Soros beim Handelsblatt Deutschland Dinner „Die wahre Gefahr ist eine Deflation“

Von Inflation will George Soros beim Deutschland Dinner nichts wissen. Die EU fordert er zum Handeln gegen Russland auf. Er erklärt seinen Spekulationserfolg – und dann entweicht ihm ein Kommentar zum Euro-Dollar-Kurs.
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Starinvestor George Soros im Interview mit Gabor Steingart

DüsseldorfWenn sich George Soros zu den Finanz- und Devisenmärkten äußert, kann das schnell zu Kursturbulenzen führen. Mit konkreten Investment-Tipps hält sich der Starinvestor deshalb auch beim Handelsblatt Deutschland Dinner lieber zurück. Hilfreiche Denkanstöße gibt er trotzdem. Er erklärt, wie er als Spekulant so erfolgreich wurde, was er vom Kräftemessen zwischen der Europäischen Union und Russland hält und wie er die Zukunft des Euro sieht.

Ein philosophischer und menschenfreundlicher Spekulant sei er, sagt Soros im Gespräch mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. Was zunächst widersprüchlich klingt, wird durch seine Erklärung schnell plausibel. Er habe stets versucht, die Welt und die Wirklichkeit zu verstehen. Und das sei gar nicht so einfach, denn „die Wirklichkeit wird durch das eigene Denken beeinflusst“. Deshalb müsse man sich jeden Tag kritisch damit auseinandersetzen, ob die eigene Idee von der Wirklichkeit tatsächlich stimme.

Dass persönliche Überzeugungen einen großen Einfluss auf die Märkte haben können, hat Soros unter anderem mit seiner berühmten Wette gegen das Pfund bewiesen. 1992 setzte er auf den Absturz der Währung, brachte sie mit massiven Devisenverkäufen unter Druck und zwang so die britische Notenbank dazu, sich von den festen Wechselkursen des Europäischen Währungssystems (EWS) zu lösen. Ihm selbst brachte das über Nacht eine Milliarde Dollar ein.

Kein Wunder also, dass viele Handelblatt-Leser diesen Mann einmal live erleben wollten. Rund 400 kamen am Dienstagabend ins Düsseldorfer Ständehaus K21 und hörten dem Amerikaner, der in Ungarn geboren wurde, aufmerksam zu. Soros Vermögen wird vom Forbes Magazin aktuell auf rund 23 Milliarden Dollar geschätzt. „Das ist ungefähr richtig“, bestätigt er im Gespräch mit Steingart. Als junger Mann hatte er sich einst vorgenommen, innerhalb von fünf Jahren 500.000 Dollar zu verdienen und sich dann zur Ruhe zu setzen. Das finanzielle Ziel hatte er schnell übererfüllt, auf ein Rentnerleben scheint er noch immer keine Lust zu haben.

George Soros mischt sich gerne ein, besonders in die Politik. Und auch an diesem Abend scheut er sich nicht vor klaren Bekenntnissen. Eine eindeutige  Meinung hat er beispielsweise zur Zukunft des Euro: „Solange es die Europäische Union gibt, wird es auch den Euro geben. Wird er doch mal abgeschafft, liegt das an der Politik und nicht am Finanzmarkt.“ Doch aktuell werde die EU durch Russland bedroht – und das obwohl Russland „kein sonderlich attraktives Land“ sei.

Ich denke nicht, dass ich damit die Märkte beeinflusst habe
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42 Kommentare zu "Soros beim Handelsblatt Deutschland Dinner: „Die wahre Gefahr ist eine Deflation“"

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  • Soros zeigt extrem eloquente Demenz. Das ist psychiatrisch außergewöhnlich interessant. Solche Schwalle detaillierter Dummheit hört man nicht jeden Tag...

  • Die wahre Gefahr ist nicht die Deflation, sondern die größten kriminellen Vereinigungen der Welt, auch "Banken" genannt.

    Gegen die Machenschaften dieser Gangster ist selbst die Mafia ein harmloser Verein.

    Lt.Informationen eines Citigroup-Analysten müssen die größten Banken der Welt in den nächsten Monaten 46 Milliarden Dollar an Strafzahlungen leisten, für ihre vielfältigen Manipulationen und Betrügereien.

    Obwohl die Strafzahlungen für die kriminellen Handlungen die Dividenzahlungen weit übertreffen, sitzt keiner der Banken-Gangster im Gefängnis oder hat persönliche Konsequenzen zu befürchten.

  • (Fortsetzung)
    Kommt es zum deflationären Schock, bedeutet das für die Edelmetalle: ZUNÄCHST heftiger Einbruch des (Papier-)Preises durch drastisch sinkende Nachfrage als "Rohstoff" für die Industrie, zudem Liquidierung der Edelmetallforderungen (Abverkauf des "Papiergoldes", z.B. bei Gold-ETF-Fonds!!).
    Die Aktien- und Immobilienbesitzer, die beim EM-"Crash" noch hämisch lachen, bekommen dafür aber etwas später ihr wirkliches Waterloo: denn die Rohstoffmärkte haben immer eine gewisse Vorlaufzeit (Rohstoffvorlauf) und reagieren als Erste. Die zweite Deflationsphase wird spannend:
    Da die Zentralbanken weltweit ja dabei sind, ihre Währungen zu ruinieren, vernichten sie gerade so was von gründlich das Vertrauen der Menschen in das Papiergeld. Gilt für eine Deflation normalerweise: "Cash is King", so wird das für das ruinierte Papiergeld eben nicht gelten. Die Marktteilnehmer werden nach (gedecktem) Echtgeld verlangen, und so werden die Edelmetalle in dieser Phase massiv an Kaufkraft gewinnen..."

