Martin Siegel im Interview „Die Politik will die Inflation“

Die Notenbank druckt Geld - und entwertet es damit, meint Martin Siegel. Der Fondsmanager und Goldexperte warnt im Interview vor Inflation. Der Politik wirft er „Lügen, Täuschungen und Verfassungsbruch“ vor.
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Martin Siegel, Fondsmanager Stabilitas GmbH und Geschäftsführer Westgold, warnt vor Inflation.

Martin Siegel, Fondsmanager Stabilitas GmbH und Geschäftsführer Westgold, warnt vor Inflation.

Herr Siegel, wir haben schon vier Jahre Finanzkrise hinter uns. Wann wird die Krise endlich überstanden sein?

Die Probleme sind nicht gelöst, sie wurden nur in die Zukunft verschoben. Man hat die maroden Bankbilanzen auf den Staat übertragen, der dadurch überfordert ist. Wie man da wieder herauskommen soll, weiß niemand. Aber die Bevölkerung merkt, dass es so nicht mehr weitergeht.

Wird Europa die Schuldenkrise überstehen?

Ich bin mir nicht sicher. Europa hat nicht nur ein Schulden-, sondern mittlerweile auch ein Legitimationsproblem.

Ein Freund Europas scheinen Sie nicht gerade zu sein.

Doch, das bin ich. Wenn wir alle Schulden und alle Steuereinahmen zusammenschmeißen, dann wäre das Verhältnis auch nicht schlechter als in den USA oder Japan. Warum sollen nicht alle Europäer in einem Bundesstaat zusammenleben? Deutschland ist doch ein gutes Beispiel. Vor wenigen hundert Jahren noch haben sich die Kleinstaaten gegenseitig die Köpfe eingeschlagen. Heute gilt die Bundesrepublik Deutschland weltweit für viele als Vorbild. Warum sollten nicht auch die Vereinigten Staaten von Europa funktionieren.

Aber was ist dann Ihr Problem?

Es wird uns, den Bürgern, nicht ehrlich gesagt, was mit Europa geschehen soll. Niemand gibt offen zu, dass wir schon in den nächsten 24 Monaten eine Fiskalunion mit gemeinsamem Haushalt bekommen sollen und dass die Bildung der Vereinigten Staaten von Europa bereits hinter den Kulissen beschlossen worden ist. Der Weg dorthin ist mit Lügen, Täuschungen und Verfassungsbrüchen gepflastert. Die Mehrheit der Bevölkerung wird ohne ehrliche Information, mit Angst und ohne demokratische Mitwirkungsmöglichkeiten in dieses neue Europa gezwungen. Es ist völlig unklar, wie Europa zukünftig regiert werden soll – mit einem Präsidentschaftswahlkampf wie in den USA oder mit einer Verwaltungsregierung wie in Belgien oder mit der Legitimation von Goldman Sachs Bankern wie in Italien und Griechenland.

Was wird Ihrer Meinung nach aus Europa?

Ich fürchte, wir bekommen eine Art Herrschaft der Brüsseler Bürokratie, bei der wesentliche Merkmale der Demokratie außer Kraft gesetzt werden. Für mich stellt sich auch die Frage, ob die Bevölkerung sich das in allen europäischen Ländern einfach so gefallen lässt, belogen und betrogen zu werden, um sich dann aus Brüssel verwalten zu lassen. Wenn auf dem Weg nach Europa die Grundgesetze und Verfassungen einfach so ausgehebelt werden, wie sieht es dann mit dem Recht in einem zukünftigen Europa aus. Die Gefahr, dass sich das Ganze auf dieser Basis totalitär entwickeln könnte, sollte wenigstens nicht ignoriert werden.

Was werden die Politiker tun, um das Schuldenproblem zu lösen?

Sie werden Geld drucken lassen. Zum Schluss werden nur noch die Notenbanken die Staatsanleihen kaufen. Dadurch wird die Geldmenge extrem erhöht, was wiederum zu höheren Inflationsraten führen muss. Ich glaube, die Verantwortlichen in den Regierungen und den Notenbanken haben sich längst darauf geeinigt: Ja, wir wollen die Inflation.

Die Experten der Banker sagen, dass die schwachen Wachstumsraten in Europa die Teuerungsraten dämpfen.

Das ist doch dummes Zeug. In Zimbabwe gab es in den vergangenen Jahren auch kein Wachstum, dafür aber Hyperinflation. Genauso war es in Deutschland in den 1920er-Jahren. Damals betrug die Inflationsrate 50 Prozent pro Woche. Gewachsen ist die Wirtschaft auch damals nicht. Inflation ist immer ein monetäres Problem.

"Die Verlierer sind die Sparer"
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74 Kommentare zu "Martin Siegel im Interview: „Die Politik will die Inflation“"

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  • Martin Siegel im Interview
    „Die Politik will die Inflation“-
    richtig, denn damit, auf diesem Wege, kann man das Volk am besten bescheissen. Bis sie es merken, sind sie schon "herrlich inflationiert"- die Geldbeutel erleichtert, die Konten nichts mehr wert. Nach der "Inflationierung" kommt dann die "Dessillusionierung"-
    dund dann die bittere "Realisierung"- dass alles wieder mal kam, wie es schon viele "echte" Fachleute ( nicht selbsternannte Trittbrettfahrer) vorhersagten- wie 1923-1948 und dann wieder demnächst.
    Gratulation an unsere Politiker, sie haben es dann geschafft, gemäß dem Eid: Den Nutzen des Volkes mehren, Schaden von ihm abwenden.. u.s.w..

