Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Gute Laune an der Wall Street

Die Börsen haben sich seit Ende 2018 mehr als erholt.

(Foto: imago/Xinhua)

Tech-Rally Der neue Aktienrausch: Wie der Boom der Tech-Aktien die Börsen beflügelt

Die Indizes an der Wall Street markieren neue Rekorde. Getragen werden sie vor allem von den Technologiewerten. Das hilft auch den Börsen in Europa.
Kommentieren

Frankfurt, New YorkWas steigt, kann auch wieder fallen. So lautet eine bekannte Weisheit an der Wall Street. Doch das funktioniert auch umgekehrt. Die Börsen haben sich von ihrem Einbruch seit Ende des vergangenen Jahres mehr als erholt. Der breite US-Index S&P 500 und die Technologiebörse Nasdaq erreichten diese Woche neue Rekordhochs. Seit Januar hat der S&P 500 rund 17 Prozent zugelegt, beim Nasdaq 100 sind es sogar 23 Prozent.

Die Stimmung hat sich gedreht. Gute Quartalszahlen, etwa von Coca-Cola und SAP, mildern die Angst vor einem Abrutschen der Unternehmensgewinne. Hinzu kommen die niedrigen Zinsen. Bis Ende 2018 fürchteten die Investoren, die US-Notenbank (Fed) unterschätze wirtschaftliche Risiken. Inzwischen ist die Fed vorsichtiger und die Investoren sind wieder optimistischer geworden.

Die befürchtete Gewinnrezession der Unternehmen – rückläufige Gewinne innerhalb von zwei Quartalen – ist bislang ausgeblieben. Bei den Unternehmen, die die Erwartungen der Investoren deutlich übertreffen, greifen die Anleger nun massiv zu. So schnellte die Aktie von Twitter am Dienstag um fast 16 Prozent in die Höhe, nachdem der Kurznachrichtendienst trotz leicht sinkender Nutzerzahlen einen höheren Nettogewinn gemeldet hatte.

Goldman Sachs bekräftigte danach eine Kaufempfehlung. Zu den leuchtenden Beispielen gehört in Deutschland auch SAP. Am Mittwoch erhöhte Konzernchef Bill McDermott die Prognose für 2019 – und die Aktie markierte nach einem Kurssprung von bis zu 14 Prozent ein Rekordhoch.

Es ist das Comeback eines schon fast abgeschriebenen Segments: Nach einem zeitweisen Absturz im Herbst dominieren Technologiewerte erneut den S&P 500 und tragen zu großen Teilen die Rally an der Wall Street. Eine wichtige Rolle spielen die bekannten FAANG-Aktien: Facebook, Amazon, Netflix und die Google-Mutter Alphabet. Sie haben seit Jahresanfang zwischen gut 20 Prozent (Alphabet) und 40 Prozent (Facebook) zugelegt.

Grafik

Vorsichtig äußert sich Goldman Sachs aber über Apple. Gründe dafür sind ein Patentstreit mit Qualcomm und möglicherweise zu hohe Erwartungen der Investoren an eine Erholung der Nachfrage in China.

Die größten Gewinner im Tech-Sektor waren aber gerade nicht die bekannten Namen. Unternehmen wie die an der Nasdaq notierte argentinische Onlinehandelsplattform Mercadolibre, eine Art Ebay für Südamerika, die chinesische Online-Reiseplattform Ctrip oder der US-Chiphersteller Xilinx legten noch viel deutlicher zu.

Mike Wilson, Aktienstratege bei der US-Großbank Morgan Stanley, ist wie viele Analysten und Investoren zwar von der Geschwindigkeit der Rally überrascht. Er sieht sie aber noch nicht am Ende. Wilson, der die Korrektur Ende 2018 vorhergesagt hatte, geht davon aus, dass der S&P 500 schon in den nächsten Wochen die Marke von 3 000 Punkten knacken wird. Das entspräche einem weiteren Kursplus von mindestens zwei Prozent.

Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, spricht gar von einem „Melt-up“ an der Wall Street. Das ist das Gegenteil eines Crashs – also ein unerwartet deutlicher Zufluss von Investorengeldern. Die Erklärung dafür ist simpel: Anleger fürchten, den Aufschwung zu verpassen, und kaufen deshalb nach. Dafür spricht derzeit viel.

Noch im März waren laut der monatlichen Investorenumfrage der US-Großbank BofA Merrill Lynch nur wenige Investoren in Aktien übergewichtet. Das ändert sich erst seit einigen Wochen. Dennoch halten die Investoren immer noch zu viel Cash, ist Bob Michele, Chefanlagestratege bei JP Morgan Asset Management überzeugt.

Jim Paulsen stimmt die Berichtssaison ebenfalls optimistisch. Viele Vorstandschef hätten sich zuversichtlich zu den kommenden Quartalen geäußert, betont der Chef-Investmentstratege des Vermögensverwalters Leuthold Weeden: „Es gibt eine ganze Reihe von guten Nachrichten, die uns zu diesen neuen Höchstständen gebracht haben.“

Powell fängt alles auf

Hintergrund der Rally ist ein gewaltiger Schwenk in der Geldpolitik. Ende 2018 hatten die Investoren noch Angst vor einer Rezession und befürchteten, dass die Notenbanken diese Gefahr unterschätzen und unbeirrt die Geldpolitik straffen. Inzwischen sind die Notenbanker sehr zahm geworden.

