Mark Hemsley CBOE Europe kritisiert etablierte Börsenbetreiber für ihre Preispolitik bei Marktdaten

Börsenbetreiber haben ihre Marktdatenpreise angehoben. Der Chef der von CBOE Europe kritisiert das scharf – und appelliert an die Regulierungsbehörden.
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„Einige Börsen haben ziemlich fiese Verträge.“ Quelle: Micha Theiner / eyevine / laif
Mark Hemsley, Chef der Handelsplattform CBOE Europe

„Einige Börsen haben ziemlich fiese Verträge.“

(Foto: Micha Theiner / eyevine / laif)

FrankfurtMark Hemsley nimmt den etablierten Börsen als Chef der alternativen Handelsplattform Bats Europe seit Jahren Marktanteile ab. 2017 wurde der Konzern von der US-Börse CBOE übernommen. Hemsley ist nun Chef von CBOE Europe.

Herr Hemsley, wie beurteilen Sie die Preise für Marktdaten?
Alle europäischen Börsen haben ihre Preise Ende 2017 angehoben, auch wir. Aber wenn man unsere Preise mit denen der alteingesessenen Börsen vergleicht, sieht man, dass deren Marktdaten teuer und in einigen Fällen sehr teuer sind. Verglichen mit ihrem Marktanteil in Europa zählt die spanische Börse zu den teuersten.

Warum haben die Börsen ihre Preise angehoben?
Viele alteingesessene Börsen tun sich sehr schwer, sich mit uns bei den Handelsgebühren zu messen, weil wir viel geringere Gebühren verlangen. Aber wenn es um Marktdaten geht, sagen sie sich: Eigentlich ist es egal, welchen Marktanteil wir haben. Denn alternative Handelsplattformen, Market-Maker, Banken und Broker brauchen immer noch unsere Daten.

Warum nutzen Banken und Broker nicht einfach ihre billigeren Daten?
Die Regulierer bestehen oft darauf, alle relevanten Daten zu nutzen. Broker brauchen Daten von etablierten Börsen beispielsweise, um die bestmögliche Ausführung einer Kundenorder zu gewährleisten. Die meisten Banken und Broker sagen mir, sie müssten alle Marktplätze mit einem Marktanteil von mehr als zehn Prozent berücksichtigen.

Die meisten alteingesessenen Börsen haben einen Marktanteil zwischen 40 und 60 Prozent in ihrem Heimatmarkt. Und es ist unwahrscheinlich, dass dieser Anteil unter 20 Prozent fallen wird, weil es immer lokale Geschäfte gibt, die zu den alteingesessenen Börsen fließen. Börsen stehen im Marktdatengeschäft nicht im Wettbewerb, weil ihre Daten nicht ersetzbar sind.

Was sollten die Regulierungsbehörden tun?
Zunächst sollten sie unfaire Taktiken verbieten. Einige Börsen haben ziemlich fiese Verträge, in denen Kunden beispielsweise gesagt wird: „Wenn du auf unserer Börse handelst, bekommt du die meisten Daten gratis. Aber wenn du auf einer anderen Börse handelst, werden wir von dir einen hohen Preis verlangen.“

Das sind keine guten Geschäftspraktiken, die freien Wettbewerb fördern und zu niedrigeren Kosten führen. Außerdem versuchen die alteingesessenen Börsen mit den Preisanstiegen, Wettbewerber wie uns zu schwächen. Denn wir müssen ihre Daten auch kaufen.

Warum gibt es keine Obergrenze für Datenpreise?
Es ist schwierig für die Regulierungsbehörden, weil es keinen vereinbarten Preismechanismus oder Referenzpreis gibt. Aber die Regulierer bekommen viele Beschwerden aus der Finanzbranche. Deshalb müssen sie nun Instrumente suchen, mit denen sie die Datenkosten senken können. Derzeit unterstützen sie durch ihre Regeln die Monopole von alteingesessenen Börsen in bestimmten Bereichen.

Was bedeutet das für Investoren und Pensionsfonds?
Broker, Fondsmanager und Pensionsfonds müssen alle für Marktdaten bezahlen und geben die Kosten an die Kunden weiter. Diejenigen, die am Ende der Kette stehen, leiden am meisten. Das sind Privatanleger und Menschen, die im Alter Geld aus einem Pensionsfonds beziehen.

Herr Hemsley, danke für das Gespräch.

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