Musikstreaming-Dienst Spotify legt erfolgreiches Börsendebüt hin – Erstnotiz übertrifft die Erwartungen

Auf unkonventionelle Weise ist Spotify an die Börse gegangen. Die Aktie beendete den ersten Handelstag mit einem dicken Plus.
Update: 03.04.2018 - 23:23 Uhr Kommentieren

„Keine Kapitalerhöhung! Die Profiteure des Spotify-Börsengangs sind andere“

New YorkKeine Roadshow, keine Glocke, keine Interviews: Spotify hat für sein vielbeachtetes Börsendebüt an der New York Stock Exchange (Nyse) nicht nur den ungewöhnlichen Weg einer Direktplatzierung gewählt, sondern zugleich gänzlich auf das häufig mit der Neuemission einhergehende Brimborium verzichtet. Doch trotzdem oder gerade deswegen sorgte der weltgrößte Musikstreaming-Dienst aus Schweden am ersten Handelstag für viel Aufsehen.

Die Aktien des Musikstreaming-Dienstes erschienen am Dienstag mit einem Eröffnungskurs von 165,90 Dollar auf den Kurstafeln. Bei Börsenschluss waren es 149 Dollar, ein Plus von rund zwölf Prozent.

Anders als bei einem klassischen Börsengang wurden die Titel nicht vorab Investoren angeboten und anhand des Interesses ein Ausgabepreis ermittelt. Dadurch spart Spotify Millionen an Gebühren für Berater-Banken. Der Debütkurs der schwedischen Firma errechnete sich aus Kauf- und Verkaufsorders nach Beginn des Börsenhandels an der Wall Street. Als Richtwert für Anleger hatte die Nyse den Referenzkurs für Spotify-Titel auf 132 Dollar festgesetzt. (Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Spotify-Börsengang).

Mit einem Marktwert von 30 Milliarden Dollar ist es der drittgrößte Börsengang eines Tech-Unternehmens in den USA, wie aus Zahlen von Dealogic hervorgeht. Größer waren nur die Börsengänge von Alibaba und Facebook.

Maximal 91 Prozent der 178 Millionen Spotify-Aktien können gehandelt werden. Beobachter gehen davon aus, dass der Anteil jedoch eher bei rund 66 Prozent liegen wird. Spotifys Mitgründer Daniel Ek und Martin Lorentzon wollen Medienberichten zufolge an ihren Anteilen zunächst festhalten.

Damit ist der Anteil der handelbaren Aktien jedoch immer noch deutlich höher als bei vielen anderen Börsengängen. Durchschnittlich haben Unternehmen bei Börsengängen in den USA nur rund 35 Prozent der Aktien zum Handel zugelassen, wie aus Daten des Analysehauses Dealogic hervorgeht. Bei Technologieunternehmen lag der Anteil nur bei 27 Prozent.

Ein Investor, der nicht verkaufen will, ist der Deutsche Klaus Hommels. Der Gründer der europäischen Venture-Capital-Firma Lakestar gehört zu den frühen Geldgebern des Streaming-Dienstes und erwartet, dass Spotify „ein 100 Milliarden Dollar schweres Unternehmen werden wird“ mit 700 Millionen Nutzern, sagte er der Nachrichtenseite Business Insider. Das wären gut viermal so viele wie heute. „Wir werden sicher nicht verkaufen“, sagte er.

Der Handelsstart verlief ohne Probleme. Eine kleine Panne gab es jedoch draußen, vor der New Yorker Börse Nyse. Der Börsenbetreiber hatte versehentlich eine Schweizer Flagge gehisst statt eine schwedische. Der Fehler wurde jedoch umgehend korrigiert und die Nyse nahm es mit Humor. „Es war eine kurze Anspielung auf unsere neutrale Haltung im Prozess der Preisfindung“, hieß es scherzhaft in einer Stellungnahme.

Der Börsenbetreiber hatte versehentlich eine Schweizer Flagge gehisst statt eine schwedische. Quelle: Reuters
Schweizer Flagge

Der Börsenbetreiber hatte versehentlich eine Schweizer Flagge gehisst statt eine schwedische.

(Foto: Reuters)

Gene Simmons, der Front-Mann der Rock-Band Kiss, nutzte die Aufmerksamkeit um Spotify dazu, um für eine bessere Bezahlung von Musikern zu werben. „Neuen Künstlern wird der Teppich unter den Füßen weggezogen. Von jedem Dollar, den sie mit ihrer Musik umsetzen, bleiben ihnen nur ein paar Cent“, monierte er im Börsensender CNBC. „Doch ohne Künstler können die Streamingdienste nur heiße Luft streamen.“

Zwar bezahlt Spotify die Künstler für ihre Musik. Der größte Teil geht jedoch an die Plattenlabels und nicht an die Musiker direkt.

Experten rechneten damit, dass die milliardenschwere Direktplatzierung im Falle eines Erfolges anderen, noch nicht börsennotierten Technologieunternehmen wie Uber und Lyft als Blaupause für ihre Neuemissionen dienen dürfte. Spotify-Chef Daniel Ek spielte vorab die Bedeutung des Börsendebüts herunter. Es hebe das Unternehmen zwar auf die große Bühne, aber „es ändert nicht, wer wir sind, um was es uns geht und wie wir vorgehen“.

Zum Handelsstart war Ek nicht auf dem Parkett der New Yorker Börse. Er gab lediglich dem TV-Sender CBS ein Interview. „Klar, ich schaue auf den Aktienkurs, wenn es losgeht, aber ich konzentriere mich wirklich mehr auf unseren langfristigen Erfolg“, sagte er. Berichte, wonach Apple Spotify schon im Sommer als größten Streamingdienst der Welt ablösen könnte, hält er für unrealistisch. „Wir sind etwa doppelt so groß wie Apple. Der Abstand ist also noch relativ groß.“

Allzu hohe Erwartungen wollte Ek nicht wecken. „Ich habe keine Zweifel daran, dass es Aufs und Abs geben wird“, schrieb der Schwede im Unternehmensblog. „Manchmal sind wir erfolgreich, manchmal straucheln wir.“

Spotify, das weiterhin rote Zahlen schreibt, ist bereits weit gekommen. Das seit zehn Jahren am Markt befindliche Unternehmen aus Stockholm hält die großen Technologiekonzerne wie Apple, Google und Amazon mit ihren Konkurrenzangeboten in Schach. Zudem ist es Spotify gelungen, den Wandel in der Musikbranche mitzugestalten.

Lange litt die Industrie darunter, dass immer weniger Menschen CDs kauften. Inzwischen kommen Marktschätzungen zufolge 60 Prozent aller Musikumsätze von Streamingdiensten, bei denen Nutzer Abonnements abschließen, um Zugriff auf riesige Musikbibliotheken zu haben.

Spotify sei kein gewöhnliches Unternehmen, begründete der 35-jährige Mitgründer Ek den speziellen Weg an die Börse, den an der New Yorker Börse bisher noch keiner gegangen ist. Es gab weder eine Werbetour bei Investoren, um die Aktien anzupreisen, noch eine Zeichnungsfrist oder einen Ausgabepreis. Das spart Zeit und Geld, ist aber auch riskant.

Hinzu kam die Unsicherheit durch das zuletzt schwache Marktumfeld. Technologiewerte gehören seit dem Datenskandal bei Facebook und der Kritik von US-Präsident Donald Trump an Amazon zu den großen Verlierern.

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