„Auf den Schwingen der Tauben“ betitelt die US-Vermögensverwaltung Neuberger Berman ihren aktuellen Ausblick auf die Kapitalmärkte: Diese Vögel gelten als Sinnbild für vorsichtige Geldpolitiker. Erik Knutzen, Chef-Investor von Neuberger, erwartet, dass die Stabilisierung von den USA auch auf Europa und China übergreift.

Zugleich sind einige der großen Risiken wie der internationale Handelskonflikt und der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union entweder abgeflaut – oder man hat sich daran gewöhnt. Am Mittwoch ging allerdings ein gewisser Dämpfer von China aus, wo die Regierung ihre Unterstützung der Wirtschaft offenbar für eine Weile zurückhaltender dosieren möchte.

Doch es sind die Notenbanken, die den Aufschwung an der Börse befeuern. Fed-Chef Jerome Powell hatte sich im vergangenen Jahr mehrfach sehr optimistisch über die wirtschaftliche Entwicklung der USA geäußert. Anfang des Jahres betonte er dann überraschend, die Fed werde mit Zinserhöhungen „geduldig“ sein.

Im März erklärte er noch einmal, dass die Fed die Zinsen wahrscheinlich bis ins kommende Jahr auf dem derzeitigen Niveau von 2,25 bis 2,5 Prozent belassen werde.

S&P 500

3000

Punkte

könnte der breite US-Aktienindex nach Ansicht der US-Bank Morgan Stanley bald erreichen.

Inzwischen erwartet kaum noch jemand an der Wall Street, dass die Fed die Zinsen in absehbarer Zeit weiter erhöht. Im Gegenteil: Viele Investoren rechnen sogar mit Zinssenkungen. Der Powell-Put – die Annahme, dass sich die Investoren im Zweifelsfall auf die Unterstützung der US-Notenbank verlassen können – funktioniert.

Unternehmen, die vor allem von der Hoffnung auf künftige Erträge leben, profitieren besonders stark von niedrigen Zinsen – und für viele Tech-Werte trifft genau das zu. Denn die Investoren rechnen künftige Gewinne um in aktuelle Bewertungen, und bei niedrigen Zinsen sind dann nur kleinere Abschläge fällig.

Umgekehrt reagieren die Kurse solcher Firmen häufig stark, wenn plötzlich die Zinsen anziehen oder entsprechende Erwartungen auftauchen.

Niedrige Zinsen helfen der Börse außerdem, weil viele Unternehmen ihre Schulden in den vergangenen Jahren massiv erhöht haben. Dieser Effekt ist nicht zu unterschätzen: Die Schulden der US-Unternehmen insgesamt haben nach Berechnungen des Schweizer Asset-Managers Unigestion mit 45 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts ein Rekordhoch erreicht.

Netflix & Facebook – Ist die TechRally vorüber?

Das Problem für Anleger: Was so schön gestiegen ist, kann auch wieder fallen. Politische Risiken, etwa ein harter Brexit: ein ungeordneter Ausstieg der Briten, können dafür der Auslöser sein. Oder neue Sorgen um die Stabilität Chinas.

Hinzu kommt, dass die hohen Kurse auf einer heiklen Logik beruhen: Sie wertet die schwächeren wirtschaftlichen Aussichten weniger stark als die niedrigen Zinsen, mit denen die Notenbanken darauf reagieren. Sollten sich diese Koordinaten erneut vertauschen, hätten wir eine ähnliche Situation wie gegen Ende 2018, als die Kurse einbrachen.

Die US-Wirtschaft dürfte laut Ökonomen in diesem Jahr mit 2,4 Prozent deutlich weniger wachsen als im vergangenen Jahr, in dem das Bruttoinlandsprodukt um fast drei Prozent stieg. Die Fed tagt das nächste Mal am 1. Mai – und es bleibt abzuwarten, ob die Notenbanker von ihrer abwartenden Haltung abweichen und in den kommenden Monaten vielleicht doch einen Zinsschritt für möglich halten. Das würde die Investoren zumindest kurzzeitig verunsichern.

Hinzu kommt: Die Börsen haben mit ihrer bisherigen Rally viele Vorschusslorbeeren verteilt. Als günstig bewertet gelten die US-Aktien jetzt nicht mehr. Die Unternehmen im S&P 500 werden mit dem 17-Fachen ihrer für die nächsten zwölf Monate erwarteten Gewinne bewertet und damit über ihrem langfristigen Durchschnitt von 15. Zu Jahresanfang lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) noch bei 14,3.

Im Nasdaq 100 liegt das KGV sogar bei knapp 21. Dagegen mutet Deutschlands Leitindex Dax mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 schon fast wie ein Schnäppchen an – die wirtschaftlichen Aussichten sind hierzulande aber auch deutlich schwächer als in den USA.

Startseite

Mehr zu: Tech-Rally - Der neue Aktienrausch: Wie der Boom der Tech-Aktien die Börsen beflügelt

0 Kommentare zu "Tech-Rally: Der neue Aktienrausch: Wie der Boom der Tech-Aktien die Börsen beflügelt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote