 Index, die ausgeliehen sind - ein Indiz für Leerverkäufe - sank auf 2,9 Prozent, verglichen mit 3,4 Prozent im Mai, gab Datendienstleister Markit bekannt.

Nach Ansicht von zuversichtlich gestimmten Marktteilnehmern ist der Kauf von Aktien durch Investoren, die sie zuvor geliehen und leer verkauft hatten, ein Zeichen dafür, dass die Rally in Europa anhalten wird. Rückenwind gibt dabei nicht zuletzt das Versprechen von Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), den Euro zu verteidigen. Der Euro Stoxx 50 hat innerhalb von drei Wochen zwölf Prozent zugelegt und damit doppelt so stark wie der weltweit aufgestellte MSCI All-Country World Index. Die Entwicklung steht im Gegensatz zu den Prognosen, die ein Abrutschen der Wirtschaft im Euroraum in eine Rezession in Aussicht stellen.

„Die Makro-Hedgefonds haben als Gruppe die Entscheidungen vom Juni verschlafen, und angesichts der Aussicht auf Interventionen durch die Zentralbanken kapitulieren sie jetzt“, sagt Nikolaos Panigirtzoglou, Leiter für weltweite Portfolio- Strukturierung bei JPMorgan in London in einem Interview am 7. August. Die US-Großbank verwaltet ein Vermögen im Volumen von 2,3 Billionen Dollar. “Damit die Positionen aufgelöst werden, ist ein Auslöser notwendig. Und der Auslöser waren diese Nachrichten zum Kurs der Notenbanken.”

Zuletzt hatten sich Hedge-Fonds im April 2009 so schnell aus Leerverkäufen zurückgezogen - bevor der Stoxx 600 zu einer Rally um 35 Prozent ansetzte. Makro-Fonds haben in diesem Jahr nicht mit der Marktentwicklung Schritt gehalten. Als Gruppe haben sie bislang 0,1 Prozent zugelegt, die Aktienbenchmark MSCI World Index hat vergleichsweise 8,1 Prozent im gleichen Zeitraum an Wert gewonnen, zeigen Bloomberg-Daten.
Der Euro Stoxx 50 kletterte in der vergangenen Woche um 2,1 Prozent, nachdem die Spekulationen zunahmen, dass Federal Reserve, EZB und die chinesische Notenbank weitere Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung ergreifen dürften. Der von Hedge Fund Research Inc. aufgestellte Hedge Fund Macro Index schloss hingegen die letzte Woche ohne Gewinne ab.

Miserables Jahr für Leerverkäufer
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18 Kommentare zu "Keine Leerverkäufe mehr: Die Spekulanten kapitulieren"

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  • Ich bin auch erstaunt.
    Vielleicht haben die Investment-Zocker kapiert, daß der ESM und SuperMario nicht kommen werden.
    Also besser in Sachwerte, sprich Aktien, gehen.
    Gerade in Deutschland lohnt sich diese Strategie nach dem EuroCrash.

  • Von mir aus können die wetten bis der Arzt kommt. Aber bitte nur mit ihrem privaten Geld. Und wenn sie pleite gehen, dann bringe ich ihnen 'ne Decke. Für die kalten Nächte unter der Brücke.

  • Was sind Investoren? Richtig, auch nur Spekulanten, die auf eine bestimmte Entwicklung von Unternehmen setzen. Bei Leerverkäufen ist zudem zwischen gedeckten und ungedeckten zu unterscheiden.

  • 'Hardie67' sagt
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    @Rechner
    "Es hat überhaupt keine "Marktmanipulationen" gegeben."

    Natürlich sind die Märkte manipuliert, auch wenn Sie Zocker nicht leiden können (kann ich übrigens auch nicht).
    Wenn Draghi bei fallenden Aktienmärkten/fallendem EURO seine Sprüche punktgenau loslässt, manipuliert er die Märkte.
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    Also - wenn sich Märkte von Platitüden ("Alles tun um den Euro zu erhalten") und der x-ten Wiederholung der EZB-Doktrin hinsichtlich Anleihekäufen manipulieren lassen, dann sind sie selber schuld.

    Sowas funktioniert nur dann, wenn die "Märkte" sowieso in Unordnung sind.

    Abgesehen davon - Marktmanipulation im Rechtssinne wäre z.B. das Streuen unwahrer Gerüchte über eine Firmenübernahme, Militärputsch in Washington odgl.

    Daß ein EZB-Präsident über EZB-Politik spricht ist keine Marktmanipulation.

    'Hardie67' sagt
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    EU-Gesetze, die Banken zwingen für erstklassige Unternehmensanleihen EK hinterlegen zu müssen, für Staaten aber nicht: Manipulation z.G. Staaten, zu Lasten von Unternehmen.
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    Auch das ist nicht Marktmanipulation, sondern Marktverfälschung.

    Nichtsdestotrotz, hier sprechen Sie einen wichtigen Punkt an.

    Diese "EU-Gesetze" sind die Kommissionsdirektiven die die unseligen Basel-Regularien in europäisches Recht überführt haben.

    "Gesetze" sind sie nicht, denn ihre unmittelbare Rechtswirkung ist ausschließlich von den Mitgliedsländern in nationale Gesetze oder Verordnungen umgesetzt werden zu müssen.

    Weshalb sie eben "Direktiven", und nicht "Gesetze" heißen.

    Ohne die Basel-Regularien wären jedenfalls ein paar Billionen Euros nicht zecks "Optimoerung" der Eigenkapitalrendite in synthetische AAA subprime-Bonds oder zu teure griechische oder italienische Staatsanleihen geflossen.

    Da sind wir uns einig.