  • @ Fritz Yoski:
    Ist für "Fortgeschrittene" und leider für den Durchschnittsanleger überhaupt nicht zu durchschauen, der deshalb erst recht aufs falsche Pferd setzt und womöglich viel verliert:
    Der "normale" Edelmetallanleger kauft diese in der Regel als Schutz vor Papiergeldentwertung in der Erwartung eines (Stark-)Inflationsszenarios (in dem der "Papierpreis" - psychologisch wichtig!! - natürlich ansteigt.
    Momentan steuern wir aber auf ein Deflationsszenario zu! Ich habe darüber bereits vor einiger Zeit geschrieben:
    "Aufgrund der manipulativ heruntergeknüppelten Niedrigzinsen der Zentralbanken erzielen die Anleger mit den meisten "sicheren" Papieranlagen respektive -forderungen eine negative Realverzinsung. Um der heimtückischen Enteignung durch die (tatsächliche) Inflation zu entgehen, flüchten die Anleger nun in die (zinslosen) Realwerte: hier kommt es zu gigantischer Asset-Inflation - es entstehen Blasen auf dem Immobilien-Sektor, auf den Aktienmärkten, auf den Rohstoffmärkten usw. Da Gold und Silber der "natürliche" Feind des ungedeckten Papiergeldes sind (da mit einem intrinsischen Wert versehen und nicht inflationierbar - im Gegensatz zu Edelmetallforderungen = "Papiergold") würden sie also NORMALERWEISE im Inflationsszenario, wenn die Zentralbanken bewusst ihre Papierwährungen ruinieren, exorbitant steigen, wenn da eben nicht die "Feinde" aus den Notenbanken und ihre Helfer aus den Bullionbanken wären, die mit gigantischen Short-Positionen dagegenhalten. Der "Papiergold"-Markt kann jedoch nur solange überleben, wie es dort Mitspieler gibt, solange sich Anleger also mit Forderungen zufrieden geben und nicht die Metalle selbst haben wollen.
    Ich gehe jedoch davon aus, dass die Zentralbanken mit ihren "geldpolitischen Maßnahmen scheitern werden, dass der deflationäre Druck stärker ist, und es zur finalen Schulden-Deflation (in einem Schuld-Geldsystem bedeutet "Geld" = Schulden) mit Vernichtung der Überschussliquidität kommen wird...

  • Gebt Opa Soros mal andere Pillen. Der Opa hat sich im Osten verzockt.
    Putin lässt ihn finanziell bluten!

  • Wieso denn?

    Soros größter Freund ist ein Mensch - er selbst.

    23 Mrd. Vermögen - wieviele Leute müssen hart arbeiten gehen, um alleine die jährlichen Zinsen für Soros zu zahlen?

  • Der Dollar ist zur Zeit relativ stark weil die wirtschaftliche Lage der USA relativ gut ist verglichen mit EU, China, Japan oder Russland.
    Die Chinesen und Japaner drucken doch auch Geld wie verrueckt. Draghi will Schrottanleihen aufkaufen, also die FED ist da ja fast ein Hort der Stabilitaet.
    Interessant ist das die Edelmetallem, besonders Gold, unter diesen Umstaenden so schwer unter Druck geraten.
    Oel und Kupfer fallen auf Grund der schlechten globalen wirtschaftlichen Lage.

  • "...Und auch die neuen vielen Jobs im Industriebereich. "
    In der Industrie werden in den USA kaum noch Menschen beschaeftigt. Heisst aber nicht das die nichts herstellen, Stichwort Automatisierung. Roboter haben in den letzten Jahren erhebliche technische Fortschritte gemacht. Die streiken nicht, arbeiten 24 Stunden am Tag, auch am Wochenende und Feiertagen. Krank werden die auch selten, hin und wieder schaut eben mal der Mechaniker oder IT Experte vorbei.
    Harte Zeiten fuer Geringqualifizierte stehen bevor.

  • Es gibt noch eine dritte Möglichkeit die Schuldenparty zu beenden.

    Nämlich die des Sparens. Investitionen werden dabei auf ihre Rendite geprüft. Das Geld fließt nur noch dort hin, wo es Erträge generiert. Politisch motivierte Ausgaben werden gestrichen.

    Die Verlierer: Soros und Konsorten.

    Diese brauchen die Geldflut um Inflation zu generieren. Denn aus der Differenz zwischen Inflation und Zins (0,1% direkt von der EZB) lassen sich leicht Gewinne schöpfen. Dazu reicht es in langlebige Güter zu investieren und zu warten, bis die Inflation die Preise treibt. Arbeitsplätze bringen diese Investitionen nicht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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