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Unternehmenspatriarchen leiten ihre Firma anders als angestellte Manager Erfolgreich geführt

Seit gestern gibt es einen Börsenindex, der auf familiengeführte Unternehmen setzt: Gex. Die drei Buchstaben stehen für German Entrepreneurial Index, was so viel wie „Deutscher Unternehmer-Index“ bedeutet. Angesichts des anhaltenden Erfolgs börsennotierter Familienunternehmen und der Fülle von Firmen, die im Eigentum von Familien sind – immerhin vier Fünftel – war der neue Index überfällig.
  • S. Grass/U. Sommer/R. Vierbuchen (Handelsblatt)

DÜSSELDORF. Studien belegen, dass familiengeführte Unternehmen – zu den ganz großen zählen Altana, BMW, Henkel, Merck, Metro und SAP – an der Börse mehr Erfolg haben als andere Firmen. Die Bonner Unternehmensberatung Intes fand heraus, dass sich Familienunternehmen in Krisenzeiten besonders bewähren. Das gilt sowohl für die Rankings bei den Ratingagenturen, die die Bonität prüfen, als auch für die Erträge. So haben im schlechten Jahr 2003 über 60 Prozent der Familienunternehmen mehr verdient als 2002. Bei Publikumsgesellschaften schafften das nur 40 Prozent.

Gründe für den Erfolg sind zum einen die hohe Flexibilität, bei Fehlentscheidungen das Ruder herumzureißen. BMW und Daimler sind gute Beispiele. Beide übernahmen vor einigen Jahren Wettbewerber: Daimler-Benz den US-Konzern Chrysler, BMW die britische Rover. Während Daimler seit fast sieben Jahren ohne Kritik des Aufsichtsrates weiter an Chrysler festhält, obwohl der Gesamtnutzen nicht sichtbar ist, trennte sich BMW rasch wieder von Rover, als sich die Edelmarke als Fehlgriff entpuppte. Der starke Einfluss der Familie Quandt über den Aufsichtsrat war wohl entscheidend.

Auf der anderen Seite überzeugen die meisten Familienunternehmen durch langfristige strategische Planung. „Jahres- oder gar Quartalsziele existieren nicht. Verträge gehen oft über Generationen“, meint Walter Sommer, Vermögensverwalter bei Großbötzl, Schmitz & Partner. Doch auch die hohe Kapitaldisziplin, eine konservative Finanzierungspolitik und bessere Eigenkapitaldecke sowie eine klare Fokussierung auf Kernkompetenzen überzeugen Sommer.

Er und seine Partner sind so angetan von Familienunternehmen an der Börse, dass sie bereits 2003 eigens einen Fonds auflegten, der ausschließlich in solche Firmen investiert – wohl der einzige in Europa. Zu den stärksten Positionen zählen Henkel und Altana, aber auch kleinere Werte wie der Verpackungsspezialist Krones, der Autozulieferer Grammer und der Pharmagroßhändler Sanacorp.

Kleine, aber feine Adressen wie der Schmierstoffanbieter Fuchs Petrolub, der Wohnmobilhersteller Hymer oder der Folienspezialist Surteco sind es, die dem Fonds Erfolg bringen. Die Wertentwicklung spricht für sich: Im vergangenen Jahr legte der Fonds 17 Prozent zu. Der Deutsche Aktienindex (Dax) brachte es lediglich auf sieben Prozent.

Doch auch über einen längeren Zeitraum schlagen Familienunternehmen den Dax. Die Hypo-Vereinsbank errechnete, dass die Aktien der 50 größten deutschen familiengeführten Unternehmen seit 1990 dem Dax deutlich jährlich um sieben Prozentpunkte überlegen waren. Ähnliches ermittelten die Investmentbank Goldman Sachs und Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS. Über einen Zeitraum von acht Jahren entwickelten sich 30 Unternehmen aus acht europäischen Ländern besser als alle jeweiligen Indizes dieser Länder.

Warum eine Politik, die sich mehr am Erhalt der Unabhängigkeit orientiert als am Ertrag, so erfolgreich ist, liegt in dem „menschlichen Phänomen des Unternehmers“, zeigt eine Studie der WestLB, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und des Finanzinvestors Apax Partners.

Der Unternehmenspatriarch beispielsweise aus der Nahrungsmittelindustrie finde viel schneller Zugang zu Kunden wie dem Discounter Aldi, der ebenfalls inhabergeführt sei, erläutert Norbert Winkeljohann, Vorstand von Price- Waterhouse-Coopers (PwC). Mitarbeiter aus Großkonzernen hätten da weniger Chancen. Weil die Unternehmenspatriarchen aber am Ende auch für ihre Fehler geradestehen müssen, gehen sie weniger risikoreiche Engagements ein.

Familienunternehmen haben jedoch auch ihre Achillesferse: die Nachfolgeregelung. Immer seltener findet sich ein geeigneter Nachfolger. „Der Generationenwechsel ist oft das größte Problem. Funktioniert er nicht reibungslos, entstehen oft große Bruchstellen“, sagt Vermögensverwalter Sommer. Entsprechend genau schaut er sich Unternehmen an, wenn eine Nachfolge ansteht und sich die Aktie in seinem Fonds befindet.

Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand fand heraus, dass nur noch jedes zweite Unternehmen innerhalb der Familie weitergegeben wird. Und nach Winkeljohanns Erfahrung geraten die meisten in der dritten Generation in Schwierigkeiten. Denn, so moniert Dietrich Reinhardt, Berater von Kap1 Consulting in Düsseldorf, oft komme nicht der Beste zum Zuge, da die Nachfolgeregelung in vielen Familienunternehmen nach dem Zufallsprinzip ablaufe.

Rühmliche Ausnahme ist die Familie Brenninkmeyer, der die Einzelhandelskette C&A gehört. Sie ist schon in der fünften Generation im Familienbesitz. Hier müssen Familienmitglieder, die sich um eine Führungsaufgabe bewerben, die normale „Ochsentour“ durchlaufen: eine umfassende Ausbildung in der Textilindustrie absolvieren sowie die Unternehmensphilosophie verinnerlichen. Im nächsten Schritt heißt es, sich vor einem Ausschuss, der sich aus erfolgreichen Mitgliedern der 163 Jahre alten Unternehmensdynastie zusammensetzt, zu beweisen, dass sie der großen Aufgabe auch wirklich gewachsen sind.

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