    If ever the law of unintended consequences applied anywhere it must have been in Basel. :)))

  • Short-seller sind keine Investoren, sondern Spekulanten oder Betrueger. Wer seine Anlagen absichern will oder am Kursverfall einer Anlage verdienen moechte, kann Put-Optionen kaufen - wer hingegen den Markt manipulieren, d.h. betruegen will, muss hingegen "short" verkaufen (sieht man ja nicht). Der Vergleich mit einer Feuerversicherung auf das Haus des Nachbarn, um das Haus spaeter anzuzuenden und die Versicherung zu kassieren (bezogen auf CDS), trifft auch hier zu. Die Betrueger "arbeiten" auch hier Hand in Hand mit den Medien, den Rating-Agenturen und korrupten Politikern, um die Kurse (Aktien, Anleihen, Waehrungen) nach unten zu manipulieren. Mittlerweile sind die Bewertungen europ. Unternehmen (auch internationale Konzerne mit Sitz in EU-Laendern) z.T. schon so pervers niedrig (z.T. Bruchteile des Buchwertes), dass sich Dividenden-Renditen von 10% und mehr erzielen lassen - dank den Betruegern. Auch der EUR ist deutlich unterbewertet, zumindest im Vergleich zum $. Waehrend die Ami-Gauner auf unseren Schulden und wirtschaftsschwachen Laendern herumreiten, haben die USA ein Haushaltsdefizit von 974 Mrd. US-Dollar bis Juli 2012 "erwirtschaftet" - nach 1,297 Billionen US-Dollar 2011 und 1,42 Billionen US-Dollar (Rekord!) 2009. Da sind selbst die Griechen Waisenknaben...

  • zum wetten gehören immer zwei

    das gesmate Volumen der hedge-fonds ist viel zu klein

  • Möchte noch anfügen dass kurioserweise die Mittel, die es den Amerikanischen Hedgefonds erlauben massiv gegen Europa zu spekulieren gerade daraus entstehen was Europa, dank seines bisherigen Unterlassens, für diese Spekulanten zu einer so leichten Beute macht. Nämlich die hemmungslose Geldflutung der Märkte durch die FED. Würde dieser Prozess sich umgehend und auch in diesem Falle logisch, auf den Wechselkurs des Dollars zum Euro niederschlagen, so hätte die Amerikanische Hochfinanz nur noch stumpfe Waffen gegen Europa.

  • @Rechner
    "Es hat überhaupt keine "Marktmanipulationen" gegeben."

    Natürlich sind die Märkte manipuliert, auch wenn Sie Zocker nicht leiden können (kann ich übrigens auch nicht).
    Wenn Draghi bei fallenden Aktienmärkten/fallendem EURO seine Sprüche punktgenau loslässt, manipuliert er die Märkte.
    Manipulationen sind auch Ankündigungen dauerhaft niedriger Zinsen (FED).
    Bereitstellen von riesigen Mengen Liquidität mit dem Hinweis, man möge dafür Saatsanleihen kaufen: Manipulation.

    EU-Gesetze, die Banken zwingen für erstklassige Unternehmensanleihen EK hinterlegen zu müssen, für Staaten aber nicht: Manipulation z.G. Staaten, zu Lasten von Unternehmen.

    Bankrotten Ländern mit dummen Ausreden immer wieder Milliarden hinterherwerfen (GR) : Marktmanipulation.

    Manipulation heisst ja nichts anderes, als die Regeln eines freien Marktes bzw. eines Preises, der sich am freien Markt bei gleichem Wissensstand der Marktteilnehmer ergeben würde, zu beeinflussen.
    Oder würden Sue GR-Anleihen kaufen oder diese als Sicherheit akzeptieren ?

  • Im Grundsatz haben Sie vollkommen Recht. Aber auch bei den Hedgefonds regiert nicht immer die Rationalität sondern nicht selten, durch den vorhergegangenen Erfolg eingeschlagener Strategien, die durch daraus entstandener Verblendung und Unsterblichkeitsphobien hervorgerufenen Gier. Allmächtig und allwissend sind denn auch diese nicht. Ich gebe Ihnen aber, vom ethischen Standpunkt her betrachtet, vollkommen recht dass eine gesundende Wertberichtigung der beste Weg währe. Denn es währe nur logisch und, nach menschlichen Empfinden, gerecht, dass diejenigen zur Verantwortung gezogen werden, die uns diesen Salat (aus welchen Motiven auch immer) eingebrockt haben. Historisch und philosophisch betrachtet hat die destruktive Phase ihren Zyklus aber noch nicht vollkommen abgeschlossen und so wird die Entscheidung wieder einmal den Subjekten übertragen, die vordergründig den Eindruck erwecken den für die Gemeinschaft besten Weg eingeschlagen zu haben, der tatsächlich aber in die Katastrophe führt.

  • Wiedermal so eine schlecht gewählte Überschrift. Warum sagt ihr denn nicht "Leerverkäufer", wenn ihr Leerverkäufer meint! Und was soll diese ständige negative Bewertung der "Spekulanten"? Ich spekuliere auf grün, wenn ich an der Ampel stehe, darauf, dass das Licht angeht, wenn ich den Schalter drücke und darauf, dass ich Gewinn mache, wenn ich als Value-Investor jahrelang meine Positionen halte. - Einfach immer, wenn es darum geht, die Zukunft einzuschätzen. Liebes Handelsblatt-Team. Denkt doch bitte mal kurz nach, bevor ihr was veröffentlicht. Ähnliches ist mir auch schon beim Thema Abgeltungssteuer aufgefallen. Die Besteuerung der Anteilseigner ist mit der Abgeltungssteuer nicht geringer, sondern höher geworden. Zwar hat sich der Steuersatz von über 40 % auf 25 % gesenkt, aber gleichzeitig ist das Halbeinkünfteverfahren weggefallen.

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