    Zitat:Der Politik wirft er „Lügen, Täuschungen und Verfassungsbruch“ vor.
    -------
    Stimmt alles, das ist noch sehr milde ausgedrückt. Was passiert einem Bürger, wenn er des Betruges überführt wird? Wenn es die Verfassung missachtet?
    Aber keine Sorge, diesen Hallunken in den Schaltzentralen der Macht- passiert nichts. Man deckt und hilft sich doch unter Gleichgesinnten. Und viele Medien spielen mit. Sie schweigen , bis sie Erlaubnis bekommen,zu schreiben, mit wenigen Ausnahmen.

  • Der Vergleich wurde mit €uropa bzw. EUropa gezogen - das etwas ganz anderes als Mitteleuropa. Aber auch im geografischen Mitteleuropa (D, PL, CS, SK, HU, Ö, LUX) sind die Unterschiede nicht gerade klein. Richtig ist und bleibt, daß der €uro völlig disparate Volkswirtschaften in ein Einheitskorsett zwang. Für manche ist dieses Korsett zu eng, für andere viel zu weit. Ergebnisse liegen auf dem Tisch und sind unerfreulich. Die Rettungsversuche durch Madame Alternativlos waren so ziemlich das Schlechteste (ineffizient und horrend teuer), was man machen konnte. Eine "Vertiefung" der EU - zu befürchten ist: Nach dem Muster des ESM - wird ganz sicher zu weniger Frieden, Freiheit, Wohlstand und Glück führen. Diese Art Europäischer "Integration" kann dazu führen, daß der Kontinent sich wieder einmal in Chaos und Feindschaft selbst zerfleischt. Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Unglücksszenario ist um ein vielfaches höher, als die Wahrscheinlichkeit der schlimmsten Klima-Horrorprognosen.

  • "... und jetzt bin ich wahrhaft naiv ..." Betonung liegt auf "ich", weil ich Kea hiermit verteidigen muss. Und eine Korrektur: "... Aber zum Glück nur (weg damit: "den"!) die meisten ..."

  • "... wie naiv sind Sie ? Glauben Sie, dass die Reichen ..."

    Wer weiß das nicht?

    Und nein, die, die Sie meinen, machen an Arbeitsplatzschaffung gerade mal 10% aus; den Rest übernehmen Kleinunternehmen und der Mittelstand; noch – zum Glück! Im Verhältnis zu den Förderungen, die die von Ihnen protegierten Superreichen einstreichen, sind andere Kosten, die aber täglich als den Staat schädigend bezeichnet werden, vernachlässigbar. Diese Zahlen dürften Ihnen aber nicht bekannt sein, denke ich, wenn Sie diese Kreise so verteidigen. Entweder sind sie gehirngewaschen worden oder Sie wollen noch was werden, wie es in Ihrem Jargon wohl heißen dürfte. Oder Sie verstehen das Problem mit Veranlagung, Verzinsung, dem Zinseszins ... und so weiter nicht so richtig. Auch die Ethik der Geldproduktion dürfte noch nachzuholen sein, um ein sich im Kreis drehendes Problem so wahrzunehmen, dass Sie darüber nachzudenken begännen, wie eine Gesellschaft mit weniger Produktion auskommen könnte, was einem Betriebswirt völlig fremd ist und leider auch die meisten Volkswirte nicht bedenken. Aber zum Glück nur den meisten, was bedeutet, dass ich, und jetzt bin ich wahrhaft naiv, noch Chancen für die Genesung des Alles-an-sich-raffen-Wahns des modernen Menschen sehe. :-))))))))

  • Da hat Herr Siegel schon Recht, wenn er den Goldpreis als Wertanlage sieht, aber im Gegensatz zu anderen Sachwerten als Schutz gegen die Inflation ist Gold wegen seiner Ertragslosigkeit nicht geeignet. Ich habe schon Zeiten erlebt, da bekam man für einen Zentner Gold einen Sack Zwiebeln und ich habe noch nie erlebt, daß jemandem der Genuß eines Goldbarrens besonders bekommen ist.

  • Inflation ist nicht nur von der Geldmenge abhängig sondern auch von der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Die wiederum schwankt so stark, dass Geldmengenerhöhungen nicht zwangsläufig in Inflation münden müssen. Mich wundert, dass dieser Zusammenhang in Diskussionsbeiträgen zur Inflationsgefahr kaum erwähnt wird.

  • @FlashGordon: Erstsemester VWL?

  • Kea,
    wie naiv sind Sie ? Glauben Sie, dass die Reichen einen Kontostand von 5 Mrd haben ? Nein, sie besitzen Unternehmen. Die sollen jetzt bis auf 1 Mrd herunter verkauft werden ? Nein, die Reichen sind diejenigen, die die Volkswirtschaft am Laufen halten. Und wie das nicht laufen kann, haben Sie in allen Volkswirtschaften des real existierenden Sozialismus gesehen: es gab keine Reichen, aber es gab auch keinen Wohlstand.

  • Ja und, wo ist das Problem ?!
    Da mein Gehalt und mein Portfolio jedes Jahr zweistellig zulegen, jucken mich (mögliche) 5 % Inflation überhaupt nicht.
    Und wer sein Geld statt in Sachwerte (wie Aktien, Gold und Immobilien) falsch anlegt, ist selbst schuld. So what !?

  • Kennen Sie Voltaires Candide? Der Schlusssatz lautete: "Wir müssen die Felder beackern!", was für mich die schönste Analogie für Resignation darstellte und noch immer darstellt. Candide hat für sich erkannt, dass sich nichts ändern wird, egal was auch immer er ersinnen würde.

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